Rund 37 Prozent des Immobilienpreises entfallen auf Steuern, Gebühren und Abgaben. Damit ist der Staat bei jeder neu errichteten Wohnung einer der größten Kostentreiber im gesamten Wohnbauprozess.
Nach zwei Jahren massiven Einbruchs zeigt die österreichische Bauwirtschaft erstmals Anzeichen einer Bodenbildung. Doch ausgerechnet der Wohnbau blieb 2025 und zu Beginn von 2026 ein Sorgenkind. Während sich Teile des Tiefbaus stabilisieren, kommt der mehrgeschossige Wohnbau nur schleppend in Gang. Einer der Gründe liegt aus Sicht der Branche weniger bei den Unternehmen als bei den Rahmenbedingungen und damit auch beim Staat selbst.
Einbruch mit Verzögerungseffekt
Die Zahlen sind eindeutig: Die Bauproduktion in Österreich ist 2023 um 4,5 Prozent und 2024 um weitere 5,2 Prozent zurückgegangen. Für 2025 wird nochmals ein Minus erwartet, erst 2026 ein zartes Plus. Besonders deutlich ist die Schwäche im Wohnbau sichtbar, während Ein- und Zweifamilienhäuser zuletzt einen Großteil der bewilligten Projekte ausmachten. Für Projektentwickler bedeutet das: steigende Kosten, hohe Finanzierungshürden und eine Nachfrage, die unter Druck bleibt.
Der Staat als größter Profiteur
Alexander Pawkowicz, Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Projektentwickler (VÖPE), verweist auf einen Aspekt, der in der öffentlichen Debatte oft unterschätzt wird. „Was viele nicht wissen: Auch bei Immobilien ist der Staat der eigentliche Gewinner“, sagt Pawkowicz. Nach Berechnungen der Branche entfallen bei einer fertiggestellten Wohnung rund 37 Prozent des Gesamtpreises auf Steuern, Gebühren und Abgaben. Dazu zählen unter anderem Grunderwerbsteuer, Grundbuch- und Pfandrechteintragung sowie die Umsatzsteuer auf die Errichtung.
Nebenkosten als sichtbare Belastung
Ein Teil dieser Staatsquote ist für Käufer unmittelbar spürbar. Aktuelle Übersichten empfehlen, beim Immobilienkauf mindestens 10 bis 12 Prozent des Kaufpreises allein für Nebenkosten einzuplanen. Bei einem Kaufpreis von 500.000 Euro summieren sich Grunderwerbsteuer, Grundbucheintragung, Pfandrechtseintragung, Maklerprovision und Vertragserrichtung rasch auf rund 49.000 Euro. „Das sind Kosten, die viele unterschätzen“, so Pawkowicz. Rechnet man weitere Abgaben, Normen und Auflagen hinzu, werde deutlich, wie stark der Staat den Endpreis beeinflusse.
Wohnbaupolitik unter Druck
Aus Sicht der Projektentwickler liegt darin auch ein Hebel für Entlastung. Wenn der Staat Gebühren und Abgaben senke, könne Wohnen unmittelbar günstiger werden. Gleichzeitig liege es im Interesse der öffentlichen Hand, die Bauwirtschaft gezielt zu fördern. „Bautätigkeit in Rot Weiß Rot schafft zehntausende Arbeitsplätze und erhöht am Ende sogar die Staatseinnahmen“, argumentiert Pawkowicz.
Forderungen an die Politik
Diese Position vertritt auch die Allianz „Wohnraum für Österreich“, in der sich Projektentwickler, gemeinnützige Bauvereinigungen, Bauindustrie und die Gewerkschaft Bau Holz zusammengeschlossen haben. Sie fordert seit Ende 2024 entschlossenes Gegensteuern gegen den Rückgang im Wohnbau, Entbürokratisierung, steuerliche Anreize und eine klare Zuständigkeit auf Bundesebene. Anfang 2026 sei davon aus Branchensicht noch zu wenig umgesetzt.
Bauwirtschaft als Konjunkturhebel
Dabei zeigen Prognosen, dass ein gezielter Impuls Wirkung entfalten könnte. Fachanalysen sprechen für 2026 von einer vorsichtigen Stabilisierung des Bauvolumens. Ein „Bauturbo in Rot Weiß Rot“ könnte diesen zarten Aufschwung verstärken – mit doppeltem Effekt. Leistbarer Wohnraum würde entstehen, und gleichzeitig würden Beschäftigung und Wertschöpfung im Inland gestärkt. Für Pawkowicz ist daher klar: „Wenn wir den Wohnbau wieder in Gang bringen wollen, muss auch der Staat seinen Anteil an den Kosten kritisch hinterfragen.“