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Unsere Tiere

Fiaker-Unfall: Pferd noch vor Ort eingeschläfert

Ein Fiaker-Pferd ist in Wien-Simmering auf offener Straße zusammengebrochen und musste noch vor Ort eingeschläfert werden.  

Der Vorfall ereignete sich in der Haidestraße auf Höhe einer Bushaltestelle. Augenzeugen berichten, dass das Tier plötzlich kollabierte und regungslos auf der Fahrbahn liegen blieb. Mehrere Fiakerfahrer versuchten laut Zeugen, das Pferd wieder aufzurichten, doch das gelang nicht.

Eine Augenzeugin, die später zum Unfallort kam, berichtete außerdem, dass das Pferd über einen längeren Zeitraum ohne erkennbare Bewegung am Boden lag. Auch die Nüstern hätten sich nicht mehr bewegt. Laut Beobachtern soll der Lenker des Gespanns zunächst keine Anstalten gemacht haben, dem Tier Geschirr oder Zaumzeug abzunehmen. Erst Helfer, die zum Unfallort eilten, hätten schließlich reagiert und entsprechende Maßnahmen gesetzt.

Kurz darauf traf die Polizei ein und sperrte den Bereich ab. Ein herbeigerufener Tierarzt untersuchte das Pferd und stellte einen sehr schlechten Allgemeinzustand fest. Das Tier war etwa 30 Jahre alt und deutlich abgemagert – auf Fotos sind die Rippen klar zu erkennen. Aufgrund der starken Schwäche wurde entschieden, den Rappen noch direkt vor Ort einzuschläfern.

Der Besitzer des Pferdes steht laut Medienberichten bereits länger in der Kritik. Sein Betrieb soll mehrfach wegen der Haltungsbedingungen und des Umgangs mit den Pferden angezeigt worden sein. Nach dem Vorfall wurde erneut Anzeige erstattet, außerdem wurde der Amtstierarzt informiert. Der Halter besitzt eine unbefristete Gewerbeberechtigung für insgesamt vier Fiaker-Gespanne mit jeweils zwei Pferden.
Pferde können bei guter Pflege zwar 30 Jahre oder älter werden, in diesem Alter verbringen sie jedoch normalerweise bereits ihren Ruhestand auf der Weide. Dieses Pferd musste jedoch auch im hohen Alter noch arbeiten und wurde bis zur letzten Minute seines Lebens genutzt.

Der Verein gegen Tierfabriken zeigt sich nach dem Vorfall betroffen und fordert erneut ein Ende der Fiaker in Wien. Georg Prinz, stellvertretender Obmann des Vereins, betont, eine Stadt sei kein geeigneter Ort für Pferde.

Aber warum genau ist der Einsatz von Pferden in der Innenstadt so problematisch?
Pferde sind Herdentiere, die ursprünglich in offenen Landschaften leben und sich dort täglich viele Kilometer frei bewegen. Den Großteil des Tages verbringen sie mit ruhigem Grasen – oft bis zu 16 Stunden – während sie langsam über weite Flächen ziehen. Dabei pflegen sie enge soziale Kontakte innerhalb der Herde und kommunizieren ständig miteinander. Als Fluchttiere sind Pferde sehr sensible Tiere: In ihrer natürlichen Umgebung behalten sie die weite Landschaft im Blick und können mögliche Gefahren schon aus großer Entfernung wahrnehmen und rechtzeitig reagieren.

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In der Stadt sind diese natürlichen Bedingungen kaum vorhanden. Fiakerpferde ziehen Kutschen durch dichten Verkehr, zwischen Autos, Straßenbahnen und Menschenmengen. Lärm, Abgase und enge Straßen bedeuten für die sensiblen Tiere dauerhaften Stress. Anders als in der freien Landschaft können sie Gefahren nicht frühzeitig erkennen, sondern werden oft plötzlich mit ihnen konfrontiert und haben keinerlei Möglichkeit auszuweichen oder zu flüchten. Gleichzeitig bewegen sie sich auf hartem Asphalt und ziehen schwere Lasten. Tierschützer sehen darin einen klaren Widerspruch zur natürlichen Lebensweise der Pferde und kritisieren deshalb seit Jahren die Fiakerei als Tierquälerei.

Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie umstritten der Einsatz von Pferden im Stadtverkehr ist. Er stellt erneut die Frage, ob Pferdekutschen in unserem modernen Stadtleben wirklich noch zeitgemäß sind – oder ob Pferde auf einer Weide nicht besser aufgehoben wären.

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