Die italienischen Alpen erleben ein besonders tödliches Jahr. Seit Anfang 2026 sind bereits 32 Menschen durch Lawinen ums Leben gekommen – so viele wie in keinem anderen europäischen Land. Experten sprechen von einer dramatischen Situation in den Bergen.
2026 wird für die italienischen Alpen wohl als tragisches Jahr in Erinnerung bleiben. Seit Jahresbeginn wurden 32 Todesopfer gezählt – ein europäischer Negativ-Rekord. Zum Vergleich: In Frankreich kamen 30 Menschen ums Leben, in Österreich 29. Das geht aus Daten der Europäischen Lawinenwarnsysteme (EAWS) hervor.
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Instabile Schneeschichten und stark schwankende Wetterbedingungen haben vor allem in Trentino, Lombardei, Aostatal und Piemont zu zahlreichen Rettungseinsätzen geführt.
Mehrere schwere Unglücke
Besonders tragisch entwickelte sich die Lage Anfang Februar. Allein in den ersten sieben Tagen des Monats starben zwölf Menschen, davon elf durch Lawinen. Das alpine Rettungskorps sprach von einer „dramatischen Situation“. Ursache seien schwache Altschneeschichten, die von frischem Neuschnee überlagert wurden und dadurch besonders instabil sind.
Zu den schwersten Lawinenunglücken gehörte eine Serie von fünf Todesfällen in der Region Valtellina, im Trentino und im Aostatal. Weitere Tragödien folgten kurz darauf: Drei französische Skitourengeher wurden oberhalb von Courmayeur im Gebiet Canali dei Vesses von einer Lawine erfasst und getötet.
Mitte Februar starben außerdem sechs Menschen in der Val Veny im Grenzgebiet zu Frankreich.
Gefährliche Schneedecke
Starke Schneefälle, gefolgt von Wind und steigenden Temperaturen, haben eine extrem fragile Schneedecke entstehen lassen. Besonders in den Dolomiten galt häufig Lawinenwarnstufe 3 von 5 („erheblich“)“. Rund 50 Prozent der tödlichen Lawinenunfälle ereigneten sich genau bei dieser Stufe – sie werde von vielen Bergsportlern unterschätzt, warnen Experten.
Behörden warnen eindringlich
Experten betonten, dass selbst erfahrene Bergsportler nicht vor Risiken gefeit seien. Risse im Schnee oder dumpfe Geräusche gelten als deutliche Warnsignale. Die Behörden raten dringend dazu, täglich die Lawinenlageberichte zu prüfen und vollständige Sicherheitsausrüstung wie Lawinenschutzausrüstung (LVS-Gerät), Schaufel und Sonde mitzuführen. Zudem solle erwogen werden, Ausflüge zu verschieben, bis sich die Schneedecke auf natürliche Weise stabilisiert habe. Selbst für erfahrene Skifahrer sei es abseits der Pisten schwierig, sichere Routen zu erkennen.