Der erste große Rückholflug mit österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern aus der Nahost-Krisenregion ist am Mittwoch aus der omanischen Hauptstadt Maskat nach Wien gestartet.
Insgesamt seien 151 Personen an Bord der vom Außenministerium koordinierten Maschine, teilte eine Sprecherin von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) mit. Der Flug wird laut Flughafen-Website gegen 21 Uhr, und damit rund 3.5 Stunden später als geplant, in Wien erwartet.
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Die Österreicherinnen und Österreicher wurden zuvor mit organisierten Bustransfers nach Maskat gebracht, teilte die Sprecherin mit. Österreich bemühe sich kontinuierlich, seine Staatsbürgerinnen und Staatsbürger herauszubringen, betonte Außenministerin Meinl-Reisinger am Dienstag nach einer Sitzung des Krisenstabes im Außenministerium in Wien. Am Mittwoch soll ein Rückführflug mit Österreichern an Bord starten. Aktuell seien knapp 18.000 Staatsbürger in der Krisenregion registriert, hieß es.
Derzeit seien 2.500 Reisende in der Region registriert. Laut der detaillierten Aufstellung nach Ländern, die das Außenministerium zur Verfügung stellte, ist die Anzahl der Reiseregistrierten mit rund 1.600 in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) am höchsten, gefolgt von über 300 im Oman, rund 160 in Katar und rund 120 in Israel.
Erster Rückflug am Sonntag
Am vergangenen Sonntag sei bereits ein erster Flug mit "besonders vulnerablen Personen" durchgeführt worden, berichtete ihrerseits Meinl-Reisinger. Das Außenministerium sei nun bemüht, Ausreisewillige in den nächsten Tagen auf dem Landweg aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar mit Bussen nach Riad in Saudi-Arabien bzw. Maskat zu bringen. Wie der Sprecher berichtete, sei zuletzt die Ausreise für 200 Personen mit Bussen nach Riad organisiert worden, letztlich seien aber nur etwa 40 Personen mitgefahren. Die österreichischen Behörden bemühten sich auch für die nächsten Tage, weitere Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Am Donnerstag könnte es erneut einen Charterflug geben.
Der Sprecher appellierte an Reisende, Angehörige und Medien, sich bei jeglichen Schwierigkeiten umgehend an die örtlichen österreichischen Vertretungen zu wenden. Es könne immer geholfen werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Botschaften an Ort und Stelle arbeiteten mit großem Einsatz und unter persönlicher Gefährdung daran, alle Österreicherinnen und Österreicher in Sicherheit zu bringen, erinnerte er.
Koordinierung mit EU-Partnern soll Rückkehr nach Europa beflügeln
Wegen der erneuten kriegerischen Eskalation zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran und seinen verbündeten Milizen in der Region auf der anderen Seite ist der Luftraum über Saudi-Arabien derzeit teilweise gesperrt, jener des Oman gar nicht. Im Gegensatz dazu gibt es wegen des seit Tagen laufenden Luftkriegs in weiten Teilen des Nahen Ostens überhaupt keine zivilen Flüge. Zehntausende Reisende sitzen in der Region fest.
Man sei zudem im laufenden Kontakt mit EU-Kollegen, um die Synergien auf europäischer Ebene besser zu nutzen, betonte die Ministerin. Der Krisenstab des Außenministeriums tagt derzeit angesichts der Eskalation zweimal am Tag. Ihm gehören neben der Außenministerin die per Video zugeschalteten Botschafterinnen und Botschafter in der Region sowie Zuständige aus Wien an, darunter auch aus dem Innen- und dem Verteidigungsministerium.
Bundeskanzler Stocker telefonierte mit Partnern in der Region
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) telefonierte am Dienstag mit den Präsidenten Zyperns und der VAE, sowie dem Premier Kuwaits. Thema der Telefonate seien die Auswirkungen der Entwicklungen in der Region auf die Handelswege und die internationale Wirtschaft gewesen, teilte die Sprecherin des Kanzlers der APA mit. Im Gespräch mit dem zypriotischen Präsidenten Nikos Christodoulidis sei angesichts der jüngsten Drohnenangriffe auf Zypern klargeworden, wie wichtig die Beteiligung Österreichs am europäischen Luftverteidigungssystem Sky Shield sei. "Damit schaffen wir die Fähigkeit, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und wirksam abzuwehren - mit dem klaren Ziel, Österreich zu schützen", betonte Stocker.
Sowohl Mohamed bin Zayed Al Nahyan, der Präsident der VAE, als auch Ahmad Abdullah Al-Ahmad Al-Sabah, der Premierminister Kuwaits, hätten zugesagt, bei der Ausreise von gestrandeten Österreicherinnen und Österreicher zu helfen, so die Sprecherin weiters. Zudem seien beide bemüht zu einer raschen Normalisierung der Lage und damit auch zu einer Stabilisierung der Energiepreise beizutragen.
Auch andere Staaten fliegen ihre Bürger heim
Wie Österreich bemühen sich auch andere Staaten darum, ihre Bürger heimzufliegen. Heute will die Bundesregierung ihre Rückholaktion für Kinder, Kranke und Schwangere starten. Nach den Worten von Außenminister Johann Wadephul (CDU) ist ein erster Flug nach Maskat geplant, mit dem Menschen aus der Hauptstadt des Oman geholt werden sollen. Bereits am Dienstag kamen Urlauber mit den ersten Linienmaschinen nach Deutschland.
Großbritannien organisiert ebenfalls die Evakuierung seiner Staatsbürger aus dem Oman. Man arbeite mit Fluggesellschaften an zusätzlichen Kapazitäten ab Maskat, sagt Außenministerin Yvette Cooper am Dienstag im Parlament. Vorrang hätten besonders schutzbedürftige Personen. Ein von der Regierung gecharterter Flug soll am Mittwoch um 21.00 Uhr MESZ starten. Zudem plane British Airways für Donnerstag einen weiteren Flug. Das Außenministerium warnt britische Staatsbürger jedoch davor, ohne eine direkte Aufforderung zum Flughafen zu fahren. In den Golfstaaten haben sich nach Angaben der Ministerin 130.000 Briten registriert.
Auch die US-Regierung hat die Bereitstellung von Charterflügen zur Evakuierung von US-Bürgern aus dem vom Iran-Krieg erschütterten Nahen Osten bekanntgegeben. US-Vertreter hätten bei der Organisation von Flügen aus Jordanien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten geholfen und "werden weiterhin zusätzliche Kapazitäten sichern, sofern die Sicherheitslage dies zulässt", erklärte das US-Außenministerium am Dienstag. Seit dem Beginn des Krieges am Samstag seien bereits mehr als 9.000 US-Bürger sicher aus dem Nahen Osten ausgereist, davon mehr als 300 aus Israel, teilte das US-Außenministerium mit.