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Wiederholen

Untersuchungsrichterin gegen Salvini

Carola Rackete: Junge Kapitänin wieder in Freiheit

Wende im Politkampf um die 31-jährige deutsche Seenotretterin. Sie ist wieder frei.

Knalleffekt im Krimi um die junge deutsche Kapitänin Carola Rackete (31). Der Haftbefehl gegen sie wurde aufgehoben – sie ist wieder frei. Die Polizei des rechts­extremen italienischen Innenministers Matteo Salvini hatte der Chefin der „Sea-Watch 3“ neben Beihilfe zur illegalen Migration auch Widerstand „gegen ein Kriegsschiff“ vorgeworfen. Die Kapitänin hat ja 42 Flüchtlinge nach Lampedusa (Italien) gebracht. Beim Einlaufen in den Hafen rammte sie ein Polizeischiff, das ihren Weg blockiert hatte. Zuletzt stand Rackete unter Hausarrest.

Nun hat die Untersuchungsrichterin der Stadt Agrigent entschieden, den Haftbefehl aufzuheben. Rackete hätte sich keines Vergehens schuldig gemacht, sondern „im Rahmen ihrer Pflichten gehandelt“. Sie hätte Lampedusa ansteuern müssen, weil die Häfen in Libyen und Tunesien nicht sicher wären.

Damit übernimmt die Richterin die Argumente der Kapitänin und widersetzt sich offen Minister Salvini, für den die Deutsche eine Kriminelle ist, „die den Tod italienischer Ordnungskräfte riskiert“ hätte.

Er tobt, weil es für Rackete keine strenge Strafe gebe. Immerhin verfügte der Präfekt von Agrigent bereits die Ausweisung der Kapitänin aus Italien, wie sie Salvini forderte.

Doch die Justiz will sich lange, lange Zeit lassen, diese zu genehmigen …

© Miguel MEDINA / AFP

Italiens rechter Innenminister Matteo Salvini tobt nach dem Urteil.

Starke Frau: Wer aber ist Carola Rackete?

Für Millionen ist sie eine ­Heldin: „Rackete gehört nicht ins Gefängnis, sondern in die Geschichtsbücher“, heißt es in der Onlinepetition #freeCarola. Fast 1,3 Millionen Euro an Spenden gingen für sie ein (siehe rechts). Deutschlands Präsident Frank-Walter Steinmeier kämpft für sie. Auch in Wien und Salzburg, wo Ita­liens Staatspräsident Mattarella zu Gast war, wurde für sie mit der Parole „Libertà per Carola!“ demonstriert.

Offizier

Rackete stammt aus der Nähe der Hafenstadt Kiel. Ihr Vater war Oberstleutnant der Bundeswehr. Sie studierte Nautik, hat einen Master in Conservation Management. Umweltschutz ist ihre Leidenschaft. Sie jobbte für Expeditionskreuzfahrten, in der Polarforschung. Sie hasst es, im Rampenlicht zu stehen, ist eine leise Rebellin.

© Twitter

Der Vater: Ekkehart Rackete.

Racketes Vater: "Sie macht, was sie für richtig hält"

 

Ekkehart Rackete beschreibt seine Tochter als „politisch interessiert, analytisch“. Sie sei auch nicht blauäugig auf einen Abenteuertrip gegangen, sagt er: „Sie macht, was sie für richtig hält.“ Auch habe sie keine sozialrevolutionäre Ader: „Als nautische Offizierin ist sie es gewohnt, Entscheidungen zu treffen.“ Sie habe auf der Chinesischen Mauer gezeltet, ist durch Südamerika getrampt: „Leider kann sie kein Italienisch. Sonst würde sie Salvini einen Satz rote Ohren verpassen“, sagt der Vater, der außerordentlich stolz ist auf seine Tochter.

© TZOE/Artner

Demo für Rackete in Wien.

Schon 1,3 Millionen Euro Spenden für Rettungsschiff

Mehr als 900.000 Euro gingen bis Dienstag auf das Konto #freeCarolaRackete ein. Die Aktion ­haben die TV-Moderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf gestartet. Eine Sammelaktion in Italien erbrachte bisher Spenden von mehr als 400.000 Euro.

Derzeit beträgt die Strafe gegen Rackete 50.000 Eu­ro. Das Schiff bleibt vorerst beschlagnahmt.

K. Wendl

© TZOE

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