Abottabad

Die letzten Minuten

Bin Laden starb "wie ein Feigling"

Was geschah in jenen Minuten, in denen Navy Seals Bin Ladens Haus stürmten?

Terror-Chef Osama Bin Laden habe in seinen letzten Momenten "verängstigt" und "konfus" gehandelt, zitiert das US-Nachrichtenportal Fox News nicht näher genannte Quellen, die an der Operation in Abottabad beteiligt waren. Er habe seine Frau in Richtung jenes Navy-Elitesoldaten gestoßen, der ihn kurz darauf erschoss.

Schusswaffen in Reichweite

Fox zitiert weitere Quellen, wonach Bin Laden "wie ein Feigling" gehandelt habe. Er sei den Soldaten der Spezialeinheit zwar unbewaffnet gegenübergestanden, aber in seiner Reichweite hätten sich zwei Schusswaffen befunden - eine AK-47 (Kalaschnikow-Sturmgewehr) und eine halbautomatische Pistole. Insgesamt hätten die US-Soldaten "mindestens ein halbes Dutzend" Schusswaffen im Gebäude gefunden.   

Bei der Schießerei im Versteck des Terrorpaten sind insgesamt fünf Menschen erschossen worden. Nur eine Person sei bewaffnet gewesen und habe "sofort das Feuer auf die Soldaten eröffnet". Der Sohn Bin Ladens, Khaled, sei vom dritten in den zweiten Stock heruntergerannt, als ihn die tödlichen Kugeln der US-Spezialeinheiten trafen.

Im dritten Stock des Gebäudes trafen die Spezialkräfte schließlich auf Bin Laden. Er habe sich nicht unmittelbar ergeben. Der erste Schuss, den ein Soldat in seine Richtung abgab, habe ihn nicht getroffen. Erst die zweite und dritte Kugel trafen den Terrorpaten - eine in den Kopf und eine in die Brust.

Monatelang observiert
Wie die Washington Post berichtete, habe der US-Geheimdienst CIA den Al-Kaida-Chef zuvor über Monate in seinem Rückzugsort ausspioniert. Ein kleines CIA-Team observierte von einem konspirativen Haus aus den Komplex. Die Agenten hätten sich auf pakistanische Informanten und andere Quellen gestützt. Ziel sei es gewesen, sich ein Bild über die Bewohner des Hauses und deren Tagesabläufe zu machen. Die Sammlung von Daten hätte alle möglichen geheimdienstlichen Aktivitäten von der Satellitenüberwachung bis zum Abhören eingeschlossen.

Anschläge auf Züge geplant
Geheimdienst-Spezialisten werten derzeit die in Bin Ladens Haus sichergestellten Unterlagen aus. Demzufolge soll das Terrornetz zumindest bis Februar 2010 an "eine Operation gegen Züge an einem nicht näher bezeichneten Ort" am zehnten Jahrestag  der Attacken vom 11. September 2011 gedacht haben. Als eine Option habe die Al-Kaida erwogen, einen Zug durch Manipulation der Schienen auf einer Brücke zum Entgleisen zu bringen.

Nach Angaben des US-Senders ABC befinden sich unter dem sichergestellten Material Grafiken und Webseiten, die darauf hinweisen, dass verschiedene Terrorkomplotte in Betracht gezogen wurden. Nach ersten Auswertungen habe aber keines davon die Planungsphase erreicht, es habe sich vielmehr um Überlegungen gehandelt.

Was geschieht mit der Villa?
Das Anwesen Bin Ladens ist schon nach wenigen Tagen zu einer makaberen Attraktion geworden. Pakistan muss fürchten, dass die Villa, in der sich Bin Laden jahrelang unbehelligt verstecken konnte, zu einer Art Pilgerstätte seiner Anhänger werden könnte. Eine Lösung, dies zu verhindern, könnte es sein, sie einfach zu zerstören. Doch es gibt auch Stimmen dagegen.

Die Armee äußerte sich bisher nicht. Antiterror-Einheiten, die gegen Taliban und Al-Kaida in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan kämpfen, zerstören in der Regel die Häuser ihrer Gegner - und auch in diesem Fall kann das Militär kein Interesse daran haben, die Villa stehen zu lassen. Sollte es stimmen, was Armee und Regierung immer wieder versichern, dass niemand etwas über Bin Ladens Verbleib wusste, dann wäre das Anwesen nur ein allzu deutliches Symbol für das kollektive Versagen.
 

 

 




 

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