Leibwächter packt aus

"Castro liebt den Luxus"

Fidel Castro sei alles andere als ein selbstloser Freiheitskämpfer.

 An Fidel Castro scheiden sich die Geister. Für die einen ist der kubanische Revolutionsführer ein selbstloser Freiheitskämpfer, für die anderen ein übler Despot. Ein früherer Leibwächter verspricht nun in einem Buch, das wahre Gesicht des Comandante zu zeigen.

Fidel Castro umgab sich immer gern mit der Aura asketischer Bescheidenheit. "Ich besitze wirklich nichts", sagte der damalige kubanische Staatschef vor gut zehn Jahren in einem Interview mit Attac-Mitbegründer Ignacio Ramonet. Sein Gehalt gab der "Maximo Lider" in der von Ramonet verfassten Biografie "Mein Leben" mit 750 Pesos im Monat an, umgerechnet 30 US-Dollar.

Abrechnung
Alles Lüge, sagt Juan Reinaldo Sanchez. Der 66-jährige Kubaner war nach eigenen Angaben 17 Jahre persönlicher Leibwächter Castros, bevor er 1994 in Ungnade fiel, für zwei Jahre im Gefängnis landete und nach zehn gescheiterten Versuchen 2008 in die USA fliehen konnte. In seinem jetzt auf Deutsch erschienen Buch "Das verborgene Leben des Fidel Castro" rechnet er mit dem "Comandante en Jefe" ab.

Demnach führte Kubas Chefkommunist ganz nach Kapitalistenart ein Leben in Saus und Braus. Während die Kubaner nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hungerten, aß Castro (88) in seiner Residenz mit seiner Familie a la carte. Der Autor weiß von ungefähr 20 Häusern auf Kuba, die Castro ausschließlich selbst benutzte und von einem üppig gefüllten Sonderkonto - der "reserva del Comandante". Er berichtet auch von den Ausflügen in der Luxusjacht "Aquarama II" zu Castros paradiesischer Privatinsel Cayo Piedra, wo er den Chef bei der Unterwasserjagd vor Muränen, Haifischen und Pfeilhechten schützte.

Insider-Wissen
Unter Castros Personenschützern hatte der Oberstleutnant, wie er schreibt, als "erster" Leibwächter eine herausgehobene Funktion. Er musste auch in einem Tagebuch Protokoll über alle Aktivitäten des Comandante führen. Deshalb habe er stets gewusst, mit wem Fidel über welche Themen gesprochen habe. Auch die Weinmarke, die getrunken wurde, hatte er zu notieren. Er begleitete Castro auf vielen Auslandsreisen oder bereitete diese vor.

Da weiß Sanchez viel zu erzählen. Vor dem Blockfreiengipfel 1986 in Harare zum Beispiel habe er für Castros Unterbringung eigens ein Haus gekauft, unter dem kubanische Handwerker dann einen Luftschutzkeller aushoben. Kuba kämpfte damals in Angola gegen Südafrika und befürchtete einen Luftangriff des Apartheidstaates. Castro reiste laut Sanchez meist mit seinem eigenen Bettgestell ins Ausland. In Pjöngjang habe er seinen Chef das einzige Mal betrunken erlebt.

Familienleben
Ausführlich schildet Sanchez auch Castros Familienleben, das in Kuba offiziell tabu ist. Dass Castro mit seiner lange Zeit verheimlichten Ehefrau Dalia Soto del Valle - alias "la companera" - fünf Söhne hat, ist nicht ganz neu. Sanchez liefert auch Alter und Werdegang von Alexis, Alex, Alejandro, Antonio und Angelito. Castro hat außerdem einen Sohn aus erster Ehe ("Fidelito") und mehrere uneheliche Kinder, darunter die 1993 in die USA geflohene Alina Fernandez. Der alte Schürzenjäger habe laufend außereheliche Beziehungen gehabt, aber auch Dalia habe ihn mal betrogen, schreibt Sanchez.

Im Sommer 2006 gab Fidel Castro kurz vor seinem 80. Geburtstag wegen einer schweren Erkrankung alle seine Regierungsämter an seinen Bruder Raul ab. Sanchez schreibt, dass Castro auch schon 1983 und 1992 wegen Darmkrebses operiert wurde und im zweiten Fall dem Tode nahe war.

Keine Beweise
Nachprüfen lässt sich das nicht, so wie auch manche andere Aussagen, bei denen Sanchez die einzige Quelle ist. Dort, wo es um nachprüfbare Ereignisse geht, sind Fakten, Jahreszahlen und Namensschreibweisen in den meisten Fällen korrekt. Das Buch krankt daran, dass Sanchez Handlungsweisen von Castro als Regierendem im Präsens schildert, obwohl dieser ja schon seit etlichen Jahren nicht mehr im Amt ist. Seinen Bericht ließ der Autor einen französischen Ghostwriter schreiben, die deutsche Übersetzung zeigt deutliche Schwächen.

Sanchez sagt, er sei in der Haft gefoltert worden, obwohl es laut Castro in Kuba gar keine Folter gebe. Dass sein Urteil über seinen einst heiß verehrten Gönner ("Für mich war er eine Art Gott") nach Degradierung und Einkerkerung vernichtend ausfällt, ist verständlich. "Mehr noch als seine Undankbarkeit gegenüber seinen Untergebenen werfe ich ihm seinen Verrat vor. Denn er hat die Hoffnungen von Millionen Kubanern verraten", schreibt er.
 

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