Monika Schnitzer: Tankrabatt großer Fehler und sozial ungerecht
Berlin. Die Vorsitzende der sogenannten Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, hat die deutsche Bundesregierung vor einer Fortsetzung staatlicher Entlastungsmaßnahmen bei steigenden Energiepreisen gewarnt. Im Gespräch mit der "Augsburger Allgemeine" kritisierte sie insbesondere den Tankrabatt als "großen Fehler" und sozial ungerecht.
Höhere Spritpreise signalisierten die Knappheit von Öl, sagte Schnitzer. Verbraucher müssten diese Entwicklung spüren, um ihren Verbrauch anzupassen. "Wenn die Menschen es spüren, fahren sie langsamer und weniger", erklärte die Ökonomin. Auch ein Tempolimit könne helfen, den Verbrauch zu senken.
Die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung kritisierte den Tankrabatt auch aus Verteilungsgründen. Wohlhabendere Haushalte mit hohem Spritverbrauch profitierten überproportional, obwohl sie weniger auf staatliche Unterstützung angewiesen seien. Hilfen sollten gezielt denjenigen zugutekommen, die sie tatsächlich benötigten.
Schnitzer: "Die schlimmsten Folgen kommen noch"
Mit Blick auf die bevorstehende Urlaubssaison warnte Schnitzer vor neuen staatlichen Eingriffen angesichts steigender Preise infolge des Iran-Kriegs, etwa durch teureres Kerosin. Wenn Flugreisen dadurch unerschwinglicher würden, müssten Urlaubspläne angepasst werden. "Wir können nicht den Sommerurlaub durch Schulden auf Kosten unserer Kinder subventionieren", betonte sie.
Zugleich verwies Schnitzer auf mögliche weitere wirtschaftliche Folgen der Öl-Krise, etwa steigende Lebensmittel- und Transportkosten sowie zunehmenden Inflationsdruck. Sollte sich dieser verfestigen, könnte die Europäische Zentralbank gezwungen sein, die Zinsen anzuheben. "Die schlimmsten Folgen der Sperrung der Straße von Hormuz kommen noch auf uns zu."
Vorwürfe, ihre Position sei realitätsfern, wies die Ökonomin zurück. Sie habe sowohl Zustimmung als auch Kritik erhalten, so Schnitzer. Zugleich verwies sie auf ihre eigene Herkunft aus einfachen Verhältnissen und betonte, sie kenne den Umgang mit knappen finanziellen Mitteln aus eigener Erfahrung.