Lampedusa

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"Die EU lässt uns im Stich"

Wieder Flüchtlingsdrama in Italien. Die Bürgermeisterin von Lampedusa schlägt Alarm.

Tausende Flüchtlinge versuchen derzeit, über die ruhige See aus Nordafrika nach Lampedusa und Sizilien zu gelangen. Täglich spielen sich neue Tragödien ab: Am Samstag lief ein Fischkutter mit rund hundert Syrern und Ägyptern vor Catania auf eine Sandbank auf.

Die Schlepper zwangen die Flüchtlinge, ins Meer zu springen. 94 konnten sich ans Ufer retten. Sechs junge Flüchtlinge aber ertranken – sie konnten nicht schwimmen. Ihre Leichen wurden an die Badestrände von Catania geschwemmt. Dort herrschte riesiger Touristentrubel. Gerade hatten Kreuzfahrtsschiffe mit 12.500 Passagieren angelegt.

Flüchtlingslager überfüllt, täglich landen neue Boote
Sizilien und Lampedusa (nur 100 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt) können die Flüchtlingsmassen derzeit nicht mehr aufnehmen: „Täglich ertrinken vor unseren Küsten junge Menschen, das ist fast wie im Krieg“, klagt Giusi Nicolini an, Bürgermeisterin von Lampedusa: „Wir sind überfordert, aber die Europäische Union lässt uns im Stich. Wir brauchen dringend Hilfe, die Flüchtlingsströme lassen sich nicht mehr aufhalten.“

Bürgermeisterin Giusi Nicolini klagt an
In einem offenen Brief an die EU schrieb Bürgermeisterin Giusi Nicolini: „Ich wurde im Mai 2012 gewählt, und bis zum 3. November wurden mir bereits 21 Leichen von Menschen übergeben, die ertrunken sind, weil sie versuchten, Lampedusa zu erreichen. Das ist für mich unerträglich.“

Und: „Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass die europäische Einwanderungspolitik Menschenopfer bewusst in Kauf nimmt, um die Migrationsflüsse einzudämmen. Vielleicht betrachtet sie sie sogar als Abschreckung. Ich bin über die Gleichgültigkeit entrüstet, mich regt das Schweigen auf, obwohl es hier ein Massaker gibt.“

(wek)

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