Dieser Bub tötete 9 Menschen

Er war psychisch krank

Dieser Bub tötete 9 Menschen

Ali (18): Bluttat, weil er in der Schule gemobbt wurde.

 

Der Amoklauf von München wurde von einem Teenager verübt. Ali Sonboly (18) ging noch zur Schule, wohnte bei seinen Eltern in einem noblen Teil von München (Maxvorstadt). Doch am Freitag brannten bei ihm alle Sicherungen durch: Mit einer Pistole erschoss er neun Menschen, bevor er sich selbst richtete. Vor den Augen von Polizisten, die ihn gestellt hatten und auf ihn einredeten, zog er eine Waffe, hielt sie sich an den Kopf und erschoss sich (siehe Protokoll ganz rechts).

Ermittler rätseln über das Motiv des jungen Täters

Die Ermittler rätseln nun, was Ali zu dieser Tat getrieben hat. Nach Durchsuchung seines Kinderzimmers ist klar: Es besteht kein Zusammenhang mit der Terrormiliz IS.

Der wahre Auslöser: Der Schüler wurde in der Klasse offenbar von Türken und Arabern gemobbt. Mit dieser Tat wollte er sich nun auf seine Art rächen. Und es ist wohl kein Zufall, dass er bei seinem Amoklauf fast ausschließlich auf Jugendliche zielte.

Die Wahnsinnstat plante der Deutsch-Iraner penibel. Er legte sich ein falsches Facebook-Profil an, in dem er sich als junge Türkin ausgab. Unter dem Namen Selima A. lockte er Jugendliche zu McDonald’s, wo sein Amoklauf begann, um so die Opferzahl zu erhöhen.

Sprach Todesdrohungen gegen Online-Spieler aus

Schon früher kündigte er im Internet ein Blutbad an. Er verbrachte Stunden mit Ballerspielen, nannte sich „Psycho“ oder „Wir spielen dieses Spiel bis zum Tod“. Nach Todesdrohungen gegen Mitspieler wurde er von einer Gruppe ausgeschlossen. Auch bei ­diesen Games kontaktierte er Jugendliche und bat sie in die McDonald’s-Filiale. Bei der Polizei war er davor kaum aufgefallen – und wenn, dann nur als Opfer von Delikten.

Im Jahr 2010 wurde er von anderen Jugendlichen verprügelt. Zwei Jahre später stahl ihm jemand die Brief­tasche. Bagatellen, die Verfahren wurden eingestellt.

Wegen einer psychischen 
Erkrankung in Behandlung

Sein großes Attentäter-Vorbild war offenbar der Amokläufer Anders Behring Breivik, der 77 Menschen ermordete (siehe Kasten rechts). Sonboly soll sogar ein Foto des Norwegers als Profilbild auf WhatsApp benützt haben.

Der Teenager wurde in München geboren, sein Vater ist erfolgreicher Taxiunternehmer. In seinem Zimmer fand die Polizei ein Exemplar des Buches Amok im Kopf – warum Schüler töten. Darin geht es um Schulmassaker in den USA.

Sonboly litt seit Jahren an Depressionen, die Polizei erwähnte eine psychische Erkrankung. Sonboly selbst sprach während seiner Tat ­davon, er sei in „stationärer ­Behandlung“ gewesen.

Völlig konträr – wie so oft – gab sich Ali in seinem Wohnhaus. Eine Nachbarin: „Ich habe ihn niemals sauer gesehen, er war sehr hilfsbereit.“

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Das Protokoll: "Mir ist alles egal, ich töte euch!"

Eine Stadt im Ausnahmezustand. Durch ganz München hallen am Freitag seit dem Abend Sirenen, Anti-Terror-Einheiten durchkämmen die Straßen, der Verkehr steht still, niemand traut sich heraus. München ist lahmgelegt. Kurz vor 18 Uhr fallen beim Einkaufszentrum im Olympiapark Schüsse. Es beginnt eine Nacht voller Angst, Panik und Ungewissheit.

16 Uhr: Eine Selima A. schreibt auf ihrem Facebook-Profil: „Kommt heute um 16 Uhr Meggi (Anm.: McDonald’s) am OEZ, ich spendiere euch was“. Es ist ein Fake-Profil, dahinter steckt Sonboly. Wer dem Aufruf folgt, begibt sich in Todesgefahr.

17.52 Uhr: Im Schnellrestaurant bei dem Einkaufszentrum fallen Schüsse.

17.55 Uhr: Ali Sonboly tritt aus dem Restaurant, schießt wahllos auf weitere Menschen.

18.10 Uhr: Der Täter betritt das Einkaufszentrum. Auch hier gibt es Tote.

18.20 Uhr: Menschen rennen in Panik aus dem Einkaufszentrum. Ein Zeuge sagt später, der Täter habe geschrien: „Mir ist alles egal, ich töte euch alle.“

18.40 Uhr: Hunderte Streifenwagen rasen zum Einkaufszentrum, die Zufahrtswege werden abgeriegelt.

18.45 Uhr: Eine Zivilstreife entdeckt den Täter auf dem Parkdeck. Sie schießen auf ihn, treffen aber nicht. Er kann fliehen.

19.05 Uhr: Im Stadtzentrum hat es noch eine Schießerei gegeben, heißt es. Ein Fehlalarm wie viele weitere.

Polizei geht lange von mehreren Tätern aus

19.47 Uhr: Die Polizei geht noch von mehreren Tätern aus: „Wir wissen nicht, wo sich die Täter befinden.“

20.30 Uhr: Polizisten treffen nördlich des Einkaufszentrums auf Ali Sonboly. Sie sprechen mit ihm. Plötzlich zieht er eine Waffe und tötet sich damit selbst.

21.21 Uhr: Die erste Opferzahl wird bekannt: Mindestens fünf Menschen sind tot.

22.27 Uhr: Die Zahl der Opfer steigt auf acht.

Samstag, 1.30 Uhr: Entwarnung durch die Polizei. Sie ist sicher: Es war ein Einzeltäter.

1.39 Uhr: Zahl der Todesopfer steigt auf zehn.

2.26 Uhr: Identität des Täters geklärt: Es war der 18-jährige Deutsch-Iraner Sonboly.

11.55 Uhr: Polizei bei Pressekonferenz: Der Täter hatte psychische Probleme.

12.14 Uhr: Unter den Opfern: 3 Deutsch-Türken, 3 Kosovo-Albaner, 1 Grieche.

13.21 Uhr: Landeskriminalamt: Der Attentäter benutzte eine Glock-Pistole. Im Magazin war noch Munition. Im Rucksack hatte der Täter weitere 300 Patronen.

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