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Dritter Toter bei Protesten in der Türkei

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Ethem Sarisülük, der bei Zusammenstößen am Kopf verletzt wurde, starb.

Bei den seit fast einer Woche anhaltenden Protesten in der Türkei hat es ein drittes Todesopfer gegeben. Der Aktivist Ethem Sarisülük, der bei Zusammenstößen mit der Polizei in Ankara am Kopf verletzt worden war, sei im Krankenhaus gestorben, teilte die Türkische Ärztevereinigung TTB am Mittwoch in Ankara mit, wie "Hürriyet Daily News" berichtete.

Dritter Toter
In den vergangen Tagen waren zwei junge Demonstranten in Istanbul und in Antakya in der Provinz Hatay ums Leben gekommen. Ein TTB-Sprecher gab die Nachricht vom Tod Sarisülüks im Anschluss an ein Treffen mit Vizepremier Bülent Arinc in der türkischen Hauptstadt bekannt. Dieser hatte sich mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen (NGO) getroffen, um eine Lösung für den Streit um den Taksim Gezi Park in Istanbul zu suchen. Dieser war der Auslöser für eine landesweite Protestbewegung gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Erdogan hielt sich am Mittwoch in Marokko auf und reiste dann nach Tunesien weiter, von wo er Donnerstag Abend in die Türkei zurückkehren wird. Beobachter erwarten mit Spannung, ob der islamisch-fromme Regierungschef nach seiner Rückkehr einen milderen Ton anschlagen wird. Bisher hatte er alle Vorwürfe der Protestbewegung kategorisch zurückgewiesen und die Demonstranten als Terroristen beschimpft. Vizepremier Arinc kam die Aufgabe zu, während der Abwesenheit des als autoritär kritisierten Erdogan die Gemüter zu beruhigen.

Korb vom König
Bei seinem offiziellen Besuch in Marokko wurde Erdogan übrigens nicht von König Mohammed VI. empfangen. Der offensichtliche Affront habe seinen Grund in der Tatsache, dass der türkische Premier 2011 bei seiner Tour durch Länder des "Arabischen Frühlings" Marokko ausgelassen habe, meldete der marokkanischen Radiosender Yabiladi. Aus der Umgebung Erdogans hieß es dazu, König Mohammed sei für 20 Tage außer Landes.

Allerdings hatte die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu am 2. Juni den marokkanischen Außenminister Saad Addin al-Osmani mit den Worten zitiert, der König werde Erdogan "angesichts der Bedeutung seines Besuchs" willkommen heißen.

Türkischer Innenminister bestätigt Festnahme von Ausländern
Bei den Protesten gegen die türkische Regierung hat die Polizei nach Angaben von Innenminister Muammer Güler sieben Ausländer festgenommen. Darunter sei ein Deutscher, zitierte die Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi den Minister am Donnerstag in Ankara. Die weiteren seien ein Franzose, ein Grieche, zwei aus den Vereinigten Staaten und ein Bürger des Iran. Demnach wurden bisher 915 Menschen verletzt. Vier Menschen seien in einem kritischen Zustand, acht weitere würden auf Intensivstationen behandelt. Den bisher entstandenen Sachschaden bezifferte Güler auf 70 Millionen Türkische Lira (etwa 28 Millionen Euro).

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