Özil Erdogan

Rassismus-Vorwurf wird zum Polit-Eklat

Fall Özil spaltet Europa

Erdogan schaltet sich jetzt in die Debatte ein und wirft Deutschland „Rassismus“ vor.

„Einen jungen Mann, der alles für die deutsche Nationalmannschaft gegeben hat, wegen seines religiösen Glaubens so rassistisch zu behandeln, ist inakzeptabel“, goss Recep Erdogan gestern weiter Öl ins Feuer. Es geht um den deutschen Ex-Nationalspieler Mesut Özil, der Anfang der Woche seinen Rückzug aus der Nationalmannschaft emotional (siehe rechts) begründet hatte. Wenn er „gut gespielt“ habe, so der Schlüsselsatz der Özil-Erklärung, sei er Deutscher gewesen, bei schlechten Spielen wieder Zuwanderer.

Halb Europa – egal, ob Politik oder Medien – zeigt sich im Fall Özil nun polarisiert.

Schmuse-Auftritt. Der Auslöser der Kritik war schließlich ebenfalls politisch heikel: Der türkischstämmige Spieler hatte sich vor der Fußballweltmeisterschaft mit dem umstrittenen türkischen Präsidenten Erdogan ablichten lassen. Ein Schmuse-Auftritt, der ihm jede Menge Kritik – von links bis rechts – einbrachte und schließlich von der Rechts­außen-Truppe AfD ausgeschlachtet wurde.

Özil polarisiert jetzt auch die Austro-Türken

Während sämtliche öffentlich-rechtlichen Sender Verständnis für Özil zeigen, schießt die Bild – die indirekt vom Fußballer angegriffen wurde – scharf gegen ihn.

Ex-ÖFB-Teamspieler Ümit Korkmaz hat hingegen Verständnis für seinen deutschen Kollegen: „Warum man ihn jetzt so abschießt, nur wegen eines Bildes, ist fraglich.“ Sucht man nur einen Sündenbock? Auch Ex-ÖFB-Spieler Veli Kavlak (siehe unten) sagt: „Ich glaube Özil.“ Im Unterschied zum VP-Man­datar Efgani Dönmez, der den Deutsch-Türken scharf kritisiert.

"Bei Sieg bin ich Deutscher, bei Niederlage Immigrant"

  • Über Foto mit Erdogan: „Für mich hatte das Foto mit Erdogan nichts mit Politik oder den Wahlen zu tun, sondern damit, das höchste Amt im Heimatland meiner Familie zu respektieren. (…) Für mich war nicht wichtig, wer der Präsident war, sondern dass es der Präsident war.“

  • Über seinen Rücktritt: „Mit schwerem Herzen und nach langer Überlegung werde ich wegen der jüngsten Ereignisse nicht mehr für Deutschland spielen, solange ich das Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre.“

  • Über Rassismus: „Wieso werden mein Freund Lukas Podolski und Miroslav Klose nicht als Deutsch-Polen bezeichnet? Wieso bin ich Deutsch-Türke? Weil ich ­Moslem bin?“

  • Über Diskriminierung: „Für Grindel (Anm.: DFB-Präsident) und seine Unterstützer bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen. Wenn wir verlieren, bin ich Immigrant.“

  • Kritik an Medien: „Was ich aber nicht akzeptieren kann, sind deutsche Medien, die wiederholt meine doppelte Herkunft und ein einfaches Bild als Schul­digen ausmachen für die schlechte Weltmeisterschaft einer ganzen Mannschaft.“

Pro Özil: "Ich glaube an Mesut Özil"

Besiktas-Legionär Veli Kavlak verfolgt den Fall Özil in Istanbul in den Medien: „Ich weiß auch nicht genau, was da alles passiert ist. Aber ich glaube Mesut Özil, wenn er sagt, er habe das Foto mit Erdogan aus Respekt vor dem Amt gemacht. Ich glaube nicht, dass da eine politische Botschaft dahintersteckt.“ Zu den Rassismus-Vorwürfen gegen den DFB: „Mir ist so etwas nie passiert in Österreich. Aber gehört hab ich so etwas schon ­immer wieder mal – vor allem aus den unteren Ligen.“

Contra Özil: "Er hat Propaganda gemacht"

VP-Mandatar Efgani Dönmez hat sich indirekt via Twitter zum Fall Özil geäußert. Er hat den Kommentar von Bild-Chefredakteur Julian Reichelt getwittert, in dem dieser dem Ex-Nationalmannschaftsspieler vorwirft, „Propaganda für einen türkischen Despoten gemacht zu haben“. Zudem retweetete er auch den Satz: „Die Rassismus-Karte zu ziehen, wenn man Fotos mit einem Diktator macht (…), ist man entweder schlecht beraten oder stockblöde“.



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