Vergeltungsangriff

Hier schlägt Putins Weltuntergangswaffe ein

Russland hat bei einem Angriff auf die Westukraine erneut die Hyperschallrakete Oreschnik eingesetzt.  

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau ist es eine Vergeltungsaktion für die angebliche ukrainische Attacke auf die Präsidentenresidenz im nordrussischen Waldai kurz vor dem Jahreswechsel. Bei einem Drohnenangriff auf Kiew wurden indes vier Menschen getötet. Ein ukrainischer Angriff auf das westrussische Gebiet Belgorod führte zu einem massiven Stromausfall.

"Die russischen Streitkräfte haben einen massiven Schlag mit boden- und seebasierten Hochpräzisionswaffen großer Reichweite gegen kritische Objekte auf dem Gebiet der Ukraine geführt, darunter auch mit dem Mittelstreckenkomplex Oreschnik und Drohnen", heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Inmitten eines landesweiten Raketenalarms nahe der Stadt Lwiw (Lemberg) im Westen waren von ukrainischer Seite mehrere Einschläge verzeichnet worden. Eine schwere ballistische Rakete sei auf das Gebiet an der Grenze zu EU-und NATO-Gebiet abgefeuert worden, hieß es zunächst in ukrainischen Berichten. Ukrainische Militärblogs veröffentlichten angebliche Videos aus der Region, die sechs Einschläge hintereinander zeigen.

Angriff auf mutmaßlichen Gasspeicher

Die ukrainische Luftwaffe bestätigte den Einsatz der Rakete, die vom Testgelände Kapustin Jar nahe dem Kaspischen Meer gestartet worden sei. Der Gouverneur der westukrainischen Region Lwiw hatte zuvor erklärt, ein russischer Angriff habe ein Infrastrukturziel getroffen. Unbestätigten Berichten in sozialen Medien zufolge handelte es sich dabei um einen großen unterirdischen Gasspeicher.

Der Kreml hatte nach dem angeblichen Angriff auf die Residenz von Präsident Wladimir Putin in Waldai von einem versuchten Terroranschlag gesprochen. Auch US-Präsident Donald Trump hatte - von Putin per Telefon informiert - einen solchen Schlag kritisiert. Die Ukraine ihrerseits dementierte, dass sie überhaupt einen Angriff auf die Residenz lanciert hat. Experten bezweifeln die Glaubwürdigkeit der von Russland vorgelegten Informationen vom Freitag.

Zweite Attacke mit Oreschnik

Der Oreschnik-Angriff auf die Westukraine ist bereits der zweite Einsatz einer Rakete dieses Typs seit Beginn des russischen Angriffskriegs Ende Februar 2022. Der erste erfolgte im November 2024 auf die Großstadt Dnipro im Südosten der Ukraine. Damals begründete Putin den Einsatz mit einer Vergeltung für die Nutzung weitreichender westlicher Raketen durch Kiew gegen Militärobjekte im russischen Hinterland.

Beim ersten Einsatz trug die Oreschnik ("Haselstrauch") keine Gefechtssprengköpfe. Die Schäden wurden allein durch die hohe Geschwindigkeit der Rakete selbst erreicht. Die Oreschnik gilt als neueste russische Waffenentwicklung und kann sowohl konventionelle als auch atomare Sprengköpfe tragen. Ihre extrem hohe Geschwindigkeit von bis zu 12.000 km/h und ihre Reichweite von bis zu 5.000 Kilometer machen sie zu einer potenziellen Gefahr für den gesamten europäischen Kontinent. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko sagte, Russland habe die Oreschnik mittlerweile auch in seinem Land stationiert.

Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew rechtfertigte den Einsatz der Oreschnik gegen die Ukraine als Beruhigungsmittel. "Gefährliche Psychopathen brauchen eine Zwangsjacke oder eine Rettungsspritze mit Haloperidol", schrieb der Vizechef des nationalen Sicherheitsrats in Moskau. Haloperidol ist ein Medikament zur Behandlung von Schizophrenie.

Russland: Drohnenproduktionen und Energieanlagen getroffen

Dieses Mal hingegen war die Rakete mit konventionellen Sprengköpfen geladen. Nach Angaben des Militärs war der Einsatz jetzt erfolgreich. Das Ziel des Schlags sei erreicht worden. "Es wurden Objekte zur Produktion von Drohnen getroffen, die bei der terroristischen Attacke (auf die Präsidentenresidenz) eingesetzt wurden, und Energieinfrastruktur, die die Arbeit des Rüstungskomplexes der Ukraine ermöglicht", heißt es. Moskau werde auch künftig auf Terrorangriffe antworten, drohte das Militär weitere Schläge mit Oreschnik an.

Russland beschießt seit Kriegsbeginn systematisch Anlagen der Energieversorgung des Nachbarlands. Die Infrastruktur der Ukraine ist inzwischen so geschwächt, dass die Bevölkerung oft viele Stunden am Tag in Dunkelheit und Kälte ausharren muss. Die Situation wird durch den aktuellen Temperatursturz in vielen Regionen der Ukraine noch verschärft.

Drohnenangriff auf Kiew mit vier Toten

Bei einem russischen Drohnenangriff auf Kiew sind unterdessen vier Menschen getötet und 19 weitere verletzt worden. Dies postete Bürgermeister Vitali Klitschko auf Telegram. Der Angriff habe außerdem erhebliche Schäden an Wohnhäusern und der Infrastruktur verursacht und in einigen Bezirken zu Unterbrechungen der Wasserversorgung geführt. Klitschko zufolge war eines der Todesopfer ein Rettungssanitäter. Er sei bei einem Einsatz an einem von Drohnen getroffenen Wohnhaus getötet worden. Vier weitere Mitglieder seines Teams seien bei dem Vorfall verletzt worden.

Eine russische Drohne beschädigte bei den nächtlichen Angriffen nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj das Botschaftsgebäude von Katar in Kiew. Katar helfe bei der Vermittlung von Gesprächen mit Russland über den Austausch von Kriegsgefangenen, teilte Selenskyj über den Kurznachrichtendienst Telegram weiter mit. Außerdem seien 20 Wohnhäuser beschädigt worden. Nach den massiven Angriffen auf sein Land forderte Selenskyj im Kurznachrichtendienst X eine "klare Reaktion der Weltgemeinschaft".

Mehr als 500.000 Russen ohne Strom

Ein ukrainischer Angriff auf das westrussische Gebiet Belgorod hatte indes nach Angaben der örtlichen Behörden einen großflächigen Ausfall der Strom-, Wärme und Wasserversorgung zur Folge. Der Beschuss eines Infrastrukturobjekts mit Raketen habe 556.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten, teilte Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow bei Telegram mit. "Ohne Wärmeversorgung ist fast die gleiche Anzahl, in erster Linie betrifft das 1.920 Mehrfamilienhäuser. Fast 200.000 Menschen sind ohne Wasser und Abwasser", sagte er in dem Video. Nach Angaben Gladkows sind die Reparaturarbeiten bereits angelaufen. "Die Situation ist sehr schwierig", betonte er.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten