Kardinal Zen

Laut Berichten:

Hongkonger Kardinal Zen offenbar festgenommen

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90-jähriger bekannter Unterstützer der Demokratiebewegung laut Medienberichten von der Nationalen Sicherheitspolizei festgesetzt.

Hongkong. Der Hongkonger Kardinal Joseph Zen Ze-kiun ist offenbar festgenommen worden. Laut Berichten örtlicher Zeitungen wurde der 90-jährige frühere katholische Bischof von Hongkong und bekannte Unterstützer der Demokratiebewegung am Mittwochabend (Ortszeit) von der Nationalen Sicherheitspolizei festgesetzt, wie Kathpress meldet.

Insgesamt sollen fünf Personen verhaftet worden sein, die wie Zen als Treuhänder an der Verwaltung eines inzwischen aufgelösten humanitären Fonds für Demonstranten der gegen Peking gerichteten pro-demokratischen Proteste im Jahr 2019 beteiligt waren. Ihnen wird laut Medienberichten "geheime Absprache mit ausländischen Kräften" vorgeworfen.

Kardinal Zen war zunächst durch Reuters nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch aus der Diözese Hongkong oder aus dem Vatikan lag vorerst keine Reaktion vor.

Prominenter Kritiker der chinesischen Regierung

Kardinal Zen zählt zu den kirchenpolitisch prägenden katholischen Kirchenvertretern Asiens. Über seine Amtszeit hinaus gehört der Ordensmann der Salesianer Don Boscos zu den prominenten Kritikern der chinesischen Regierung und ihrer Religionspolitik, zuletzt zunehmend auch des Vatikans und seiner China-Politik.

Im schwierigen Dialog zwischen dem Vatikan und der chinesischen Führung in Peking warnte Zen immer wieder eindringlich vor zu großen Zugeständnissen Roms an das kommunistische Regime, das nicht vertrauenswürdig sei. Mehrfach sprach er gar von "Verrat" und einem "Ausverkauf" der Interessen von Chinas Katholiken.

Zen stammt aus der Diözese Shanghai, wo er am 13. Jänner 1932 als Sohn eines christlichen Teehändlers geboren wurde. Er wuchs in sehr armen Verhältnissen auf und trat als junger Mann dem Salesianerorden bei. Unter anderem studierte er an den Ordenshochschulen in Turin und Rom. In Italien erlebte Zen auch die für ihn prägende Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965).

Lehrte Philosophie an chinesischen Seminaren

Von 1989 bis 1996 lehrte er Philosophie und Sakramententheologie an verschiedenen chinesischen Seminaren, unter anderem in Shanghai. Dann ernannte Papst Johannes Paul II. (1978-2005) den Theologen zum Koadjutor in Hongkong, um den dortigen Bischof zu unterstützen. 2002 rückte Zen auf den Bischofssitz der Sieben-Millionen-Metropole mit ihren rund 350.000 Katholiken - ein Amt, das er bis 2009 ausübte.

2006 machte ihn Papst Benedikt XVI. zum Mitglied des Kardinalskollegiums. 2008 verfasste Zen im Auftrag des Papstes die Meditationen für den Karfreitags-Kreuzweg am Kolosseum; darin ging er auch auf die Unterdrückung der Christen in China ein.

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