Indien: Rätsel um Tod von Vergewaltiger

Im Hochsicherheitstrakt

Indien: Rätsel um Tod von Vergewaltiger

Busfahrer soll sich erhängt haben - Ermittlungen eingeleitet.

Einer der Vergewaltiger einer 23-jährigen Inderin hat im Hochsicherheitsgefängnis Tihar in Neu Delhi Selbstmord begangen. Der Hauptangeklagte hat sich nach Angaben von Gefängnismitarbeitern am frühen Montagmorgen erhängt. Die Familie des Opfers warf den Behörden nachlässige Sicherheitskontrollen vor.

Der Hauptverdächtige - der Mann, der den Bus gefahren hatte - habe sich aus seiner Kleidung einen Strang gedreht. Der Mann hatte in dem Hochsicherheitsgefängnis in einer Einzelzelle gesessen. Es seien Ermittlungen zu dem Selbstmord eingeleitet worden, bei denen auch mögliche Sicherheitslücken geklärt werden sollten.

Verteidiger: "Verschwörung"
Der Tod von Singh sei "eine durchgeplante Verschwörung", betonte sein Verteidiger V. K. Anand. "Wenn er sich umgebracht hätte, hätte er einen Brief hinterlassen", sagte Anand. Es handle sich um eine "Mordsache". Sein Klient sei nicht depressiv gewesen und habe vor einigen Tagen noch seine Familie getroffen.

Auch die Eltern des toten Hauptangeklagten wiesen die Selbstmordthese zurück. Singh habe sich nicht wie von den Behörden dargestellt einen Strang aus seiner Kleidung drehen können, da er eine Verletzung an der Hand gehabt habe, sagte sein Vater Mange Lal Singh. Außerdem sei er anders als dargestellt mit zwei weiteren Insassen in einer Zelle gewesen und nicht in einer Einzelzelle.

Nach Angaben des Gefängnissprechers gibt es in den Zellen keine Überwachungskameras, die Insassen würden direkt von den Sicherheitskräften beobachtet. Die Verteidiger der Angeklagten hatten mehrfach erklärt, ihre Klienten würden im Gefängnis von anderen Insassen auf Geheiß der Polizei gefoltert.

Vater des Opfers kritisiert Behörden
Der Vater der Medizinstudentin, die im Dezember im Beisein ihres Freundes so brutal vergewaltigt worden war, dass sie wenige Tage später starb, kritisierte die Behörden. "Wie konnten sie ihn die Art wählen lassen, auf die er sterben wollte?", sagte er AFP. Die Polizei habe versagt und er frage sich, wie es mit dem Verfahren weitergehen werde. Die Mutter der Toten zeigte sich ebenfalls schockiert. Sie habe Gerechtigkeit für ihre Tochter gewollt, aber nun sei der Hauptangeklagte tot, sagte sie.

Der Mann stand mit weiteren vier Angeklagten vor Gericht, weil sie im Dezember die Studentin in einem Bus entführt, vergewaltigt und gefoltert haben sollen. Die junge Frau starb zwei Wochen später in einem Spital in Singapur an ihren Verletzungen. Den volljährigen Angeklagten droht die Todesstrafe, ein sechster mutmaßlicher Täter steht vor einem Jugendgericht. Alle Angeklagten stehen wegen Selbstmordgefährdung unter Beobachtung, seit sie nicht mehr mit anderen Gefängnisinsassen sprechen.

Der Fall hatte in Indien für großes Entsetzen gesorgt und eine breite Debatte über den Umgang mit Frauen in der Gesellschaft ausgelöst. Angesichts wochenlanger Proteste nach dem Angriff hatte die Regierung ein Sondergericht einberufen, das der in Indien grassierenden Gewalt gegen Frauen konsequenter und schneller nachgehen soll.

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