Karlheinz Böhm: Angst um sein Lebenswerk

Schlimme Vorwürfe

Karlheinz Böhm: Angst um sein Lebenswerk

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Großspender traten zurück - Böhms Ehefrau über Kritik.

Mehr als 400 Mio. Euro hat Ex-Schauspieler Karlheinz Böhm (84) mit seiner Organisation Menschen für Menschen in 31 Jahren gesammelt. 310 Schulen wurden in Äthiopien gebaut. Nun ist Böhms Lebenswerk in Verruf geraten. Die Bild-Zeitung veröffentlichte Briefe von verbitterten Großspendern. Einer davon ist der Deutsche Jürgen Wagentrotz, der seit 2004 fast 8 Mio. Euro sponserte: „Es ist mit meinem Gewissen unvereinbar, dass Spendengelder für einen Bürohausbau verschwendet werden, der viel zu groß ist und demzufolge dem guten Ruf der Stiftung mehr schadet als nutzt.“

Ex-Kuratoriumsmitglied greift Böhms Ehefrau an
Wagentrotz schreibt auch von „verlotterten Schulen“ und greift vor allem Almaz Böhm (48), die äthiopische Ehefrau des Schauspielers, direkt an. Sie lasse ihren kranken Mann im Stich: „Dass du dich um Karl nicht so intensiv kümmerst, wie er es bei alldem, was er für dich getan hat, verdient hätte, macht mich ratlos.“

Wagentrotz stellte inzwischen seinen Sitz im Kuratorium von Menschen für Menschen ruhend. Ebenso Star-Koch Eckart Witzigmann und Journalistin Beate Wedekind.

Almaz Böhm, die Menschen für Menschen leitet, machen die schlimmen Angriffe fassungslos: „Hier wurden keine Spendengelder verschwendet“, weist sie in einem Brief an ÖSTERREICH die Vorwürfe zurück (siehe rechts). Besonders verletzend seien die Vorwürfe, sie würde sich kaum um ihren kranken Mann kümmern: „Ich musste meinem Mann versprechen, dass ich ihn schütze, wenn er alt, krank oder gebrechlich ist. Daran halte ich mich.“

So krank ist Böhm
Von den Folgen eines Autounfalls in Äthiopien hat sich Karlheinz Böhm nicht mehr erholt.

2007 wurde er bei einem frontalen Autounfall in Äthiopien schwer verletzt – mehrere Rippenbrüche. Er wurde in eine Salzburger Klinik geflogen, gerettet. Aber eine hoch komplizierte Lungenentzündung kam dazu.

Freunde behaupten, Böhm leide inzwischen auch an Demenz. Seine Frau Almaz schreibt: „Die Folgen des Unfalls und sein allgemeiner Alterszustand haben leider zu Krankenhausaufenthalten geführt. Ich pflege ihn, wann immer es notwendig ist.“

Almaz Böhm: "Keine Spenden verschwenden"

Zwei Großspender werfen Ihnen mangelnde Transparenz und Verschwendung vor ...
Almaz Böhm: Unsere Verwaltungskosten werden als niedrig eingestuft, und für unsere transparente Informationspolitik haben wir den Transparenzpreis erhalten. Dies spricht für sich. In Österreich war Menschen für Menschen eine der ersten Organisationen, der das Spendengütesiegel verliehen wurde.

Sie sollen Spendengelder für einen Bürohausbau in Addis Abeba verschwendet haben.
Böhm: Der Bau ist weder zu groß, noch werden hier Spendengelder verschwendet. Allerdings sollten auch unsere Mitarbeiter in Addis Abeba über menschenwürdige Arbeitsplätze verfügen.

Kritisiert wird auch, dass Schulen nach Fertigstellung übergeben werden und verlottern.
Böhm: Es war immer die Philosophie meines Mannes, die Menschen vor Ort in die Projekte einzubinden. Wer erwartet, dass alle Schulen in Äthiopien dem üblichen westeuropäischen Standard entsprechen, verkennt die Situation in meinem Land.

Es gibt auch Vorwürfe, Sie würden Ihren kranken Mann im Stich lassen …
Böhm: Ich pflege ihn, wann immer es notwendig ist. Ich musste meinem Mann versprechen, dass ich ihn schütze, wenn er alt, krank oder gebrechlich ist. Und an dieses Versprechen halte ich mich. Die Menschen sollen ihn so in Erinnerung behalten, wie sie ihn von früher kennen.

Karl Wendl

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