Ukraine

Kiew brennt: 20 Tote bei Straßenschlachten

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Polizei plant einen Einsatz gegen Tausende Regierungsgegner.

Der Machtkampf in der Ukraine ist völlig außer Kontrolle geraten. Nach schweren Straßenschlachten mit zahlreichen Toten und Hunderten Verletzen blieb die Lage in der Hauptstadt Kiew in der Nacht explosiv. Zu Mitternacht geriet das Hauptquartier der Regierungsgegner am Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Brand. Ungeachtet oppositioneller Appelle zeigte sich Präsident Viktor Janukowitsch unnachgiebig.

Nach offiziellen Angaben kamen am Dienstag 18 Menschen bei den Ausschreitungen ums Leben, davon waren 11 Zivilisten und 7 Polizisten. Die Zeitung "Kyiv Post" berichtete online in der Nacht zum Mittwoch von mindestens 22 Toten. Zudem wurden nach offiziellen Angaben mindestens 500 Menschen verletzt, davon etwa 300 Sicherheitskräfte. Eine anerkannte ukrainische Medizinerin sprach von mehr als 1.000 Verletzten. Die Opposition rief die Bevölkerung zu Blutspenden auf.

Gewalt in Kiew eskaliert



Ein Krisengespräch zwischen Präsidenten Janukowitsch und dem Oppositionspolitiker Vitali Klitschko brachte in der Nacht zum Mittwoch kein Ergebnis. Der Präsident habe einen Abbruch des Polizeieinsatzes abgelehnt und die Räumung des Platzes gefordert, berichtete Klitschko dem Fernsehsender Hromazke. Der Oppositionspolitiker warf Janukowitsch vor, die Situation falsch einzuschätzen. Den Demonstranten auf dem Maidan rief Klitschko zuvor zu, die Besetzung werde fortgesetzt: "Wir gehen hier nicht weg, das ist eine Insel der Freiheit!"

Die Polizei hatte am Dienstagabend kurz nach Ablauf eines Ultimatums mit der Räumung des Unabhängigkeitsplatzes begonnen. Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer, Tränengas und Blendgranaten ein, um das Protestlager der Regierungsgegner zu räumen. Zelte der Demonstranten gingen in Flammen auf. Um sich gegen die angreifenden Sicherheitskräfte zu schützen, setzten die Demonstranten Barrikaden in Brand. Mit Helmen, Schlagstöcken und Schilden bewaffnet setzten sie sich zur Wehr und warfen Steine, Feuerwerkskörper und Molotowcocktails. Menschen versuchten sich mit Seilen aus dem seit Mitternacht brennendem Hauptquartier zu retten. Die Feuerwehr konnte die Flammen mittlerweile zum Teil löschen.

In Kiew kam das öffentliche Leben zum Erliegen. Der U-Bahn-Verkehr wurde eingestellt, die Behörden ordneten eine Beschränkung des Straßenverkehrs in Richtung der Hauptstadt ab Mitternacht an, um eine "Eskalation der Gewalt" zu verhindern. Für Mittwoch wurde die Schließung von Schulen und Kindergärten im Zentrum für Mittwoch angekündigt.

Auch in westukrainischen Städten kam es zu schweren Ausschreitungen. In Lemberg (Lwiw) im stürmten Demonstranten den Sitz der Regionalregierung und das Polizeipräsidium. Rund 5.000 Demonstranten besetzten ein Waffenlager der Sicherheitskräfte.


 
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