Konflikt eskaliert

Kommt jetzt kalter oder heißer Krieg?

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70 Minuten lang detonierten die Raketen in Syrien. Was 
bewirkt dieser Angriff? 

Mehr als 100 Raketen auf Syrien – jetzt kommt aber die Kosten-Nutzen-Rechnung. Was hat dieser Einsatz wirklich gebracht?

Laut Frankreich ist das Chemiewaffenarsenal Syriens „zu einem großen Teil“ zerstört. Waffenlager und Entwicklungseinrichtungen für neue tödliche Gifte sind offenbar getroffen. Somit ist das vordergründige Ziel der nächtlichen Angriffe erreicht.


Nächster Angriff?

Eine neuerliche Offensive der USA mit Frankreich und Großbritannien ist derzeit eher unwahrscheinlich. Militärexperte Gerald Karner zu ÖSTERREICH: „Aber es gibt Andeutungen, dass die Angriffe fortgesetzt werden könnten, solange es noch ein Chemiewaffen-Potenzial geben soll“ (siehe Interview rechts).

Ein bisher angedrohter ­Gegenangriff Russlands – enger Verbündeter Syriens – ist derzeit noch kein Thema. Experte Karner: „Über die erforderlichen Mittel verfügen die Russen in dieser Qualität und Quantität nicht.“


Eskalation

Droht jetzt ein neuer Weltkrieg? Wohl eher eine weitere Eskalation im „neuen Kalten Krieg“ zwischen dem Westen und Russland. Samstag schmetterte der UNO-Sicherheitsrat eine russische Resolution zur Verurteilung der „US-Aggression“ ab – sie erhielt nur drei von 15 Stimmen. Präsident Donald Trump drückt die Situation am extremsten aus. „Die Beziehung zu Russland ist schlechter als je zuvor, den Kalten Krieg eingeschlossen.“


Bisher 500.000 Tote im syrischen Bürgerkrieg

Eines ist aber laut allen Experten fix: Den Beteiligten im Bürgerkrieg Syriens (schon 500.000 Tote in sieben Jahren) bringen die Militärschläge und Wortgefechte absolut nichts.


Assad erobert Ost-Ghouta

Denn Assads Armee rückte kurz nach dem Angriff völlig unbeeindruckt gegen „Terroristen“ in Ost-Ghouta vor – und eroberte laut eigenen Angaben deren letzte Stellungen. Allein in Ghouta gab es seit Februar 1.600 Tote …


Experte: "Es könnte weitere Schläge geben"

Militärexperte Gerald Karner im ÖSTERREICH-Interview.

ÖSTERREICH: Hat sich dieser Schlag ausgezahlt?

Gerald Karner: Ich gehe davon aus, dass jetzt mit Aufklärungsflugzeugen und mit Satelliten genau geschaut wird, was dieser Angriff bewirkt hat. Dann wird man sich damit zufriedengeben oder unter Umständen in der nächsten Nacht neuerlich zuschlagen.

ÖSTERREICH: Das Gefühl war bei vielen Menschen: „War das schon alles?“ Müssen wir mit mehr rechnen?

Karner: Die Frage ist: Will ich einen demonstrativen Schlag setzen, um damit zu zeigen erstens: Der Westen nimmt das nicht hin. Sozusagen eine einmalige Strafaktion. Oder hat man sich das Ziel der kompletten Zerstörung des Chemiewaffenpotenzials gesetzt. Wenn das Zweite der Fall ist, dann könnte es weitere Schläge geben.

ÖSTERREICH: Welche Reaktion erwarten Sie jetzt von den Russen?

Karner: Die haben die Einberufung des UNO-Sicherheitsrats (nach Redaktionsschluss) verlangt. Dort wird man einander des Völkerrechtsbruchs beschuldigen, es wird viel Getöse geben. Darüber hinaus ist mit keiner militärischen Konfrontation zu rechnen.

ÖSTERREICH: Wäre Russland überhaupt imstande, einen Schlag zu setzen?

Karner: Es gibt russische Aussagen, dass man nicht nur die Raketen, sondern auch die Flugzeuge und Schiffe zerstören werde. Das ist aus meiner Sicht völlig illusorisch. Über diese Mittel verfügen die Russen in dieser Qualität und Quantität nicht.

ÖSTERREICH:
War der Angriff taktisch richtig?

Karner: Dass man chemische Waffen nicht zur Normalität werden lassen will, ist richtig. Was bleibt, ist der brennende Konflikt in Syrien. Dieser Schlag verändert am Konfliktverlauf so gut wie gar nichts. Das sehe ich kritisch.

(pom)

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