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Krieg zwischen Sudan und Südsudan droht

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Jahrzehntelang tobte im Sudan ein blutiger Bürgerkrieg. Im Sommer spaltete sich dann der Süden des Landes ab.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen warnt, die Europäische Union appelliert und die Afrikanische Union versucht zu vermitteln: Nach heftigen Kämpfen steuern Sudan und Südsudan auf einen Krieg zu. Jahrzehntelang litt die Region unter einem blutigen Bürgerkrieg. Im vorigen Juli erklärte sich der Südsudan schließlich für unabhängig. Damit erlitt der Sudan auch enorme wirtschaftliche Verluste, denn der neue Staat bestimmt über 75 Prozent der Ölvorkommen. Beim Export muss der Südsudan den wertvollen Rohstoff allerdings per Pipeline durch den Sudan leiten - gegen Gebühr.

Ein Streit über die Kosten für diesen Transit verschärfte die ohnehin schon heftigen Spannungen zwischen den Ländern. Als der Sudan für den Transport drastisch überhöhte Gebühren forderte, stellte der Südsudan seine Ölförderung ein. Eigentlich wollten beide Seiten den Streit Anfang April bei einem Gipfel lösen, doch nach Grenzgefechten wurde das Treffen abgesagt.

Am Mittwoch besetzte der Südsudan die Gegend um die Stadt Heglig. Von dem dortigen Ölfeld bezieht der Sudan die Hälfte seines noch verbliebenen Erdöls. Trotz internationaler Appelle weigerte sich die Regierung in Juba zunächst, ihre Truppen abzuziehen. Erst am Freitag signalisierte sie ein Einlenken. Derweil kündigte Khartum an, das Gebiet zurückzuerobern - "mit allen Mitteln". Am Donnerstag rief der UN-Sicherheitsrat beide Seiten zu Mäßigung auf. Die Gewalt drohe die Region wieder in einen Krieg zu stürzen, mahnte das Gremium.

Nun rächt sich, dass beide Seiten vor der Unabhängigkeit des Südsudans grundlegende Fragen aussparten. Offen blieben etwa der genaue Grenzverlauf, die Verteilung der Öleinnahmen und der Status der drei umstrittenen Gebiete Abyei, Blauer Nil und Südkordofan. Diese hatten im Bürgerkrieg den Südsudan unterstützt. Ein Abkommen aus dem Jahr 2005 stellte den Bewohnern der zum Sudan gehörigen Regionen Blauer Nil und Südkordofan eine Volksbefragung über ihren Status vage in Aussicht. Für das besonders umstrittene Gebiet Abyei sah der Vertrag dagegen ein konkretes Referendum über die Zugehörigkeit vor. Umgesetzt wurde das Vorhaben nicht.

Beide Länder streiten vor allem um Heglig mit seinem Ölfeld - trotz des Urteils eines internationalen Gerichts. Im Jahr 2009 entschied der Ständige Schiedsgerichtshof in Den Haag, Heglig gehöre nicht zu Abyei, sondern zu Südkordofan. "Das Gericht entschied nur über die Grenzen von Abyei", erläutert der Sudan-Experte John Ashworth. "In diesem Zusammenhang ordnete es Heglig Südkordofan zu, nicht Abyei. Es urteilte aber nicht über die Grenze zwischen Sudan und Südsudan."

Unter dem ungeklärten Grenzverlauf leiden vor allem die Bewohner. Im Mai 2011 besetzten sudanesische Truppen Abyei und vertrieben praktisch die gesamte Bevölkerung. Im Juni griffen sie jene südsudanesischen Streitkräfte an, die noch in Südkordofan waren. Und im September besetzten sie die Region Blauer Nil. Khartum wirft dem Südsudan vor, Rebellen in den drei Gebieten zu unterstützen. Juba beschuldigt seinerseits den Sudan, Milizen im Süden zu fördern.

Angesichts der schwierigen Lage ist nun internationale Vermittlung gefragt. Ein Vertreter des britischen Parlaments warnte bereits vor einer humanitären Krise und großen Flüchtlingsströmen. Und der UN-Sicherheitsrat appellierte an beide Regierungen, die grundlegenden Grenzprobleme dringend und friedlich zu lösen. Derweil wiegeln die Präsidenten beider Länder trotz kriegerischer Rhetorik ab. An einem Krieg seien sie nicht interessiert, betonten beide Staatschefs unisono.

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