Aussagen von Mossad-Chef werfen neues Licht auf Drama mit vier Toten im Jahr 2023
Die Passagiere des im Mai 2023 auf dem Lago Maggiore gesunkenen Bootes "Gooduria" waren keine Touristen, sondern Geheimdienstmitarbeiter. Alle 21 Gäste an Bord seien italienische und israelische Agenten gewesen, die an einer geheimen Mission gearbeitet hätten, um den Iran am Erwerb fortschrittlicher Waffen zu hindern, sagte der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, bei einer Gedenkveranstaltung.
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Wie die römische Tageszeitung "Il Messaggero" am Mittwoch berichtete, äußerte Barnea den Verdacht, dass der Untergang des Bootes am Lago Maggiore möglicherweise kein Unfall war. Demnach könnte ein plötzlich aufziehender Sturm gezielt herbeigeführt worden sein, um das Treffen der Geheimdienstagenten zu sabotieren. Für diese Darstellung gibt es bisher keine unabhängige Bestätigung.
Vier Menschen waren beim Schiffsuntergang ums Leben gekommen
Bei dem Unglück am 28. Mai 2023 kamen vier Menschen ums Leben, darunter die italienischen Geheimdienstagenten Claudio Alonzi (53) und Tiziana Barnobi (62) sowie ein israelischer Agent, der unter dem Namen Erez Shimoni bekannt gewesen sein soll. Seine wahre Identität war bis gestern nie offiziell bekannt gemacht worden. Die Leiche wurde noch im selben Jahr auf dem Militärfriedhof von Ashkelon in Israel beigesetzt; an der Beerdigung nahmen führende Vertreter des Mossads teil.
Auch eine russische Staatsbürgerin, die mit dem Skipper des Bootes verheiratet war, starb. Der italienische Skipper wurde im Sommer 2024 wegen fahrlässigen Schiffsunglücks zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Die übrigen Insassen konnten sich retten oder wurden lebend geborgen.
Mossad-Chef Barnea bestätigte laut "Messaggero" bei einer Gedenkfeier zu Ehren von im Ausland gefallenen Geheimdienstmitarbeitern den Tod eines Mossad-Mitarbeiters bei einem Einsatz im Ausland. Ein unter dem Kürzel M. geführter Mitarbeiter sei "bei Operationen gegen den Iran im Ausland getötet worden", sagte Barnea. Dies lasse den Verdacht zu, dass das Bootsunglück auf dem Lago Maggiore im Mai 2023 kein reiner Wetterunfall gewesen sein könnte, sondern gezielt herbeigeführt wurde, berichtete "Il Messaggero". Unabhängige Bestätigungen dafür liegen nicht vor. "Die von M. geleitete Mission habe Kreativität, List und fortschrittliche Technologie vereint und den Erfolg der Kampagne gegen den Iran maßgeblich beeinflusst", wurde Barnea zitiert.
"Gooduria" sank nahe dem Ufer in plötzlichem, heftigen Sturm
Das Boot "Gooduria" war nahe dem Ufer gesunken. Überlebende konnten sich retten oder wurden von anderen Booten geborgen. Neben dem Mossad-Agenten M. befanden sich auch weitere zehn israelische Staatsbürger an Bord, die später aus Italien ausgeflogen wurden. Auf Gedenktafeln für die beiden italienischen Toten heißt es, sie seien "am 28. Mai 2023 im Rahmen einer heiklen operativen Tätigkeit mit ausländischen Partnerdiensten ums Leben gekommen".
An Bord des 16 Meter langen Bootes hatten sich insgesamt 25 Personen befunden, als es am Abend des 29. Mai 2023 in der Nähe der Stadt Lisanza am südlichen Ende des Sees von einem plötzlichen, heftigen Sturm erfasst wurde und sank. Die von Staatsanwalt Massimo De Fillippo geleitete Untersuchung ergab als Unfallursachen unter anderem, dass sich zu viele Menschen an Bord aufgehalten hatten, dass nicht genügend Schwimmwesten vorhanden waren und dass die Wetterbedingungen unterschätzt worden seien. Zeugen berichteten, der Sturm sei plötzlich aufgekommen, mit hohen Windstärken und großen Regenmengen.