Wer als Kind an Krebs erkrankt war, trägt die Folgen der Erkrankung oft ein Leben lang mit sich. Mit dem Survivorship Passport gibt es erstmals eine umfassende digitale Lösung für die lebenslange Nachsorge von Kinderkrebsüberlebenden.
Frühere Kinderkrebs-Patientinnen und Patienten des Wiener St. Anna Kinderspitals bekommen nun einen Survivorship Passport, also einen Überlebenden-Pass. Das digitale Dokument wird in die elektronische Gesundheitsakte ELGA integriert und enthält Details zur erhaltenen Behandlung gegen den Krebs, zu empfohlenen Kontrollen über Jahrzehnte hinaus und Informationen zu möglichen Spätfolgen. Rund 5.000 "Survivors" sollen von dem Nachsorgeangebot profitieren, hieß es am Dienstag.
Zunächst wurde laut der Aussendung des St. Anna Kinderspitals mit den ersten zehn Nutzerinnen und Nutzern gestartet. "Für mich bedeutet der Survivorship Passport, dass ich meine Krankengeschichte nicht jedes Mal neu erklären muss. Alle wichtigen Informationen zu meiner Therapie sind gebündelt verfügbar - egal bei welcher Ärztin oder welchem Arzt ich später einmal bin. Das gibt mir Sicherheit und hilft mir, meine eigene Gesundheit besser im Blick zu behalten", berichtete Julian Dorffner als einer der ersten Pass-Inhaber.
Internationales Vorzeigeprojekt
International gelte das österreichische Modell als Referenzprojekt für zukünftige Entwicklungen im Rahmen des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS) und der EU-Cancer-Mission. "Es erfüllt uns mit großer Freude, dass das St. Anna Kinderspital als europaweiter Vorreiter einen konkreten Beitrag zur Digitalisierung im öffentlichen Gesundheitswesen leisten darf. Der Survivorship Passport gewährleistet eine lückenlose und sichere Begleitung für unsere Patientinnen und Patienten und setzt damit neue Maßstäbe in der lebenslangen Nachsorge", sagte Herbert Volkmann, Geschäftsführer des Wiener Kinderkrankenhauses.
"Der Survivorship Passport zeigt, wie Innovation, europäische Zusammenarbeit und ein starkes öffentliches Gesundheitssystem konkret zusammenwirken können. Dieses Projekt stärkt die Versorgungsqualität nachhaltig und stellt sicher, dass Betroffene auch lange nach einer schweren Erkrankung bestmöglich begleitet werden", betonte auch Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) laut der Aussendung.
Der Survivorship Passport wurde mit Unterstützung des Austrian Institute of Technology (AIT) implementiert. Teile der Umsetzung wurden vom Gesundheitsministerium gefördert. Die Entwicklung erfolgte im Rahmen langjähriger europäischer Kooperationen, insbesondere durch das EU-geförderte Projekt "PanCareSurPass". Das europäische Expertennetz PanCare ist ein multidisziplinäres Netzwerk von Fachpersonen aus der pädiatrischen Onkologie, Spätfolgenforschung sowie Survivor-Organisationen.