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Neue Fälle in Hamburg und Hessen

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Regierung sucht Lösungen für knappe Schutzausrüstung.

Das neuartige Coronavirus verbreitet sich in Deutschland weiter. Erstmals ist in Hamburg ein Patient nachweislich erkrankt. Es handle sich um einen Mitarbeiter der Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, teilte die Klinik am Donnerstagabend mit. Auch in Hessen wurde ein erster Fall des neuartigen Coronavirus nachgewiesen.

Betroffen sei eine Person im Lahn-Dill-Kreis, teilte der Landkreis am Donnerstagabend mit. Damit stieg die Zahl der aktuellen Infektionen in Deutschland auf 32. Zuvor waren am Donnerstag wurden in Nordrhein-Westfalen 14 weitere Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 bekannt geworden, außerdem vier neue Fälle in Baden-Württemberg und je einer in Rheinland-Pfalz und Bayern. Der Infizierte in Hamburg sei in Italien im Trentino im Urlaub gewesen und am Sonntag an seinen Wohnort nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt. Am Montag habe er am UKE gearbeitet - und dann am Dienstag während der Arbeit Krankheitssymptome entwickelt. Daraufhin habe er den Dienst abgebrochen, hieß es weiter. Alle Kinder und Eltern, die engen Kontakt mit dem Mitarbeiter hatten, gehen demnach nun 14 Tage in Quarantäne - je nach Gesundheitszustand im UKE oder zu Hause. Auch andere Mitarbeiter gehen nun in eine häusliche Isolation.

Der Infizierte selbst ist demnach in stabilem Zustand und in häuslicher Quarantäne. Seine Kontaktpersonen sollten informiert und getestet werden. Das Trentino sei nicht als Risikogebiet für das neuartige Coronavirus definiert gewesen, hieß es. Der Fachstab Seuchenschutz der Hamburger Gesundheitsbehörde kam noch in der Nacht mit Experten des UKE zusammen, um über die Maßnahmen und das weitere Vorgehen zu beraten. Details sollen in einer Pressekonferenz am Freitag bekanntgegeben werden.

Zum Fall in Hessen wollen der Landes-Sozialminister Kai Klose und Landrat Wolfgang Schuster am Freitagvormittag (10.00 Uhr) bei einer Pressekonferenz informieren. Es ist der erste Fall in Hessen - abgesehen von Rückkehrern aus der chinesischen Stadt Wuhan. Anfang Februar hatte die Bundeswehr 126 Deutsche und ihre Angehörigen mit einer Sondermaschine aus der stark vom Coronavirus betroffenen Millionenmetropole Wuhan in China zurückgeholt, die Maschine landete auf dem Frankfurter Flughafen. Bei zwei Rückkehrern wurde Sars-CoV-2 festgestellt; sie wurden in die Uniklinik Frankfurt gebracht und dort Mitte Februar wieder entlassen.

Der Krisenstab der deutschen Regierung berät am Freitag über weitere Vorkehrungen gegen das neue Virus, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Aktuell gibt es in Deutschland insgesamt mehr als 30 bestätigte Infektionen. Daneben waren vor mehreren Wochen bereits 16 weitere Sars-CoV-2-Infektionen gemeldet worden - diese Menschen gelten inzwischen alle als virusfrei. Der Virologe Christian Drosten sagte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner": "Wir werden in den nächsten Tagen sehen, dass neue Fälle und kleine Fallgruppen wie die Pilze aus dem Boden schießen werden." Deutschland werde in Europa eines der Länder mit den höchsten Fallzahlen sein, "weil unsere Bevölkerung sehr reisefreudig ist".

Die deutsche Regierung sucht nach Lösungen, um im Kampf gegen das neue Coronavirus Schutzausrüstung etwa für medizinisches Personal verfügbar zu halten. "Wir müssen uns auf eine Knappheit in dem Bereich einstellen", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn bei "Maybrit Illner". China, das Ursprungsland der neuen Krankheit, ist ein großes Produktionsland für Schutzkleidung oder Bestandteile davon. Der Krisenstab in Deutschland hat schon erste zusätzliche Maßnahmen in die Wege geleitet. So sollen auch Passagiere, die mit Flugzeugen aus Südkorea, Japan, Iran und Italien kommen, Angaben zu ihrer Erreichbarkeit nach der Landung machen. Dies gilt bereits für Direktflüge aus China. Solche "Aussteigekarten" sollen eine Kontaktaufnahme ermöglichen, wenn sich herausstellt, dass jemand an Bord infiziert war.

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