Kairo brennt

Österreicher flüchten aus Ägypten

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ÖSTERREICH-Reporter live vor Ort. Chaos. Rückkehrer: 'Es war die Hölle'

Österreich-Reporter Florian Lems aus Hurghada: Lage in Urlauberorten spitzt sich zu.

Die bekannte Volksmusik-Band „Die Edl­seer“ hatte Glück: Nach zwei erholsamen Wochen am Traumstrand von Sharm el-Sheikh sind die vier wie geplant nach Österreich zurückgekehrt – von den Unruhen in Ägypten haben sie nichts mitbekommen.

So geht es auch den meisten Österreichern in den Urlaubsorten Sharm el-Sheikh und Hurghada. Es ist ruhig, das Chaos spielt sich woanders ab. Einige Österreicher jedoch erleben einen Urlaub mit Schrecken: „Wir sind von einem geplanten Ausflug zurück. Plötzlich hatte es die Reiseleitung eilig, alle Touristen zurück in den Bus zu bringen. Uns ging es nicht sehr gut, es war ein Schock“, sagen Heidi Pachschwöll und ihr Mann Josef (beide 50 Jahre alt) aus Rabenstein/Pielach zu ÖSTERREICH.

Aus Luxor evakuiert
Lokalaugenschein in Hurghada, der beliebten Touristenhochburg am Roten Meer: Dem Ehepaar Pachschwöll geht es am Montagnachmittag besser, mittlerweile sind sie von Luxor ans Rote Meer in das Edelhotel Siva Grand Beach transferiert worden.

Ägypten: Hercules bringt Österreicher heim

Doch die Gedanken an die Evakuierung in Luxor gehen dem Ehepaar nicht aus dem Kopf. „Alles war abgesperrt, alle waren nervös. Wir sind dann auf das Schiff zurück, mit dem wir die Kreuzfahrt gemacht haben, und haben gleich abgelegt, was eigentlich gar nicht geplant war. Das Militär hat alles abgesperrt. Wir haben zerstörte Geschäfte gesehen, überall lagen Glasscherben herum“, erzählt Heidi Pachschwöll.

Aufregung im Urlaub
„Wir haben damit gerechnet, dass sie uns sofort heimfliegen.“ Nachdem die Hotelleitung aber sehr gut auf Touristen aufpasse, bleiben die Pachschwölls weiter am Roten Meer – ihr Gefühl ist aber ein wenig mulmig. „Die Lage in Ägypten hat sich leider zugespitzt. Hier in Hurghada ist es aber noch nicht bedrohlich. Ich habe mir meinen Urlaub anders vorgestellt.“

Lesen sie mehr über die Evakuierung der Österreicher auf der nächsten Seite.

 

Daheim! Rückhol-Aktion für rund 500 Österreicher

Mit zwei Sonderflugzeugen holte das Außenamt Hunderte Österreicher aus dem Krisengebiet zurück. Was die Urlauber dort erlebten.

Müde, gezeichnet von den Erlebnissen der letzten Tagen, aber überglücklich sind am Montag Hunderte österreichische Ägypten-Urlauber in Wien angekommen.

Zwei Sonderflieger
Neben den planmäßigen Flügen von AUA und Egypt-Air war für 23.55 Uhr die Landung der ersten von zwei Sondermaschinen geplant. Heute um vier Uhr früh sollte eine Hercules-Maschine des Bundesheeres landen.

Alle Österreicher sind froh, daheim zu sein: „Wir mussten drei Tage lang am Flughafen ausharren. Wir haben nicht erfahren, was los ist. Alle waren in einem psychisch schlechten Zustand“, sagt Eva Stoisser aus der Steiermark zu ÖSTERREICH.

„Wir haben Schüsse gehört, Panzer sind vorgefahren, wir hatten Ausgangsperre. Wir waren eingekesselt im Hotel, die Angestellten mussten sich gegen Plünderer mit Schlagstöcken wehren. Es war die Hölle“, sagt Rückkehrer Andreas Kiss.

Drei Tage auf Flughafen
Plünderungen, Überfälle und Chaos auf den Straßen von Kairo, Angst vor Unruhen und Versorgungsmangel in den Urlaubsgebieten Sharm el- Sheikh und Hurghada: Die Österreicher werden lange nicht vergessen, was vor ihren Augen passiert ist. Weil sich die Situation in Kairo zugespitzt hat, hat das Außenministerium die zwei Sonderflugzeuge organisiert. „Es sind Touristen, die aus verschiedenen Gründen am Flughafen gelandet sind, die wir heimfliegen“, sagt Roland Hauser zu ÖSTERREICH.

Er ist der Chef eines 16-köpfigen Rettungsteams von Außen-, Innen- und Verteidigungsministerium, das Österreicher in Ägypten unterstützt.

Am Flughafen erlebten die Landsleute die nächste Hölle: „Wir haben zwei Tage nichts zu essen gehabt. Es war einfach nur schrecklich“, sagt Urlauberin Michaela Koch. Die meisten erwischten keine Weiterflüge und mussten bis zu drei Tage im Transitbereich ausharren. Auf engem Raum, mitten in Menschenmassen.

2.500 sind noch dort
Insgesamt sind am Montag 500 österreichische Urlauber vom Außenamt zurück in die Heimat geflogen werden. 2.500 Österreicher befinden sich weiter in Ägypten. Weitere Sonderflüge sind aber geplant.

Lesen sie mehr über die Erlebnisse zweier Heimkehrer aus dem Krisengebiet auf der nächsten Seite.

Niederösterreicherin mitten in Demo: "Und plötzlich war überall Tränengas"

Die 44-jährige Unternehmerin Jacqueline Kahuna geriet am Samstag in Luxor zwischen Polizei und Demonstranten.

ÖSTERREICH: Was ist Ihnen in Luxor passiert?
Jacqueline Kahuna: Ich war in der Stadt unterwegs, als mein Rikschafahrer falsch abbog und ich plötzlich mitten in einer Demonstration war. Steine wurden geschleudert und brennende Holzstücke, es ging Polizei gegen Demonstranten. Die Polizei hat Tränengas eingesetzt. Plötzlich war meine Lunge voll damit, und ich konnte nicht mehr atmen.

ÖSTERREICH: Wie ging es dann weiter?
Kahuna: Wir haben dann versucht, so schnell wie möglich aus der Situation herauszukommen. Die Demonstranten haben uns noch vom Straßenrand zugerufen: „Es ist nicht gegen die Touristen!“ Ich habe in Ägypten die Verzweiflung der Menschen gesehen. Sie protestieren, weil sie zu wenig Geld verdienen, weil sie ihre Familie einfach nicht mehr ernähren können.

Tauchschul-Lehrer Minihuber warnt: „Hier herrscht derzeit Revolution“

Hubert Minihuber (50) lebt seit zwanzig Jahren in Ägypten. Der gebürtige Oberösterreicher sagt: „Ich würde jetzt nicht hierher fliegen.“

ÖSTERREICH: Am Sonntag soll in Sharm el-Sheikh, wo Sie leben, das Militär eingerückt sein. Wie erleben Sie die Situation?
Hubert Minihuber: Militärs haben wir keine gesehen, sie müssen vor Sharm sein. Viele haben aber Hamsterkäufe gemacht. Auch an den Tankstellen gibt es kaum noch Benzin. Auch die Polizei gibt es hier jetzt so gut wie nicht mehr. Der Aufstand richtet sich ja gegen die Polizeidiktatur.

ÖSTERREICH: Wie sehr verunsichert Sie persönlich die aktuelle Situation?
Minihuber: Ich kenne das Land und die Leute schon sehr gut, für mich ist das jetzt nicht bedrohlich. Ich hoffe nur, dass das Machtvakuum nicht durch extremistische Muslime aufgefüllt wird. Das wäre natürlich natürlich eine Katastrophe. Aber nach Ägypten sollte man jetzt nicht in Urlaub fahren, sondern abwarten, wie sich das weiterentwickelt.

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