Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich am Samstag bei der Militärparade zum 9. Mai sicher gezeigt, dass Moskaus Armee den seit Februar 2022 andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine gewinnt.
Sie werde bei ihrem Einsatz in der Ukraine heute inspiriert von der "Generation der Sieger" im Zweiten Weltkrieg, so Putin in scharfem Ton auf dem Roten Platz in Moskau. "Sie stellen sich einer aggressiven Macht entgegen, die vom gesamten NATO-Block bewaffnet und unterstützt wird."
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"Ich bin fest davon überzeugt: Unsere Sache ist gerecht, wir stehen zusammen, der Sieg war immer und wird immer auf unserer Seite sein" erklärte Putin zu dem nun seit mehr als vier Jahren andauernden Konflikt. Trotz der westlichen Unterstützung "marschieren unsere Helden vorwärts", behauptete der Präsident.
Die Ukraine wird maßgeblich von NATO-Staaten, darunter vor allem Deutschland, in ihrem Abwehrkampf gegen die großangelegte russische Invasion unterstützt. Die Kampfhandlungen gelten als festgefahren in dem Krieg - ohne echte Bewegung für eine der beiden Kriegsparteien. Die Seiten haben sich aktuell unter Vermittlung von US-Präsident Donald Trump auf eine Waffenruhe bis 11. Mai geeinigt. Verstöße gab es nach Angaben des Kreml zunächst nicht.
Kampfhandlungen in der Ukraine sind festgefahren
"Der Schlüssel zum Erfolg ist unsere moralische, ethische Stärke, unser Mut und unsere Tapferkeit, unser Zusammenhalt, unsere Fähigkeit, alles durchzustehen und jede Prüfung zu bestehen", sagte Putin. "Wir haben ein gemeinsames Ziel, jeder leistet seinen persönlichen Beitrag zum Sieg - kämpft sowohl auf dem Schlachtfeld als auch im Hinterland."
Bisher ist allerdings nicht in Sicht, dass Putin seine Kriegsziele in der Ukraine erreicht. Auch die abgespeckte Militärparade gilt als Spiegelbild der Lage in seinem Krieg, in dem die russischen Truppen durch die ukrainische Gegenwehr zunehmend unter Druck sind. Aus Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen nahm Putin die Parade ohne die sonst zur Schau gestellten Panzer und Raketen ab. Gezeigt wurden während des Aufmarsches allerdings Videoeinspieler von den Kampfeinsätzen der russischen Streitkräfte in der Ukraine.
Schweigeminute nach Erinnerung an Sieg im Großen Vaterländischen Krieg
Auf dem Roten Platz gab es eine Schweigeminute, nachdem Putin in seiner Rede ausführlich an den Sieg der Roten Armee im Großen Vaterländischen Krieg erinnert hatte. Er gratulierte im Anschluss an die Parade, die mit einer Kampffliegerstaffel und den Farben der russischen Flagge am Moskauer Himmel endete, einzelnen Veteranen persönlich mit Händeschütteln zum 81. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges.
Kremlchef Putin nimmt die Parade aus Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen die Parade diesmal ohne Panzer, Raketen und Militärtechnik ab. Stattdessen wurden Waffensysteme wie die Interkontinentalrakete Jars, das neue Atom-U-Boot Archangelsk sowie Kampfflugzeuge und Drohnen auf riesigen Bildschirmen präsentiert. Neben russischen Soldaten marschierten auch nordkoreanische Truppen auf, die in der russischen Region Kursk gegen ukrainische Einheiten gekämpft hatten.
Der abgespeckte Aufmarsch mit weniger Gästen gilt auch als ein Symbol für die Lage in Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine. Geschützt wird der Präsident bei dem öffentlichen Auftritt vor internationalen Gästen durch ein extremes Sicherheitsaufgebot. Auf die sonst übliche Präsentation von Militärtechnik wird aus Furcht vor ukrainischen Drohnenangriffen verzichtet. Es werden nur wenige ausländische Staatsgäste anwesend sein, ausländische Journalisten wurden ausgeladen.
Fico bei Putin im Kreml
Als einziger Gast aus der Europäischen Union reiste der slowakische Ministerpräsident Robert Fico zum Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland vor 81 Jahren nach Moskau. Er wurde am Samstag von Putin im Kreml empfangen. "Ich weiß, dass es einige Schwierigkeiten mit Ihrer Reise nach Moskau gab. Aber das Wichtige ist, dass Sie hier sind", sagte der russische Präsident bei dem Treffen und ergänzte: "Ihre konstante Haltung gegenüber der Bewahrung der historischen Wahrheit verlangt Respekt". Putin hob zudem "die souveräne Außenpolitik" hervor, um die sich die slowakische Regierung bemühe. Fico nahm am Samstag an der Mauer des Kreml an einer Kranzniederlegung am Grab des Unbekannten Soldaten teil, bei der Parade selbst war er laut Medienberichten nicht anwesend.
Kritik kam von Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). "Robert Fico weiß, dass wir da nicht einer Meinung sind. Ich bedaure das zutiefst und wir werden mit ihm über diesen Tag in Moskau sprechen", sagte Merz am Samstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson in Stockholm.
In der russischen Hauptstadt und anderen Städten gilt für die Bevölkerung eine Sperre des mobilen Internets. Zum Tag des Sieges hat Putin in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine eine zweitägige Feuerpause ausgerufen. Die Ukraine beklagte in den vergangen Tagen aber dennoch russische Bodenangriffe und Beschuss aus der Luft und griff mit großen Drohnenschwärmen das russische Hinterland an.
Kreml kritisiert Selenskyjs "dummen Witz" zur Militärparade
In Moskau stieß im Vorfeld ein Dekret des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf Kritik, in dem er der russischen Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau seine "Genehmigung" erteilte. "Wir brauchen von niemandem eine Erlaubnis", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Samstag dem russischen Staatsfernsehen vor Beginn der Parade. "Wehe dem, der versucht, sich über den Tag des Sieges lustig zu machen und solche dummen Witze zu reißen", ergänzte er.
Selenskyj hatte am Freitag einen Erlass "Über die Durchführung einer Parade in Moskau" mit den Koordinaten des Roten Platzes veröffentlicht, die von ukrainischen Angriffen ausgenommen werden sollen. Zudem sicherte er zu, dass keine Waffen auf den Roten Platz gerichtet werden. "Ich ordne hiermit an: die Abhaltung einer Parade in der Stadt Moskau am 9. Mai 2026 zu gestatten." Der Rote Platz werde vom geplanten Einsatz ukrainischer Waffen ausgenommen. In dem Erlass "Über die Durchführung einer Parade in Moskau" sind konkret örtliche Koordinaten eingetragen, die von ukrainischen Angriffen verschont werden sollen.
Kreml: Russland ist stolz auf Tag des Sieges
Peskow bezeichnete es als "großes Unglück" für Selenskyj, dass er sich so verhalte. Der Tag des Sieges wird in weiten Teilen der früheren Sowjetunion als "Tag des Stolzes mit Tränen in den Augen" gefeiert. Das Land hatte bei der Befreiung Europas von der Diktatur unter Adolf Hitler mehr als 27 Millionen Menschen verloren. "Wir brauchen keine Erlaubnis von irgendjemandem, um stolz auf unseren Tag des Sieges zu sein", sagte Peskow.
Kampffliegerstaffel soll Parade am Moskauer Himmel beenden
Überraschend hatte US-Präsident Donald Trump zuvor eine zwischen Kiew und Moskau vermittelte Waffenruhe und den geplanten Austausch von 1.000 gegen 1.000 Kriegsgefangene bekanntgegeben. Die Waffenruhe gilt demnach bis 11. Mai. Am Morgen gab es zunächst keine offiziellen Berichte über mögliche Verstöße gegen die Vereinbarung.
Russland hatte zuvor selbst wegen des Tages des Sieges über Nazi-Deutschland eine Einstellung aller Truppenbewegungen vom 8. bis 10. Mai angekündigt. Allerdings gab es weiter Kämpfe und Angriffe. Die Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 in Berlin fiel in Moskau schon in die frühen Morgenstunden des 9. Mai. Deshalb begeht Russland immer zu diesem Datum den Tag des Sieges.