Syrien: Russland kritisiert UN-Inspektoren

Giftgas-Bericht

Syrien: Russland kritisiert UN-Inspektoren

Vizeaußenminister: Bericht sei "selektiv und unvollständig".

Nach der Veröffentlichung des Giftgasberichts der Vereinten Nationen zu Syrien hat Russland die UN-Inspektoren scharf kritisiert. Die Spezialisten seien "politisiert, voreingenommen und einseitig" vorgegangen, sagte Vizeaußenminister Sergej Rjabkow. Die Beratungen über eine UN-Resolution zum syrischen Chemiewaffenprogramm sollen indes am Mittwoch fortgesetzt werden.

Die UN-Experten hätten drei weitere angebliche Chemiewaffeneinsätze in dem Bürgerkriegsland nicht untersucht, kritisierte Rjabkow. "Sie haben einen selektiven und unvollständigen Bericht erstellt". Die UN-Vetomacht Russland ist der wichtigste Partner des Regimes. Moskau hat den Giftgaseinsatz bei Damaskus am 21. August, bei dem nach US-Angaben 1.400 Menschen ums Leben gekommen sein sollen, wiederholt als "Provokation" der Assad-Gegner bezeichnet. Das Mandat erlaubte den UN-Inspektoren nicht, die Schuldfrage zu klären.

Geisel als Zeuge
In der ZDF-Sendung "frontal" am Dienstagabend sagte der Belgier Pierre Piccinin, er habe als Geisel der Rebellen ein Skype-Gespräch mehrerer Kommandeure mitgehört, die über einen fehlgeschlagenen Giftgaseinsatz sprachen. Einer der Offiziere habe gesagt, dass ursprünglich mit 50 Toten gerechnet worden sei, aber offenbar habe es einen "Kontrollverlust" gegeben. Ein General der Freien Syrischen Armee sei sehr verärgert über die hohe Zahl von Toten gewesen.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle machte unterdessen die syrische Führung für den Giftgaseinsatz verantwortlich. "Die Indizien sprechen dafür, dass das Assad-Regime hinter diesem Tabubruch steht", sagte Westerwelle der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwoch). Er schloss sich damit der Bewertung der USA, Frankreichs und Großbritanniens an.

Deren Resolutionsentwurf fordert die syrische Regierung auf, die C-Waffen des Landes binnen einer Woche offenzulegen und sie dann bis Mitte 2014 zu vernichten. Der Entwurf lässt den Einsatz von Gewalt zu, falls Syrien dieser Forderung nicht nachkommt. Diplomaten halten es jedoch für so gut wie sicher, dass Russland die Streichung dieser Passage verlangen wird. Die UNO-Botschafter der fünf ständigen Sicherheitsrats-Mitglieder vertagten am Dienstag (Ortszeit) ihre Gespräche in New York, ohne laut Diplomaten Fortschritte erzielt zu haben.

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