Die Ukraine und Russland haben sich in der Nacht auf Sonntag gegenseitig mit Drohnen überzogen.
Bereits am späten Abend wurde in Kiew Luftalarm ausgelöst. Die Flugabwehr trat in Aktion, über der ukrainischen Hauptstadt waren nach Medienberichten zahlreiche Explosionen zu hören. Ukrainischen Angaben zufolge kam bei russischen Angriffen ein Mensch in Cherson ums Leben. Die Ukraine griff indes den Ostseehafen Primorsk an, einen der wichtigsten russischen Ölexportterminals.
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Bei dem russischen Angriff im Süden der Ukraine in Cherson seien zudem vier Menschen verletzt worden, teilte die Militärverwaltung in Cherson am Sonntag mit. Das russische Verteidigungsministerium erklärte indes, dass über Nacht 334 ukrainische Drohnen in mehr als einem Dutzend Regionen abgefangen und zerstört worden seien. Angaben zu Verletzten wurden nicht gemacht.
In der russischen Hauptstadt Moskau wurde auf den großen Flughäfen Wnukowo und Scheremetjewo vorübergehend der Betrieb "aus Sicherheitsgründen" eingestellt, meist eine Reaktion auf Drohnenflüge. Später gab Bürgermeister Sergej Sobjanin den Abschuss von zwei Drohnen bekannt. Auch am Flughafen Pulkowo in St. Petersburg wurde der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt. Mindestens 35 Drohnen seien abgeschossen worden, berichtete der Gouverneur der umliegenden Oblast Leningrad, Alexander Drosdenko.
Ukraine greift russischen Ostseehafen Primorsk an
Die Ukraine griff russischen Angaben zufolge den Ostseehafen Primorsk an. Mehr als 60 Drohnen seien in der Nacht über der nordwestlichen Region Leningrad abgeschossen worden, erklärte Gouverneur Alexander Drosdenko am Sonntag auf Telegram. In Primorsk, einem der wichtigsten russischen Ölexportterminals, sei kein Öl ausgelaufen. Das Feuer, das durch den Angriff ausgelöst wurde, sei inzwischen gelöscht. Der Hafen hat eine Kapazität von einer Million Barrel Öl pro Tag.
Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Energieinfrastruktur und andere Ziele in den vergangenen Monaten ausgeweitet, während die von den USA vermittelten Gespräche über ein Ende des Krieges ins Stocken geraten sind. Primorsk, eines der größten russischen Exportdrehkreuze, wurde bereits mehrfach getroffen.
Schattenflotte unter Beschuss
Indes berichteten Medien auch von Drohnenangriffen auf die südrussische Hafenstadt Noworossijsk. Dort seien zwei Tanker der russischen Schattenflotte getroffen worden, heißt es. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte später den Angriff in sozialen Netzwerken. Die Tanker seien aktiv für die Verschiffung russischen Öls genutzt worden. "Jetzt werden sie es nicht mehr", schrieb er zu den Folgen der Attacke.
Schwere Kämpfe um strategisch wichtige Stadt Kostjantyniwka
Unterdessen rücken nach ukrainischen Angaben russische Truppen auf die Stadt Kostjantyniwka in der östlichen Region Donezk vor. Laut dem ukrainischen Armeechef Oleksandr Syrskyj versuchen die russischen Truppen mit Infiltrationstaktiken, am Rande der Stadt Fuß zu fassen. Man wehre die hartnäckigen Versuche ab, erklärt Syrskyj weiter. Kostjantyniwka ist Teil eines stark befestigten Verteidigungsgürtels der ukrainischen Armee.
Das russische Verteidigungsministerium meldete seinerseits am Mittwoch die Einnahme des nördlich gelegenen Ortes Nowodmytriwka. Zudem meldet Moskau die Einnahme des Dorfes Myropillja in der nordukrainischen Region Sumy. Die ukrainische Armee weist dies als "komplette Lüge" zurück.