Trotz der für die Wochenmitte angekündigten neuen Verhandlungen über ein Kriegsende.
Kiew (Kyjiw). Trotz der für die Wochenmitte angekündigten Verhandlungen über ein Kriegsende sind die ukrainische Hauptstadt Kiew und die zweitgrößte Stadt Charkiw in der Nacht erneut zum Ziel russischer Raketen und Drohnen geworden. Kiews Militärverwalter Tymur Tkatschenko warnte auf Telegram vor Attacken mit ballistischen Raketen. Die Agentur Ukrinform berichtete von mehreren Explosionen in der Metropole. Nach unbestätigten Medienberichten wurden zwei Wärmekraftwerke angegriffen.
Später hieß es, es seien mehrere Wohngebäude in Kiew getroffen worden. Zudem sei ein Kindergarten in Brand geraten, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Zwei Menschen seien bei den Angriffen verletzt worden.
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Die Großstadt Charkiw im Osten des Landes wurde in der Nacht nach Angaben von Bürgermeister Ihor Terechow von mindestens zwei Raketen getroffen. Zudem habe es einen "Massenangriff" mit Kampfdrohnen gegeben. Auch Gouverneur Oleh Synjehubow berichtete von russischen Angriffen. "Erneute feindliche Angriffe auf Charkiw und die Vororte. Es sind Explosionen zu hören", schrieb er auf Telegram. Auch aus Saporischschja und Dnipro wurden russische Drohnenangriffe gemeldet.
Zunächst gab es weder aus Kiew noch Charkiw Angaben zu möglichen Opfern oder Schäden. Die Hauptstadt erwartete unterdessen nach Militärangaben weitere Angriffswellen, auch mit Marschflugkörpern.
Begrenzte Feuerpause auf Energieanlagen dürfte vorbei sein
Russland führt seit vier Jahren Krieg in der Ukraine. Systematisch hat das russische Militär dabei auch Kraft- und Umspannwerke außer Gefecht gesetzt. Die Ukraine ist in diesem Winter damit in die schwerste Energiekrise seit Kriegsbeginn geraten - bei starkem Frost.
In der vergangenen Woche hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, dass Kremlchef Wladimir Putin auf seine Bitte zugesagt habe, die Angriffe auf Energieanlagen in der Ukraine zu pausieren. Moskau bestätigte dies zunächst. Auch laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist die Zahl der russischen Angriffe auf Energieanlagen in der Ukraine zurückgegangen. Zwar seien in frontnahen Gebieten erneut Infrastrukturobjekte durch Beschuss getroffen worden, darunter auch lokale Energieerzeuger. Doch habe es im Tagesverlauf keine Angriffe mit Raketen und Shahed-Kampfdrohnen gegeben, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. Die jüngsten Angriffe deuten jedoch darauf hin, dass diese begrenzte Feuerpause inzwischen beendet ist.
Tote in Donezk und Saporischschja
Im Gebiet Donezk seien beim Einschlag einer Bombe auf ein Haus in der frontnahen Stadt Oleksijewo-Druschkiwka ein Vater und sein volljähriger Sohn ums Leben gekommen, teilte Gouverneur Wadim Filaschkin mit. Die Mutter, ihre 16 Jahre alte Tochter und ihr 11-jähriger Sohn wurden demnach verletzt.
Eine 38 Jahre alte Frau wurde Gouverneur Iwan Fedorow zufolge bei einem Drohnenangriff nahe der Großstadt Saporischschja im Südosten der Ukraine getötet. Eine 59-Jährige sei verletzt worden, teilte er mit.
Vertreter Russlands und der Ukraine wollten sich am Mittwoch und Donnerstag in Abu Dhabi zu einer neuen Verhandlungsrunde über ein mögliches Kriegsende treffen.