Keine letzten Worte

US-Häftling durch Kugelhagel hingerichtet

Das Gnadengesuch wurde kurz davor abgelehnt, der Mann starb im Kugelhagel.

Im US-Bundesstaat Utah ist am Freitag erstmals seit Jahren wieder ein Häftling durch ein Erschießungskommando hingerichtet worden. Der 49-jährige Ronnie Lee Gardner starb Medienberichten zufolge um 00.20 Ortszeit (8.20 MESZ) im Staatsgefängnis von Draper. Der Todgeweihte wollte laut 8newsnow.com keine letzten Worte mehr äußern.

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Er hatte vor 25 Jahren bei einem Fluchtversuch in einem Gerichtsgebäude einen Anwalt erschossen. Zuletzt war 1996 in Utah der verurteilte Kindermörder John Albert Taylor durch ein Erschießungskommando hingerichtet worden.

So lief die Hinrichtung ab
In der Todeskammer wurde ihm vor den Augen der Verwandten seiner Opfer eine schwarze Kapuze über den Kopf gezogen. Danach wurde mit einer kleinen weißen Zielscheibe sein Herz markiert.

5 Polizisten mit 30-kalibrigen Gewehren positionierten sich hinter Vorhängen und einer Wand, etwa sieben Meter entfernt von Gardner. Dann ertönte das Kommando: "Ready, aim, fire." Die Scharfschützen feuerten auf das Herz des Mannes. Einer der Schützen hat eine Platzpatrone abgeschossen, welcher weiß niemand. So will man Gewissensbisse vermeiden.

Eine Metallwanne unter dem Exekutionsstuhl fing das Blut aus den tödlichen Wunden auf. Um 0 Uhr 20 Ortszeit (8.20 Uhr MEZ) wurde Ronnie Lee Gardner für Tod erklärt.

Familie nicht dabei
Die Familie des Häftlings war nicht anwesend. Er selbst hatte sie gebeten sich die Hinrichtung nicht anzusehen. "Er wollte nicht, dass irgendeiner von uns zusieht, wie er erschossen wird“, sagte sein Bruder Randy laut der Zeitung "Daily Telegraph“, "ich wäre gern für ihn da gewesen. Ich liebe ihn bis zu meinem Tod, er ist mein kleiner Bruder.“

Hinrichtungen dieser Art sind in den USA selten. Gardner war erst der dritte Gefangene, der nach Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 in den USA durch Gewehrkugeln exekutiert wurde. Alle drei Hinrichtungen dieser Art gab es in Utah.

Tod im Kugelhagel gewünscht
Nach Angaben der Justizbehörden von Utah nahm er am Dienstag seine Henkersmahlzeit ein, die aus Steak, Hummer, Apfelkuchen, Vanilleeis und Limonade bestanden habe. 48 Stunden vor der Hinrichtung durfte er nichts mehr essen.

Der 49-Jährige hatte sich den Tod im Kugelhagel eines Erschießungskommandos ausdrücklich gewünscht und damit die Debatte über die Todesstrafe neu angeheizt. Hinrichtungen sind in den USA zwar beinahe zur Gewohnheit geworden, allein im vergangenen Jahr wurden 52 Menschen hingerichtet. In den allermeisten Fällen kommt dabei aber eine Giftspritze zum Einsatz. Gardner hatte 1985 bei einem Fluchtversuch im Gericht einen Rechtsanwalt erschossen und war dafür zum Tode verurteilt worden.

Gnadengesuch abgelehnt
Wenige Stunden vor der geplanten Hinrichtung durch ein Erschießungskommando ist ein letztes Gnadengesuch für den US-Todeskandidaten Ronnie Lee Gardner abgelehnt worden. Der Gouverneur des Bundesstaates Utah, Gary Herbert, wies einen Antrag von Gardners Anwälten auf Aufschiebung der Hinrichtung am Donnerstag (Ortszeit) zurück. Der Fall sei bereits durch "zahlreiche Gerichte auf umfassende und gerechte Art" geprüft worden, erklärte Herbert. Parallel dazu wies ein Bundesgericht in Denver einen anderen Antrag der Verteidiger auf Aussetzung der Exekution zurück. Die Anwälte Gardners legten unverzüglich Berufung beim Obersten Gericht der USA ein.

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