John McCain

Aggressiver Gehirntumor

US-Senator John McCain ist tot

Prominenter Trump-Kritiker litt an aggressivem Gehirntumor - Trump darf nicht zur Beerdigung. 

Der bekannte US-Senator John McCain ist tot. Der Vietnamkriegs-Veteran, der einer der profiliertesten Kritiker von US-Präsident Donald Trump innerhalb der Republikanischen Partei gewesen war, starb am Samstag im Alter von 81 Jahren, wie sein Büro mitteilte. Der Politiker hinterlässt seine Frau Cindy und sieben Kinder. Seine Frau und weitere Familienmitglieder seien bei ihm gewesen, hieß es.

Spätestens seit der Nominierung Trumps zum Präsidentschaftskandidaten sind die beiden Politiker Erzfeinde. Trump ist sogar vom Begräbnis ausgeladen. Bereits im Mai ließ die Familie des schwerkranken Senators aus Arizona mitteilen, McCain wolle nicht, dass Trump zu seiner Trauerfeier in der National Cathedral von Washington erscheine.

Er wünsche sich, dass Vize-Präsident Mike Pence (59) die US-Regierung dort repräsentiere. Die Ex-Präsidenten Barack Obama (57), gegen den McCain die US-Präsidentschaftswahl 2008 haushoch verlor, und George W. Bush (72), gegen den McCain die Nominierung zur Präsidentschaftswahl 2000 verlor, seien gefragt worden, ob sie Reden halten würden. 

 

Gehirntumor diagnostiziert

Bei McCain war im vergangenen Jahr ein aggressiver Gehirntumor diagnostiziert worden. Während der vergangenen Monate war er daher nicht mehr im Senat gewesen, dem er seit mehr als drei Jahrzehnten angehörte. Stattdessen blieb für die Krebstherapie in seinem Haus im US-Staat Arizona.

Es war nicht das erste Mal, dass bei McCain eine Krebserkrankung diagnostiziert wird. In den 90er- und 2000er-Jahren wurden bei ihm mehrere Melanome entfernt - eine bösartige Form von Hautkrebs.
 

Erst am Freitag Behandlung eingestellt

McCains Familie hatte erst am Freitag mitgeteilt, dass der schwer krebskranke Senator seine Behandlung eingestellt hat. "Der Fortschritt der Krankheit und die Unerbittlichkeit des Alterns haben ihr Urteil gefällt", erklärte die Familie. "Mit seiner üblichen Willensstärke" habe der 81-Jährige entschieden, mit der Chemotherapie aufzuhören.
 
Am Samstagnachmittag um 16.28 Uhr (Ortszeit) starb McCain dann, wie sein Büro erklärte. Er habe den Vereinigten Staaten 60 Jahre lang "treu gedient".
 
McCain saß seit 1987 im US-Senat und hat sich im Laufe der Zeit den Ruf eines "Mavericks" erworben - eines Mannes, der der Parteiräson nicht immer folgt und auch unbequeme Meinungen vertritt. Er zählte zu den prominentesten Mitgliedern des US-Kongresses und hatte sich über die Parteigrenzen hinweg große Achtung erworben. 2008 trat er als Präsidentschaftskandidat der Republikaner an, verlor die Wahl aber gegen Barack Obama.
 

Kurz und Kneissl kondolieren

Mit dem Ableben des US-Senators John McCain verliere Amerika einen außerordentlichen Politiker. Europa verliere einen Freund, der immer an die transatlantische Zusammenarbeit geglaubt habe, schreibt Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf Twitter. "Er hatte einen klaren moralischen Kompass und zielte immer darauf, seinem Land zu dienen". Er kondoliere der Familie aus ganzem Herzen.
 
Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) schrieb, ebenfalls auf Twitter: Mit Senator John McCain haben die USA eine ihrer prononciertesten Stimmen zur Außen- und Sicherheitspolitik und eine führende Stimme gegen die Folter verloren. "Unsere Gedanken sind mit seiner Familie und Freunden".
 
Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) erklärte, der prominente Politiker der Republikaner "stand für ein Amerika, das ein verlässlicher und enger Partner ist". McCain habe ein Amerika repräsentiert, "das aus Stärke Verantwortung für andere übernimmt und auch in schwierigen Momenten zu seinen Werten und Prinzipien steht".
 

"Schwerer Verlust für Weltgemeinschaft"

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) nannte den Tod des 81-Jährigen in einem Beileidsschreiben an McCains Familie einen "schweren Verlust für die Weltgemeinschaft". Deutschland verliere in ihm "eine Stütze der deutsch-amerikanischen Beziehungen und einen Freund Deutschlands".
 
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu (68) hat tiefe Trauer über den Tod des US-Republikaners John McCain geäußert. Netanjahu würdigte McCain am Sonntag als "großen amerikanischen Patrioten und großen Unterstützer Israels". Quelle seiner anhaltenden Unterstützung für den jüdischen Staat seien McCains "Glaube an Demokratie und Freiheit" gewesen, hieß es in einer Mitteilung Netanjahus. "Der Staat Israel salutiert McCain."
 
Der Tod von US-Senator John McCain hat auch beim ehemaligen Kriegsgegner Vietnam Trauer ausgelöst. Der Politiker und Vietnam-Veteran galt in dem südostasiatischen Land als ein Brückenbauer. "Ich weiß, er hat viel dazu beigetragen, die Beziehungen zwischen Vietnam und den USA zu normalisieren", sagte etwa der Unternehmer Tran Hoan am Sonntag. Auch die staatlichen vietnamesischen Medien berichteten ausführlich über seinen Tod.
 
Der Navy-Pilot McCain war im Vietnamkrieg in Kriegsgefangenschaft geraten und wurde gefoltert. Erst nach fünf Jahren kam er frei. 1985 besuchte er als Kongressabgeordneter erstmals wieder Vietnam. In den darauf folgenden Jahren verhandelte er unter anderem das Ende des letzten US-Embargos gegen Vietnam 2016 und reiste immer wieder in das Land, zuletzt 2017.
 
McCain war am Samstag an einem Gehirntumor gestorben. Der Vietnamkriegs-Veteran war einer der schärfsten innerparteilichen Kritiker von US-Präsident Donald Trump. Als Präsidentschaftskandidat der Republikaner war er 2008 gegen den Demokraten Barack Obama unterlegen.
 


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