Preis-Schock

Wegen Hitze: Jetzt droht Matcha-Engpass

Matcha wird weltweit gefeiert – doch in Japan wird der Tee knapp. Der heiße Sommer 2024 lässt die Preise steigen und sorgt für Sorgen bei Bauern und Händlern. 

Rekordtemperaturen in Japan haben im vergangenen Jahr zu erheblichen Ernteausfällen bei Tencha geführt – den Teeblättern, aus denen Matcha gewonnen wird. Besonders stark betroffen war die Region Kyoto, die rund ein Viertel der Tencha-Produktion Japans abdeckt. Die Folgen zeigen sich nun bei der aktuellen Ernte im April und Mai: Die Mengen sind geringer, die Preise steigen.

Kyoto unter Hitzedruck

Das Jahr 2024 war laut japanischen Angaben das heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Hitzewellen trafen die empfindlichen Teesträucher hart. Masahiro Yoshida, Teebauer in sechster Generation aus Uji bei Kyoto, berichtet von einem deutlichen Rückgang: Statt zwei Tonnen konnte er diesmal nur 1,5 Tonnen Tencha ernten – ein Minus von 25 Prozent.

„Der letzte Sommer war so heiß, dass er die Sträucher beschädigt hat. Deshalb konnten wir nicht so viele Teeblätter pflücken“, sagte Yoshida gegenüber Reuters.

Nachfrage übersteigt Angebot

Gleichzeitig steigt die weltweite Matcha-Nachfrage ungebremst. Besonders Millennials und die Generation Z treiben den Trend in Cafés, Smoothie-Bars und auf Social Media. Yuki Ishii vom Singapurer Großhändler Tealife berichtet, dass sich die Nachfrage seiner Kundschaft im vergangenen Jahr verzehnfacht habe. „Ich bin im Grunde immer ausverkauft“, erklärt er.

Manche Händler sahen sich gezwungen, vorübergehend Kaufbeschränkungen einzuführen. Und auch die Japanische Teeproduzenten-Vereinigung warnt vor weiteren Engpässen.

Preise auf Rekordniveau

Die Auswirkungen auf den Markt sind deutlich spürbar: Bei einer Auktion in Kyoto im Mai wurden pro Kilogramm Tencha 8.235 Yen erzielt – ein Anstieg von 170 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit wurde der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2016 deutlich übertroffen, wie die Global Japanese Tea Association mitteilt.

Auch Japans Tee-Exporte legen weiter zu: 2024 stiegen sie wertmäßig um 25 Prozent auf 36,4 Milliarden Yen, während die exportierte Menge um 16 Prozent zunahm.

Engpass bleibt wohl bestehen

Zwar ist die gesamte Tencha-Produktion im letzten Jahrzehnt stark gestiegen – zuletzt auf 5.336 Tonnen –, doch kurzfristige Entlastung ist nicht in Sicht. „Ich denke, viele haben auf eine ergiebigere Ernte gehofft, um die Engpässe etwas zu lindern ... aber es sieht nicht so aus, als würde das eintreten“, sagt Marc Falzon, der mit seiner Firma Ooika Co. Tee aus Uji bezieht.

Neue Teefelder helfen nur bedingt: Sie brauchen rund fünf Jahre, bis sie geerntet werden können. Falzon rechnet daher mit weiteren Preisanstiegen.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten