Drei Tage nach Gefangennahme und Entmachtung von Staatschef Nicolás Maduro in Venezuela durch US-Elitetruppen hat Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez jegliche ausländische Kontrolle über ihr Land verneint.
"Die Regierung Venezuelas regiert unser Land, niemand sonst, es gibt keinen ausländischen Akteur, der Venezuela regiert", sagte Rodríguez am Dienstag in einer TV-Ansprache. US-Präsident Donald Trump hatte nach dem Einsatz gesagt, Washington habe die Kontrolle übernommen.
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Rodríguez äußerte sich in scharfen Worten über den US-Einsatz. "Nach dem schrecklichen Angriff der Regierung der Vereinigten Staaten auf Venezuela bleibt das venezolanische Volk standhaft und mobilisiert, um unser Vaterland zu verteidigen", sagte Rodríguez und ergänzte: "Dies ist ein Volk, das nicht aufgibt, wir sind ein Volk, das sich nicht ergibt." Die bei dem Einsatz getöteten kubanischen und venezolanischen Sicherheitskräfte bezeichnete Rodríguez als "Märtyrer".
Das US-Militär hatte den linken Autokraten Maduro und dessen Frau am Samstag in Caracas gefangen genommen und in die USA gebracht. Er wird beschuldigt, sich mit von Washington als "terroristisch" eingestuften Guerillagruppen sowie mit Drogenkartellen verbündet zu haben, um "Tonnen von Kokain in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln". Venezuela hat riesige Ölfelder und -lagerstätten.
US-Druck auf Innenminister
Die US-Regierung setzt einem Bericht zufolge nun Venezuelas Innenminister Diosdado Cabello unter Druck, um eine geordnete Übergangsphase zu erzwingen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag von drei mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfuhr, haben die USA Cabello über Mittelsmänner gewarnt, dass er ganz oben auf einer Liste mit Personen stehe, denen Konsequenzen drohen, sollten sie die Zusammenarbeit verweigern. Ihm stehe in diesem Fall ein ähnliches Schicksal wie Maduro bevor, hieß es.
Hintergrund ist die US-Strategie, sich für eine Übergangsphase auf Schlüsselfiguren aus Maduros Machtapparat zu stützen, darunter Cabello und Verteidigungsminister Vladimir Padrino. Die Regierung in Washington bezweifelt einem Insider zufolge, dass die Opposition um die Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado in der Lage wäre, den Frieden im Land zu sichern. Stattdessen folge man einer Einschätzung des Geheimdienstes CIA, wonach Maduros engste Vertraute am besten geeignet seien, das Land vorübergehend zu führen und ein Chaos zu verhindern.
Druckmittel dienen den USA dem Bericht zufolge nicht nur Drohungen. Washington habe auch angelegtes Vermögen von Interimspräsidentin Rodriguez in Katar identifiziert und könne dieses beschlagnahmen. Zu den Forderungen der USA gehören die Öffnung der Ölindustrie für US-Firmen, ein Vorgehen gegen den Drogenhandel sowie die Beendigung der Zusammenarbeit mit Kuba und dem Iran.
"Feige Hand des Imperiums"
Die Regierung unter Rodríguez ordnete unterdessen eine einwöchige Staatstrauer für die Opfer der US-Attacke an. "Ich habe beschlossen, zu Ehren und zum Gedenken an die jungen Frauen und Männer, die ihr Leben für die Verteidigung Venezuelas geopfert haben, sieben Tage der Staatstrauer anzuordnen", sagte sie im staatlichen Fernsehen.
Bei dem US-Militärschlag wurden mindestens 24 venezolanische Soldaten getötet. "In Gedenken: 24 Sterne wurden von der feigen Hand des Imperiums aus unserem bolivarischen Firmament gerissen", hieß es in einer Mitteilung der venezolanischen Streitkräfte. Dazu wurden Fotos der getöteten Männer und Frauen veröffentlicht. In Gedenken an den südamerikanischen Freiheitskämpfer Simón Bolívar bezeichnet sich das venezolanische Militär selbst als Bolivarische Armee.
Zuvor hatte die Regierung in Havanna bereits mitgeteilt, dass bei der Kommandoaktion des US-Militärs 32 kubanische Sicherheitskräfte getötet wurden. Soldaten und Geheimdienstagenten aus dem verbündeten Kuba sind nach Einschätzung von Experten seit Jahren in Venezuela im Einsatz. Sie waren als Leibwächter für die Sicherheit Maduros verantwortlich oder sorgten in den Reihen der Streitkräfte für Disziplin.
China kritisierte die Festsetzung, Außerlandesbringung und Entmachtung Maduros durch die USA erneut scharf. Die Regierung in Washington führe sich wie ein Weltrichter auf, sagte der chinesische Außenminister Wang Yi. Nur Stunden vor seiner Festnahme hatte Maduro einen chinesischen Sondergesandten getroffen. Die jüngsten Entwicklungen um Venezuela verschärfen den Konflikt der beiden Mächte USA und China um Einfluss in Lateinamerika. Die US-Regierung strebt eine von feindlichen, ausländischen Eingriffen freie Region an, während China sich als Entwicklungspartner positioniert. Peking kündigte an, die Rechtmäßigkeit des Vorgehens der USA gegen Maduro bei den Vereinten Nationen zur Sprache zu bringen.