Nach neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump hat Irans Außenminister Abbas Araqchi den USA mit einem Gegenangriff gedroht und zugleich für eine Verhandlungslösung geworben.
Wie der Vermittler Oman am Sonntag bestätigte, soll am Donnerstag in Genf eine neue Runde indirekter Gespräche über das iranische Atomprogramm stattfinden. Im Iran gab es unterdessen den zweiten Tag in Folge kleinere Proteste an Universitäten.
"Wenn die USA uns angreifen, dann haben wir jedes Recht, uns zu verteidigen", sagte Araqchi am Sonntag im US-Sender CBS News. Er sehe aber "gute Chancen", den Konflikt über das iranische Atomprogramm auf diplomatischem Wege zu lösen. "Wir setzen unsere Verhandlungen fort, arbeiten an den Elementen eines Abkommens und an einer ersten Textversion", sagte der iranische Chefdiplomat in dem Interview. Wenn diese Arbeit fortgesetzt werde, sei auch ein "schneller Deal" möglich.
Oman bestätigt für Donnerstag geplante Gespräche
Omans Außenminister Badr Albusaidi erklärte, die Gespräche würden am Donnerstag in Genf "mit einem positiven Schub wieder aufgenommen, um noch einen Schritt weiter zu gehen für den Abschluss eines Deals".
Die USA und der Iran hatten Anfang Februar unter Vermittlung des Oman Verhandlungen über das iranische Atomprogramm wieder aufgenommen. Es waren die ersten Gespräche seit dem Zwölf-Tage-Krieg zwischen Israel und dem Iran im Juni vergangenen Jahren, bei dem die USA an der Seite Israels eingriffen und mehrere iranische Atomanlagen bombardierten.
Zugleich weiteten die USA ihre Militärpräsenz in der Golfregion massiv aus. US-Präsident Donald Trump erwägt nach eigenen Angaben einen "begrenzten Militärangriff" auf den Iran, falls es im Atomstreit zwischen Teheran und Washington zu keiner Einigung kommen sollte. Vor wenigen Tagen hatte Trump dem Iran zudem eine Frist bis Anfang März gesetzt.
Nach den Worten seines Sondergesandten Steve Witkoff wundert sich Trump darüber, dass der Iran trotz des verstärkten US-Militäraufgebots in der Region und fortgesetzter Drohungen nicht "kapituliert". Der Präsident sei "neugierig" auf die Haltung der iranischen Regierung, nachdem er dem Land im Fall einer ausbleibenden Einigung über das iranische Atomprogramm mit ernsten Konsequenzen gedroht hatte, sagte Witkoff am Samstag in einem Interview mit Trumps Schwiegertochter Lara Trump im Sender Fox News.
"Volles Recht" für Atomnutzung
Die USA und andere westliche Länder werfen dem Iran vor, nach Atomwaffen zu streben. Teheran weist dies zurück und beharrt auf seinem Recht auf die zivile Nutzung der Atomenergie. Araqchi bekräftigte am Sonntag, als souveränes Land habe der Iran "das volle Recht", über die Anreicherung von Uran für zivile Zwecke zu entscheiden.
Dem Iran geht es bei den Verhandlungen vor allem um die Aussetzung von Sanktionen, die die iranische Wirtschaft massiv geschwächt haben. Die Wirtschaftskrise hatte Ende Dezember auch zu Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten im Iran geführt, die sich aber rasch zu einer landesweiten Protestwelle gegen die Regierung ausweiteten. Teheran ließ die Proteste blutig niedergeschlagen, tausende Menschen wurden getötet.
Am Sonntag gab es im Iran erneut Versammlungen zum Gedenken an die Getöteten der Proteste. Wie iranische und Exil-Medien berichteten, gab es an mehreren Teheraner Universitäten Kundgebungen für und gegen die Regierung. Einige Studierende schwenkten die alte iranische Flagge, die nach der Islamischen Revolution 1979 und dem Sturz des Schahs abgeschafft wurde, andere riefen in Sprechchören "Tod dem Schah".