Piloten_Brasilien

Flugzeug-Crash

Piloten dementieren Vorwürfe

Nach dem Flugzeug-Unfall wurden die zwei Piloten des Business-Jets festgenommen und wegen Verdacht auf fahrlässige Tötung angeklagt. Sie dementieren die Vorwürfe.

Fünf Tage nach dem Absturz eines Passagier-Flugzeugs mit 154 Toten haben die brasilianischen Behörden die zwei Piloten des mit der Boeing 737 kollidierten Business-Jets festgenommen. Ein Richter im Bundesstaat Mato Grosso ordnete am Mittwoch (Ortszeit) die Beschlagnahmung der Pässe der Piloten an. Beide sollten von der Polizei in Rio de Janeiro vernommen werden.

US-Piloten weisen Vorwürfe zurück
Die Piloten des beteiligten Privatjets Vorwürfe zurückgewiesen, sie hätten einen wichtigen Sender in ihrer Maschine abgestellt. Sie seien davon überzeugt, dass der Transponder noch kurz vor dem Unfall funktioniert habe, erklärten die beiden US-Amerikaner nach Angaben der Behörden vom Donnerstag in den Vernehmungen. Das Anti-Kollisionssystem des Flugzeuges funktioniert nur, wenn der Sender korrekt arbeitet. Beide Jets, die Boeing 737-800 und der Business-Jet Embraer-Legacy, waren mit solchen modernen Systemen ausgestattet.

Anzeige wegen fahrlässiger Tötung möglich
Die Ermittler wollen herausfinden, warum das Anti-Kollisions-Warnsystem des Jets und warum das Funkgerät des Geschäftsfliegers kurz nach dem Notruf der Piloten versagte. Unklar ist auch, warum das Flugzeug auf derselben Höhe wie die Boeing flog. Sollte den Piloten fehlerhaftes Verhalten nachgewiesen werden, droht ihnen nach Polizeiangaben eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung.

Die Insassen des Geschäftsflugzeuges überlebten
Die Boeing war am Freitag nach dem Zusammenprall mit dem kleineren Jet im Amazonasgebiet von Mato Grosso in den Urwald gestürzt. Alle Insassen der Boeing kamen ums Leben; 50 Leichen wurden mittlerweile geborgen. Die sieben Insassen des Geschäftsflugzeugs überlebten. Weitere Aufschlüsse über den Unglückshergang erhoffen sich die Ermittler von der Analyse der Flugschreiber beider Maschinen. Nach Angaben der Nationalen Agentur für die zivile Luftfahrt (ANAC) suchten die Bergungstrupps im Wrack der Boeing jedoch noch nach dem Speicher für die Sprachaufzeichnungen, einem wichtigen Teil des Flugschreibers.

Fehlende Absprachen der Flugkontrolle
Nach den Berichten stieß die Unglücksmaschine Boeing 737-800 mit dem kleineren Flugzeug zusammen, weil die Maschinen über dem Bundesland Para in einer so genannten Grenzregion flogen, die sich zwei Kontrolltürme teilten. Diese hätten sich über die beiden Flüge nicht abgestimmt.

Der Kontrollturm in Manaus habe der Boeing eine Flughöhensteigerung von 35.000 auf 39.000 Fuß gestattet, während die Kontrollbehörde in Brasilia der entgegenkommenden Embraer Legacy die Beibehaltung der Flughöhe von 37.000 Fuß empfohlen habe. Deshalb seien die Maschinen frontal zusammengestoßen.

Ein Richter hatte am erst Montag die Konfiszierung der Reisepässe des Piloten und auch des ebenfalls aus den USA stammenden Kopiloten angeordnet. Der Bericht wurde allerdings vorerst offiziell weder bestätigt noch dementiert.

Über Regenwald abgestürzt
Die Passagiermaschine der brasilianischen Gesellschaft Gol war am Freitag nach dem Zusammenstoß mit der Embraer Legacy in 11.000 Metern Höhe nahe eines Indio-Schutzgebiets im Bundesstaat Mato Grosso abgestürzt. Bei den Bergungsarbeiten entdeckten Soldaten im abgebrochenen hinteren Rumpfstück des Flugzeugs am Montagabend (Ortszeit) rund 100 Leichen, berichteten brasilianische Medien.

Journalist des Privatjets erzählt
Zu den sieben Passagieren des zweimotorigen Privatjets, der mit einer Boeing der brasilianischen Gesellschaft Gol kollidierte und noch notlanden konnte, zählte der " New York Times"-Journalist Joe Sharkey. Sharkey schildert im Internet die Momente nach der Kollision in 11.000 Metern Höhe: "Ohne Vorwarnung fühlte ich ein unglaubliches Rütteln und hörte einen lauten Knall, gefolgt von einer unheimlichen Stille. Und dann drei Worte, die ich nie vergessen werde: "Wir wurden getroffen." (...)

Die schrecklichste halbe Stunde seines Lebens
So begannen die furchtbarsten 30 Minuten meines Lebens. (...) Erstaunlicherweise geriet niemand in Panik. Die Piloten blieben ruhig und suchten in ihren Anzeigen und Karten nach einem nahe gelegenen Flughafen und durch Blicke aus dem Fenster nach einem Platz zum Landen. Als die Minuten vergingen, verlor das Flugzeug immer weiter an Geschwindigkeit. Jetzt war uns allen klar, wie schlimm es war. Ich überlegte wie sehr Notlanden - ein optimistischer Ausdruck für Abstürzen - wohl wehtun würde.

Viele schrieben SMS an ihre Familien
Ich dachte an meine Familie. Es machte keinen Sinn, mein Handy zu suchen - es gab keinen Empfang. (...) Manche haben Nachrichten an Partner und Freunde geschrieben und in ihre Geldbörsen getan, in der Hoffnung, dass sie später gefunden werden."

Er wusste nicht, womit sie zusammenstießen
Sharkey beschreibt, wie die Passagiere des Privatjets lange Zeit nicht wussten, was ihr Flugzeug beschädigt hatte. Schließlich hätten sie erfahren, dass eine Boing vermisst wurde. "Wir senkten unsere Köpfe für einen langen Moment des Schweigens." Es sei aber das Geräusch von unterdrückten Tränen zu hören gewesen.

Die Boing konnte nicht mehr notlanden
Warum die kleine Maschine nahezu problemlos landen konnte, während das große Flugzeug abstürzte, ist derzeit Inhalt heftiger Spekulationen. Der Flügel der kleinen Maschine habe wahrscheinlich die Boeing wie ein Messer aufgeschlitzt oder aber wichtige Teile zerstört, lautet die häufigste Erklärung der Experten.

Flugzeug war erst 200 Stunden in der Luft
Gol ist eine Billigflug-Linie, die 2001 gegründet wurde. Nach Angaben der Gesellschaft war das Unglücksflugzeug vom Hersteller erst am 12. September geliefert worden und bis zum Unfall nur rund 200 Stunden in der Luft gewesen.



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