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Islam-Konflikt

Polizeischutz für "Idomeneo"

Die Mozart-Oper war aus Furcht vor islamistischer Gewalt abgesetzt worden. Am Montagabend ist sie in Berlin unter starkem Polizeischutz aufgeführt worden.

Kontrollen wie auf einem Flughafen, Leibwächter in Zivil und Uniformierte in Grün: Bei der Wiederaufführung von Mozarts Oper "Idomeneo" wurden an der Berliner Deutschen Oper am Montagabend die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Das Stück stand unter dem Schutz von mehr als 100 Polizisten. Doch die Befürchtung, Proteste oder gar Gewalt würden die umstrittene Inszenierung stören, lief ins Leere. Nur vereinzelt hallten "Buh"-Rufe durch das mit 1600 Zuschauern nicht ganz ausverkaufte Opernhaus.

"Buh"-Rufe und Applaus
Bei der Schlussszene, in der die abgeschlagenen und Blut triefenden Köpfe der Religionsstifter Jesus, Buddha und Mohammed sowie des griechischen Gottes Poseidon präsentiert werden, riefen nur einige vereinzelte Zuschauer "Aufhören". Zum Abschluss gab es langen Applaus. Die Intendantin der Oper, Kirsten Harms, zeigte sich erfreut: "Heute Abend hatte die Kunst wieder das Wort".

Zur Rückkehr der drei Jahre alten Produktion von Regisseur Hans Neuenfels auf den Spielplan der Deutschen Oper waren zahlreiche deutsche Politiker und Vertreter muslimischer Verbände gekommen. Unter den Gästen waren unter anderem Bundestagspräsident Norbert Lammert und der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU), sowie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Rund 250 Journalisten aus aller Welt hatten sich für die Aufführung im größten Opernhaus Berlins angesagt.

"Das war eine politische Demonstration für die Kunstfreiheit", sagte Wowereit nach dem Schlussvorhang. Als Zuschauer könne man über die Aufführung allerdings geteilter Meinung sein. Schäuble sagte, als Verfassungsminister sei er für das Recht, "die Oper so oder so aufzuführen - das gehört zur Kunstfreiheit". Jedem stehe es frei, sich die Inszenierung anzuschauen. Als Minister wolle er sich zu künstlerischen Fragen nicht äußern.

Muslime geteilter Meinung
Zahlreiche muslimische Persönlichkeiten hatten ihre Teilnahme abgesagt, unter anderem mit der Begründung, dass sie sich nicht politisch instrumentalisieren lassen wollten. Schäuble wies den Vorwurf der politischen Instrumentalisierung zurück, den der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, geäußert hatte. "Ich respektiere, wenn jemand nicht kommt", sagte der Innenminister der Nachrichtenagentur AFP. Doch seien zwei Drittel der Teilnehmer der Islam-Konferenz an diesem Abend in der Deutschen Oper erschienen.

Der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, sagte, er bedaure es sehr, dass andere Vertreter muslimischer Verbände nicht gekommen seien. "Denn heute Abend gibt es die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen, auch wenn es schmerzhaft ist - das Zeichen, dass Kunst frei sein muss." Auch Vertreter der alevitischen Gemeinde und aus der Türkei stammende Berliner Abgeordnete waren am Abend anwesend. Vertreter aus beiden großen christlichen Kirchen zeigten Verständnis für die Ablehnung einiger Muslime. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Joachim Meyer, sprach von einem "religionsfeindlichen Spektakel".

Umfangreiche Sicherheits-Vorkehrungen
"Noch nie haben wir eine Opernveranstaltung derart abgesichert", sagte Polizeisprecher Bernhard Schodrowski. Mit halbstündiger Verspätung, aber ohne größere Zwischenfälle hatten sich um 20.00 Uhr die Türen geschlossen. Vor dem Opernhaus patrouillieren Polizisten, über dem Eingang spannte sich ein Transparent mit der Aufschrift "Wir bitten um Verständnis für die Kontrollen." Im Foyer mussten die Gäste Metalldetektoren passieren und Taschenkontrollen über sich ergehen lassen, vor dem Haus demonstrierten nur einige wenige christliche Fundamentalisten.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hatte im September Intendantin Harms zu der Absetzung des Stücks geraten. Eine konkrete Gefahr bestand damals nicht. Die Absetzung hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt und war bei Künstlern und Politikern bis hin zur deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf heftige Kritik gestoßen. Eine weitere Aufführung ist für den 29. Dezember vorgesehen.

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