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Verhungerter Säugling entdeckt

In Thüringen ist ein Baby entdeckt worden, das offenbar verhungert ist. Die erst 20-jährige Mutter wurde verhaftet.

Wieder ist in Deutschland ein von seiner Familie vernachlässigtes kleines Kind qualvoll gestorben: Neun Wochen nach dem Fall Kevin in Bremen verdurstete im thüringischen Sömmerda der knapp zehn Monate alte Säugling Leon Sebastian. Wie Polizei und Justiz mitteilten, hatte ihn die Mutter zusammen mit seiner zweijährigen Schwester seit Tagen allein in der Wohnung zurückgelassen. Gegen die 20-Jährige wurde am Freitag Haftbefehl erlassen.

Wie die Erfurter Oberstaatsanwältin Anette Schmitt vor Journalisten mitteilte, hatte die Polizei am Donnerstagnachmittag auf Drängen des Jugendamtes die Wohnung der Mutter aufgebrochen. Dort fand sie die Leiche des stark dehydrierten Babys in seinem Gitterbett. Die zwei Jahre alte Schwester Lena Isabell zeigte den Angaben zufolge ebenfalls Spuren von mangelnder Flüssigkeitsaufnahme. Das Mädchen wurde in eine Klinik gebracht, schwebt aber nicht in Lebensgefahr.

Verdacht auf Totschlag
Die Kinder waren nach Aussage der Mutter seit Sonntag allein in der unbeleuchteten Wohnung, für die seit Anfang November der Strom abgeschaltet worden war. Sie waren nicht unterernährt, Todesursache bei dem Buben sei eindeutig der Flüssigkeitsentzug gewesen. Der Haftbefehl gegen die Mutter, die Freitag am frühen Abend bei einer Freundin festgenommen worden war, wurde mit Verdacht auf Totschlag begründet. Gegen den 25-jährigen, getrennt lebenden Vater bestehe dagegen kein Tatverdacht. Der Arbeitslose befinde sich nach der Vernehmung wieder auf freiem Fuß.

Leon Sebastian sei vermutlich am Sonntag oder Montag gestorben, Klarheit müssten die Ergebnisse einer Obduktion bringen, sagte die Staatsanwältin. Bei der Vernehmung habe die Mutter angegeben, am Sonntag zum letzten Mal in ihrer Wohnung gewesen zu sein. Sie sei überfordert gewesen, habe die arbeitslose Frau geäußert.



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