Forscher jubeln

Weltneuheit: Jetzt kommen Brust-Implantate zum Einspritzen

Künstliche Brustimplantate stehen seit Jahren – auch nach kriminellen Machenschaften – wegen ihrer Langzeitsicherheit in Diskussion. 

Ein neues Prinzip haben jetzt taiwanesische Wissenschafter entwickelt und im Tiermodell erprobt: Aus natürlicher Haut gewonnenes, nicht immunogenes Stützgewebe, das ohne chirurgischen Eingriff einfach injiziert werden kann.

Chan-Yeong Heo von der Universität Seoul und seine Co-Autoren haben ihre Entwicklung zur Brustrekonstruktion - vor allem nach Mammakarzinom-Operationen gedacht – in der Zeitschrift der American Chemical Society (ACS/Applied Bio Materials) – veröffentlicht (DOI: 10.1021/acsabm.5c01538).

"Die Behandlung eines Mammakarzinoms bedingt für manche Patientinnen weiterhin eine teilweise oder vollständige Entfernung der Brust. Rekonstruktive Eingriffe umfassen häufig Implantate oder die Transplantation von Gewebe aus anderen Körperregionen", hieß es dazu in einer Aussendung der amerikanischen Chemiker-Gesellschaft.

Paste aus Hautzellen gewonnen

Die taiwanesischen Wissenschafter hätten als mögliche und für die weitere Entwicklung geeignete Alternative eine injizierbare Paste aus menschlichen Hautzellen entwickelt, die helfen könnte, das Brustvolumen nach der Tumorentfernung wiederherzustellen – mit weniger Narbenbildung und kürzerer Heilungszeit als bisherige Behandlungsmethoden.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die organerhaltende Mammachirurgie bei Brustkrebs immer mehr etabliert. Gleichzeitig kommen rekonstruktive Techniken inklusive von künstlichen Implantaten zum Einsatz. Das erfordert aber zumeist einen zweiten chirurgischen Eingriff. Auch Narbenbildung kann die Folge sein.

Stützgewebe – Zellen sollen einwandern

Seit einigen Jahren wird sogenannte azelluläre dermale Matrix (ADM) – Stützgewebe, das durch chemische Mittel von immunologisch wirksamen Zellen befreit worden ist – bereits in der plastischen Chirurgie eingesetzt. In dieses Stützgewebe sollen körpereigene Zellen schließlich einwandern und die Gewebedefekte auffüllen.

"Mit azellulärer dermaler Matrix – Haut, deren äußerste Schicht entfernt wurde - entsteht ein Material mit wichtigen Bestandteilen für die Wundheilung, darunter Kollagen, Elastin und Wachstumsfaktoren. Derzeit ist ADM hauptsächlich als Folie für Sehnenreparaturen oder in der plastischen Chirurgie erhältlich", hieß es in der Aussendung des wissenschaftlichen Journals.

Die Forscher entnahmen einer weiblichen Probandin eine Hautprobe und verarbeiteten diese in mehreren Schritten, darunter Dezellularisierung, Einfrieren und Pulverisieren, um kleine ADM-Partikel zu gewinnen. Anschließend wurden sie mit Wasser zu einer dicken Paste vermischt. Das Team injizierte Ratten kleine Mengen dieser Paste, um ihre Biokompatibilität zu testen und sie mit zwei handelsüblichen ADM-Produkten zu vergleichen. Nach sechs Monaten zeigten die Ratten keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen.

Speziell bildeten sich bei den mit der neuen ADM-Paste behandelten Tieren dünnere Gewebeschichten um das injizierte Material als bei den mit bisher bereits vorhandenen Produkten für die plastische Chirurgie. Dünnere Gewebeschichten seien bei Brustimplantaten von Vorteil, da sie das Risiko von Komplikationen wie Infektionen oder Hämatomen verringerten. Nach der Injektion von "SC Fill" als Paste seien die Entzündungsreaktionen gering gewesen. Eine Abstoßung des Materials gab es nicht, weil ja bei der Herstellung die immunologisch wirksamen Zellbestandteile entfernt worden waren.

Bei künstlichen Implantaten kommt es zur Ausbildung einer Narbenkapsel, welche das Implantat umgibt. Das fällt offenbar mit der ADM-Paste weg. An den Versuchstieren wurde beobachtet, dass sich dort, wo die Injektion stattgefunden hatte, durchblutetes Bindegewebe nachbildete. Das taiwanesische Wissenschaftlerteam will jetzt mit längeren und größeren Sicherheitsuntersuchungen

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