In Pakistan sind Zehntausende Menschen in den vergangenen Wochen aus einer abgelegenen Bergregion vor einem angeblich drohenden Einsatz der Armee gegen Islamisten geflohen.
Bewohner berichteten, dass über Lautsprecher in Moscheen Warnungen vor einer möglichen Offensive verbreitet worden seien. Die Familien seien aufgefordert worden, das Tirah-Tal in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan zu verlassen.
Die Regierung in Islamabad bestritt jedoch derartige Pläne. Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif bezeichnete die Flucht als übliche saisonale Migration aufgrund des harten Winters.
Tirah-Tal gilt seit Langem als Rückzugsort für Taliban
Dem widersprachen jedoch die Betroffenen sowie ein Vertreter des Militärs. "Niemand ist wegen der Kälte gegangen", sagte der Bewohner Abdur Rahim, der in die Stadt Bara geflohen war. "Es schneit hier jedes Jahr. Wir haben unser ganzes Leben dort verbracht. Die Leute sind wegen der Ankündigungen gegangen." Ein mit dem Vorgang vertrauter Militärvertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Umsiedlung folge auf monatelange Beratungen mit Stammesältesten. Zivilisten seien ermutigt worden, das Gebiet vorübergehend zu verlassen, um Risiken durch "gezielte, auf Geheimdienstinformationen basierende Operationen" gegen Extremisten zu minimieren. Eine Großoffensive sei wegen des Winters nicht geplant.
Das Tirah-Tal gilt seit Langem als Rückzugsort der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), die immer wieder Anschläge auf Sicherheitskräfte verüben. Die TTP kämpfen für eine islamistisch-fundamentalistische Gesellschaftsordnung und sind unabhängig von den Taliban in Afghanistan. Allerdings wirft die pakistanische Regierung den Taliban in Afghanistan vor, ihren Glaubensbrüdern sichere Zufluchtsorte in Grenznähe zu gewähren. Die Taliban-Regierung in Kabul bestreitet das. Die wachsenden Spannungen zwischen beiden Staaten gipfelten vergangenen Oktober in schweren Gefechten entlang der 2600 Kilometer langen gemeinsamen Grenze, bei denen Dutzende Menschen getötet wurden.
Scharfe Kritik der Regionalregierung
Die Flucht aus dem Tirah-Tal und der Umgebung gestaltet sich für die Menschen schwierig. Trotz starken Schneefalls und eisiger Temperaturen machten sich Tausende auf den Weg in nahe gelegene Städte. Der Geschäftsbesitzer Gul Afridi schilderte eine gefährliche, fast einwöchige Flucht, während der die Nahrungsmittel knapp wurden. "Hier habe ich kein Zuhause, keine Unterstützung für mein Geschäft", sagte er in einer Schule in Bara, wo sich Vertriebene registrieren ließen. Der Regierungschef der Provinz Khyber Pakhtunkhwa, Sohail Afridi, kritisierte das Vorgehen der Zentralregierung scharf. Seine Regierung sei nicht konsultiert worden.