Eine Woche nach Kriegsbeginn sind im Iran durch israelische Angriffe Aktivisten zufolge mehr als 650 Menschen getötet worden.
Nach Angaben des in den USA ansässigen Menschenrechtsnetzwerks HRANA kamen bei den Angriffen 657 Menschen ums Leben, 2.037 wurden verletzt. Die Aktivisten stützen sich bei ihrer Arbeit auf ein dichtes Netz von Informanten und öffentlich zugängliche Quellen. Die Regierung selbst veröffentlicht keine täglichen Zahlen zu Verletzten und Todesopfern.
Den Aktivisten zufolge zählen zu den Todesopfern mindestens 263 Zivilisten und 164 Militärangehörige. 230 weitere Tote sowie rund 1.500 Verletzte wurden bisher nicht näher identifiziert. HRANA berichtete zudem von Angriffen auf zivile Infrastruktur. In der Hauptstadt Teheran sei ein Kinderkrankenhaus von einem Projektil getroffen worden - ohne Verletzte. In der Provinz Ilam wurde ein Feuerwehrgebäude beschädigt. Bei einem israelischen Angriff auf eine Autofabrik im Westen des Landes kam es zu einem Großbrand mit Opfern.
Luftkrieg geht weiter
Auch am Freitag ging das Töten weiter: Bei einem iranischen Raketenangriff auf Israel in der Früh wurde dem israelischen Militär zufolge die Stadt Beersheba im Süden des Landes getroffen. Mindestens ein Geschoss sei in der Nähe von Wohnhäusern, Bürogebäuden und Industrieanlagen eingeschlagen, teilte die Armee mit. Bei mindestens einem Wohnkomplex sei die Fassade abgerissen worden. Sanitätern zufolge wurden mindestens sechs Menschen leicht verletzt. Es werde noch nach weiteren Verletzten gesucht.
Der israelische Sender Kan zeigte Aufnahmen von brennenden Autos, dicken Rauchschwaden und zerbrochenen Fenstern an Wohngebäuden. CNN berichtete von Bränden in der Nähe von Bürogebäuden, in denen auch eine Vertretung von Microsoft untergebracht ist. Beersheba war in den vergangenen Tagen bereits wiederholt zum Ziel iranischer Angriffe geworden.
Erneut heulten am Freitag im Süden Israels die Warnsirenen, die Luftabwehr war in der Früh in Betrieb. Kurz darauf teilte die Armee mit, dass die Bevölkerung die Schutzräume wieder verlassen könne. Die Such- und Rettungskräfte seien an einem Ort im Einsatz, wo ein Geschoss niedergegangen sein soll. Kurz zuvor waren laut dem Militär mehrere Drohnen aus dem Iran abgefangen worden.
Dutzende Ziele in Iran angegriffen
Die israelische Luftwaffe hat unterdessen nach eigenen Angaben erneut Dutzende Ziele im Iran angegriffen. Mehr als 60 Kampfflugzeuge hätten in der Nacht unter anderem militärische Anlagen zur Herstellung von Raketen sowie das Hauptquartier einer Forschungseinrichtung des iranischen "Atomwaffenprojekts" attackiert, teilte die Armee am Morgen mit.
Im Raum der Hauptstadt Teheran seien mehrere Industrieanlagen zur Raketenproduktion getroffen worden, hieß es. Das Gebiet habe als ein zentrales Industriezentrum des iranischen Verteidigungsministeriums gedient. Zudem sei eine Anlage zur Herstellung einer wichtigen Komponente für das iranische Atomwaffenprogramm ins Visier genommen worden. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Auch mehrere Raketensysteme wurden angeblich zerstört. Die Anlagen in den Gebieten von Teheran und Isfahan seien auf Flugzeuge der israelischen Luftwaffe gerichtet gewesen und hätten deren Betrieb stören sollen, teilte das Militär mit. Mit den Angriffen plane die Luftwaffe, ihre Handlungsfreiheit im iranischen Luftraum auszuweiten. "Kampfjets und andere Flugzeuge der israelischen Luftwaffe operieren weiterhin ungehindert im iranischen Luftraum und greifen militärische Ziele des iranischen Regimes im West- und Zentraliran an", hieß es vom Militär weiter. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte zuletzt von einer "vollen Luftüberlegenheit im Himmel über Teheran" der Luftwaffe gesprochen.
Netanyahus Verteidigungsminister Israel Katz ordnete am Freitag nach eigenen Angaben neue, verstärkte Angriffe auf Teheran an. Dabei sollten symbolträchtige Ziele der iranischen Führung ins Visier genommen werden, erklärte Katz. Er sprach von "Mechanismen zur Unterdrückung der Bevölkerung" und nannte als Beispiel die radikale Bassij-Miliz. Auch solle die iranische Führung destabilisiert werden, indem ihre Machtbasis angegriffen werde. Hier erwähnte Katz die Elite-Einheit der Revolutionsgarden, der zweiten Säule der Streitkräfte der Islamischen Republik.
Israel will Entwicklung von Atomwaffen verhindern
Der Krieg zwischen den beiden Erzfeinden geht in die zweite Woche. Seit vergangenen Freitag attackieren die israelischen Streitkräfte immer wieder Ziele in der Islamischen Republik, während die iranischen Streitkräfte ihrerseits Raketen und Drohnen auf den jüdischen Staat abfeuern.
Erklärtes Kriegsziel der Atommacht Israel ist es, den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern und gegen sein Raketenarsenal vorzugehen. Die Führung in Teheran hingegen dementiert seit Jahren, den Bau von Kernwaffen anzustreben - und pocht auf das Recht, Atomkraft für friedliche Zwecke zu nutzen.