Der linksgerichtete Spitzendiplomat Danilo Türk konnte am Sonntag die Präsidentschaftswahl in Slowenien für sich entscheiden.
Der Linkskandidat und frühere UN-Beamte Danilo Türk wird neuer Präsident Sloweniens. Wie die Wahlbehörde in Laibach (Ljubljana) nach Auszählung fast aller Stimmen in der Nacht auf Montag mitteilte, stimmten bei der Stichwahl am Sonntag 68,26 Prozent der Wähler für den 55-Jährigen. Sein Konservativer Mitbewerber Lojze Peterle erhielt demnach 31,74 Prozent. Peterle, der für die Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Janez Jansa ins Rennen gegangen war und den ersten Wahlgang noch gewonnen hatte, räumte seine Niederlage ein. Türk wird das Präsidentamt in der kleinen Alpenrepublik, die im Jänner die EU-Präsidentschaft übernimmt, am 23. Dezember antreten.
Türk will keinen Dauerkonflikt
"Es ist ein Festtag der
Demokratie", sagte Türk. Zugleich wies er Befürchtungen eines drohenden
Dauerkonflikts mit der Mitte-Rechts-Regierung zurück. "Ich will
ein Präsident sein, der verschiedene politische Lager verbindet",
kündigte er an.
Schwere Niederlage für Regierungschef Jansa
Der klare Sieg
des von den oppositionellen Sozialdemokraten gestützten Türk sei eine
schwere Niederlage des Regierungschefs Jansa, hieß es in ersten Kommentaren.
Die Bevölkerung hatte seiner Regierung die Teuerungswelle nach Einführung
des Euros und die hohe Inflationsrate von 5,1 Prozent angelastet. Peterle
hatte entgegen früheren Erwartungen seine historische Rolle als erster
Ministerpräsident des unabhängigen Sloweniens Anfang der 90er Jahre nicht
nutzen können.
Amtsinhaber Drnovsek verzichtete auf Kandidatur
Der bisherige
Amtsinhaber Janez Drnovsek hatte wegen einer schweren Krebserkrankung auf
eine erneute Kandidatur verzichtet. Drnovsek und sein Vorgänger Milan Kucan
(1992-2002) kamen wie auch der neue Präsident aus dem linken politischen
Lager. Das Staatsoberhaupt in Slowenien hat rein repräsentative Aufgaben.

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Reaktionen des geschlagenen Kandidaten Peterle
Der geschlagene
Kandidat Lojze Peterle gab der unpopulären Mitte-Rechts-Regierung von
Premier Janez Jansa die Schuld an seiner Niederlage. "Ich bin in einem
herausfordernden politisch-wirtschaftlichen Umfeld angetreten, das mir nicht
gewogen war", sagte Peterle in einer ersten Reaktion. Er wies darauf
hin, dass er "einige Zeit lang" als Favorit gegolten habe, seine
Umfragewerte seien aber dann gesunken, weil man ihn auf die Regierungsseite
gestellt habe. "Ich glaube, dass das ein Votum gegen die Regierung ist",
kommentierte Peterle den Sieg seines Kontrahenten. Die Koalitionsparteien
müssten intensiv über den Wahlausgang nachdenken, den er nicht als
persönliche Niederlage auffasse, betonte Peterle. "Unter den
gegebenen Umständen ist mehr Resultat gar nicht so schlecht". Türk
habe es viel leichter gehabt, weil ihn die Opposition unterstützt habe und
es in Slowenien eben "viel Unzufriedenheit" mit der
Regierungspolitik und Wirtschaftslage gebe.
Der Wahlsieger
Wahlsieger Danilo Türk wollte seinen
Erdrutschsieg nicht in diesem Sinne deuten. Bei Präsidentenwahlen stehe "das
Ganze" im Vordergrund. "Viele Menschen wollten etwas Neues. Der
Wunsch nach etwas Neuem war sehr stark", sagte Türk unter dem Jubel
seiner Anhänger. Hinter ihm standen die sichtlich zufriedenen Chefs der
linksgerichteten Oppositionsparteien, Borut Pahor (Sozialdemokraten), Gregor
Golobic (Zares) und Katarina Kresal (Liberaldemokraten).
Reaktionen der Anderen
In Vertretung des auf einem China-Besuch
weilenden Ministerpräsidenten Janez Jansa sagte dessen enger Vertrauter,
Schulminister Milan Zver, der Ausgang der Präsidentenwahl werde keine
Auswirkungen auf die kommendes Jahr stattfindenden Parlamentswahlen haben.
Wenn dies so wäre, "hätten sich auch die (von der
Mitte-Rechts-Koalition gewonnenen, Anm.) vorigen Parlamentswahlen positiv
auswirken müssen", sagte Zver. Bis zur Parlamentswahl "werden
noch viele Dinge passieren". Oppositionsführer Pahor deutete den Sieg
Türks als "Botschaft, dass sich die Menschen Veränderungen wünschen".
Für seine in den Umfragen seit Monaten beständig führenden Sozialdemokraten
bedeute dies auch eine Verantwortung, "dass wir diese Erwartungen
erfüllen", rechnet Pahor mit einem Sieg bei der Parlamentswahl im
kommenden Jahr.
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Reaktion von Kucan & Jelincic
Der frühere Präsident Milan
Kucan (1992-2002) sagte, er sei "sehr froh", dass Türk gewonnen
habe, weil er der Präsident sei, den Slowenien brauche. Türk habe
internationale Erfahrungen, sei liberal und habe auch eine ausgeprägte
soziale Ader. "Er kann auch Andersdenkenden zuhören", sagte
der Ex-Präsident. Der scheidende Präsident Janez Drnovsek, der sich in den
vergangenen Monaten aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, äußerte sich
bisher nicht.
"Es wurde nicht für Türk gestimmt, sondern gegen Peterle", sagte der Nationalistenführer Zmago Jelincic, der in der ersten Wahlrunde fast 20 Prozent der Stimmen erreicht habe. Die Menschen hätten sich offenbar gefürchtet, dass unter einem Präsidenten Peterle die katholische Kirche zu viele Privilegien bekommen werde. "Wenn die Wähler die Möglichkeit gehabt hätten, ihre Stimme für keinen Kandidaten abzugeben, hätte diese Kategorie gewonnen", verwies Jelincic auf die entsprechende Regelung bei Wahlen in Russland.
Peterle hatte den ersten Wahlgang der Präsidentenwahl vor drei Wochen mit 28,7 Prozent nur knapp vor Türk mit 24,5 Prozent gewonnen, obwohl die Linke einen fast gleich starken zweiten Kandidaten, Ex-Notenbankgouverneur Mitja Gaspari ins Rennen geschickt hatte.
Haider beschimpft Türk
Der Kärntner Landeshauptmann Jörg
Haider hat den neuen Präsidenten des Nachbarstaats am Montag einen
"gestrigen Kommunisten" genannt. Weiters warnte der Orange davor, den
kommenden EU-Ratsvorsitz Sloweniens für eine Internationalisierung der
Ortstafel-Frage zu missbrauchen. Die Position Türks, dass Slowenien
Rechstnachfolger Jogoslawiens sei, wies Haider als "historisch völligen
Unsinn" zurück.