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Schreckgespenst:

Immer mehr Atommächte

Über 60 Jahre nach der Zündung der ersten Atombombe sitzt die Welt weiter auf dem Pulverfass.

Im Morgengrauen des 16. Juli 1945 begann das Atomwaffen-Zeitalter. Ein gewaltiger Atompilz stieg über dem Gelände Alamogordo in der Wüste im US-Bundesstaat New Mexico auf und signalisierte, dass der erste Nuklearwaffentest gelungen war. US-Chefwissenschaftler Robert Oppenheimer, der "Vater der Atombombe", verfolgte die Zündung aus sicherer Ferne, und ihm ging - wie er danach schilderte - ein Satz aus einer Hindu-Schrift durch den Kopf: "Nun werde ich der Tod, der Zerstörer der Welt." Schon drei Wochen später wurde das wahr: Amerikanische Atombomben brachten im August 1945 Tod und Grauen nach Hiroshima und Nagasaki.

Rüstungswettlauf
Seitdem sind Nuklearwaffen nicht mehr eingesetzt worden, aber sie haben die Welt stark geprägt. Das Wissen um die apokalyptische Wirkung wurde über Jahrzehnte zur Grundlage eines Sicherheitskonzepts, das auf einem "Gleichgewicht des Schreckens" zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion beruhte: der Anhäufung immer modernerer Atomwaffen auf beiden Seiten mit der gegenseitigen Gewissheit, dass ein Angriff unweigerlich die eigene Vernichtung nach sich ziehen würde. Der daraus resultierende Rüstungswettlauf hat Abermilliarden verschlungen - auf Kosten sozialer Programme.

Zumindest einmal stand die Welt am Rande einer neuen nuklearen Katastrophe, eines dritten Weltkriegs mit einem unvorstellbaren nuklearen Inferno: Das war im Oktober/November 1962, als die damalige Sowjetunion in Kuba über 150 Atomraketen stationiert hatte. Das nukleare Wettrüsten ging danach umso stärker weiter: Bis Ende der achtziger Jahre häuften die damaligen Atommächte - USA, Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und China - insgesamt rund 50.000 Atomsprengköpfe an. Seit Ende des Kalten Krieges und einer Serie von Abrüstungsverträgen ist dieser Berg zwar stetig abgebaut worden, aber die Welt sitzt weiter auf einem Pulverfass.

Nicht nur verfügen die einstigen Rivalen Washington und Moskau nach wie vor über ein riesiges Arsenal, genug, um die Welt x-fach zu vernichten. Dazu hat sich der Kreis der Atommächte ausgeweitet. Mit Indien, Pakistan und Israel besitzen drei Länder in instabilen Regionen mit regionalen Konflikten Nuklearwaffen, und atomare Ambitionen des radikal-islamischen Iran stellen den Westen vor große Herausforderungen. Nordkorea hat sich offen zum Atomwaffenbesitz bekannt, Bemühungen um eine Einstellung des Programms Pjöngjangs treten auf der Stelle.

Waffenhandel
Geheimdienstliche Hinweise schließlich, nach denen Al-Kaida-Chef Osama bin Laden mehrfach versucht hat, atomares Material zu erwerben, haben das Schreckgespenst von Nuklearwaffen in Terroristenhand zu einer realen Bedrohung werden lassen. Der internationale Handel des pakistanischen Atomwissenschaftlers Abdul Quadeer Khan hat gezeigt, wie schwer es ist, die Weiterverbreitung von Atomtechnologien zu bremsen.

US-Präsident George W. Bush hat betont, dass so genannte Problemstaaten und Terroristen die "neuen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts" seien. Das Problem: Das Sicherheitskonzept der nuklearen Abschreckung, mit dem sich während des Kalten Krieges die Supermächte erfolgreich gegenseitig in Schach hielten, funktioniert bei dieser Art von Bedrohung nicht. Machthungrige tollwütige Diktatoren und erst recht Terroristen, die kein Land haben, lassen sich nicht durch die Androhung einer nuklearen Antwort abschrecken.

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