Brandherd

Lage im Iran eskaliert völlig - Über 50 tote Demonstranten, Moscheen landesweit in Flammen

Völliger Ausnahmezustand im Iran, Moscheen stehen landesweit in Flammen, heftige Kritik gegen die islamische Führung und über 50 Tote, Menschen, die bei Demonstrationen ums Leben kommen. 

Das Ausmaß der Demonstrationen war zunächst unklar. Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi warnte unterdessen vor einem "Massaker im Schutz einer umfassenden Kommunikationssperre". Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, wiederum rief via X US-Präsident Donald Trump auf, "einzugreifen, um dem iranischen Volk zu helfen." Mindestens 51 Demonstranten sollen bisher laut Medienangaben getötet worden sein. 

Pahlavi, der enge Kontakte zu den US-Republikanern pflegt, hatte für Donnerstag und Freitag zu Protesten animiert. Am Freitag wandte er sich auf Social Media an Trump: "Herr Präsident, dies ist ein dringender und unmittelbarer Aufruf um Ihre Aufmerksamkeit, Unterstützung und Ihr Handeln. (...) Ich bitte Sie um Ihre Hilfe. Sie haben bewiesen, dass Sie ein Mann des Friedens sind und zu Ihrem Wort stehen."

Erneut Menschenansammlungen an zentralen Plätzen

Geteilte Videos in sozialen Medien zeigten am Freitag erneut Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht. Wegen einer landesweiten Internetsperre drangen nur noch wenige Aufnahmen nach außen. Seit mehr als 24 Stunden ist die Bevölkerung digital vom Rest der Welt abgeschnitten.

Studierende in der Hauptstadt Teheran berichteten von einer angespannten Sicherheitslage. Auf einer Hauptverkehrsstraße seien alle zehn Meter Spezialeinheiten der Sicherheitskräfte mit Kalaschnikow-Sturmgewehren postiert, hieß es im studentischen Newsletter "Amirkabir". Die Sorge vor einer Eskalation der Gewalt war demnach groß.

Unterdessen berichtete der Bürgermeister von Teheran, Alireza Zakani, vom Ausmaß der Unruhen in der vergangenen Nacht. Seiner Darstellung nach wurden bei den Unruhen mehr als 50 Banken und mehrere staatliche Einrichtungen angezündet. "Mehr als 30 Moscheen gingen in Flammen auf", sagte er in einem von der Nachrichtenagentur Mehr verbreiteten Video.

Ebadi: "Taktik zur Niederschlagung der Protestwelle"

Die im Exil lebende Friedensnobelpreisträgerin Ebadi schrieb am Freitag auf Telegram, die von den Behörden verhängte landesweite Internetsperre sei "eine Taktik" zur Niederschlagung der jüngsten Protestwelle durch die Sicherheitskräfte. Sie habe Informationen erhalten, wonach am Donnerstag hunderte Menschen mit "schweren Augenverletzungen" in ein Krankenhaus in Teheran eingeliefert worden seien..

Bereits 2023, bei der Niederschlagung der Proteste wegen des Todes der jungen Kurdin Mahsa Amini, hatten Sicherheitskräfte nach Angaben von Aktivisten absichtlich auf die Augen von Demonstrierenden gezielt und dadurch Erblindungen ausgelöst. Die Anwältin Ebadi hatte im Jahr 2003 für ihren Einsatz für Menschenrechte den Friedensnobelpreis erhalten.

NGO: Bereits 51 tote Demonstranten

In der Nacht zum Freitag war es im Iran zu den größten Demonstrationen seit Beginn der Protestwelle vor fast zwei Wochen gekommen. In mehreren Städten richteten Demonstranten wütende Slogans gegen die religiöse und politische Führung des Landes. Landesweit wurde daraufhin von den Behörden das Internet abgeschaltet. Die Proteste hatten sich am Zorn über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage entzündet. Nach jüngsten Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen wurden in knapp zwei Wochen seit Beginn der Proteste mindestens 51 Demonstranten getötet, darunter neun Minderjährige.

Bericht: Zehn Sicherheitskräfte getötet

Im Westen Irans des Landes wurden bei Unruhen nach Angaben von Aktivisten auch zehn Mitglieder einer regionalen Militäreinheit getötet. Der Vorfall ereignete sich in der Stadt Kermanshah bei Zusammenstößen mit Aufständischen, wie die Menschenrechtsgruppe Hengaw mit Sitz in Norwegen berichtete. Die Sicherheitskräfte gehörten demnach zur sogenannten Nabi-Akram-Einheit, die den iranischen Revolutionsgarden untersteht und zur Unterdrückung von Protesten eingesetzt wird. Eine Bestätigung von staatlicher Seite oder des Militärs gab es zunächst nicht.

Merz, Macron und Starmer rufen Führung zu Gewaltverzicht auf

Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben die iranische Staatsführung angesichts der Massenproteste eindringlich zum Gewaltverzicht aufgerufen. "Wir sind zutiefst besorgt über Berichte von Gewalt durch iranische Sicherheitskräfte und verurteilen die Tötung von Demonstranten auf das Schärfste", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer.

Die iranischen Behörden seien verantwortlich für den Schutz der eigenen Bevölkerung, sie müssten Meinungsfreiheit und friedliche Versammlungen zulassen, ohne dass Angst vor Repressalien herrsche. "Wir fordern die iranischen Behörden nachdrücklich dazu auf, Zurückhaltung zu üben, von Gewalt abzusehen und die Grundrechte der iranischen Bürgerinnen und Bürger zu wahren", so die Erklärung.

Teheran beschuldigt USA und Israel der Einflussnahme

Die Führung in Teheran warf den USA und Israel am Freitag eine direkte Einflussnahme auf die Protestbewegung vor. "Die Amerikaner und Israelis haben selbst gesagt, dass sie direkt in die Proteste im Iran eingreifen", sagte der iranische Außenminister Abbas Araqchi am Freitag während eines Besuchs im Libanon. "Sie versuchen, die friedlichen Proteste in spaltende und gewalttätige Proteste zu verwandeln."

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