Die Causa ist laut der französischen Regierung abgeschlossen. Kritische Stimmen gibt es aber aus der eigenen Partei.
Der französische Premierminister Francois Fillon hat Kulturminister Frédéric Mitterrand nach der hitzigen Debatte um dessen literarisch verarbeitete Sextourismus-Erlebnisse öffentlich den Rücken gestärkt. Mitterrand, der Neffe des verstorbenen sozialistischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand, genieße sein Vertrauen und das von Präsident Nicolas Sarkozy, sagte Fillon am Dienstag dem Rundfunksender RTL.
Die Auseinandersetzung um den bereits 2005 erschienenen und autobiografisch inspirierten Roman "La mauvaise vie" ("Das schlechte Leben") des bekennenden Homosexuellen betrachtete Fillon als "beendet". In dem Buch schildert der Autor unter anderem seine Faszination für Homosexuellen-Bordelle in Thailand. Mitterrand müsse an seiner Arbeit als Regierungsmitglied und an seinen Erfolgen gemessen werden, ergänzte der Premier.
Verständnis für Mitbürger
Er verstehe "sehr gut",
dass viele Mitbürger von Mitterrand geschockt gewesen seien, als dieser für
den in der Schweiz wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen in den
USA vor über dreißig Jahren inhaftierten Starregisseur
Roman Polanski Partei ergriffen hatte. Mitterrand habe jedoch
eingestanden, dass seine Reaktion "zu emotional" gewesen sei. Allerdings
habe die Affäre gezeigt, dass den oppositionellen Sozialisten jedes Mittel
recht sei, um einen politischen Gegner zu Fall zu bringen, kritisierte
Fillon.
Die Sozialisten hatten wie die rechtsextreme Partei Front National (FN) zunächst Mitterrands Rücktritt gefordert. Am Donnerstag vergangener Woche hatte der Minister öffentlich einbekannt, in Asien für "Beziehungen mit Burschen" bezahlt zu haben. Dies sei ein Fehler, aber kein Verbrechen gewesen, sagte er in einem Fernsehinterview. Mit Pädophilie habe er nie etwas zu tun gehabt.
Kritische Stimmen
In der Regierungspartei UMP mehren sich die
kritischen Stimmen, mehrere Funktionäre erklärten öffentlich, sie sähen sich
nicht mehr in der Lage, Mitterrands weitere Zugehörigkeit zur Regierung
gegenüber der Parteibasis zu rechtfertigen. Präsident Nicolas Sarkozy hatte
den früheren Sozialisten im Rahmen der "Öffnungspolitik" gegenüber der
Linken in die Regierung geholt.