Afghanistan

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Taliban wollen NATO-Basen benutzen

Die Zerstörung militärischer Infrastruktur ist für Taliban "irrational".

Es klingt paradox: Ausgerechnet die Taliban sind strikt dagegen, dass mit dem Ende des NATO-Kampfeinsatzes in Afghanistan bis Ende 2014 auch die von den ausländischen Truppen verlassenen Militärstützpunkte abgerissen werden.

Der Abzug sei zwar ein positiver Schritt, erklärten die Extremisten dieser Tage im Internet. Aber dass die "ausländischen Invasoren" dabei auch militärische Infrastruktur zerstörten, sei "absolut irrational". Schließlich gehe es um Bauten, die auf afghanischem Boden und teils auch mit afghanischem Geld errichtet worden seien: "Die Afghanen haben ein Recht auf diese Anlagen."

In den vergangenen zehn Jahren sind in dem Land am Hindukusch Hunderte Militärbasen und Außenposten entstanden. Die von der NATO angeführte Allianz verhandelt mit der Regierung in Kabul darüber, ihr einige dieser Stützpunkte zu übertragen. Die meisten sollen aber bis zum Abschluss des Abzuges Ende 2014 abgerissen werden.

Nach einem Bericht der "Washington Post" hat eine US-Firma einen 57 Millionen Dollar (46,5 Millionen Euro) schweren Vertrag erhalten, um das Abwracken der Anlagen zu organisieren.

"Wir hatten in diesem Land mehr als 600 Stützpunkte. Einige waren sehr klein, andere waren sehr große, strategische Basen", sagte der Kommandant der internationalen Schutztruppe ISAF, US-General John Allen. Viele davon würden nun verschwinden. "Wir werden die Gelände in ihre ursprüngliche Form zurückbringen."

Nach den Worten eines Sprechers von Präsident Hamid Karzai hat die afghanische Regierung die NATO ersucht,  die Stützpunkte an die örtlichen Sicherheitskräfte zu übergeben. "Die Basen sind für Afghanistan militärisch wertvoll. Angesichts der prekären Wirtschaftslage hätte die Regierung nicht das Geld, so etwas selbst zu bauen."

Allerdings könne es sich das Land gar nicht leisten, diese Anlagen zu unterhalten, geben andere zu bedenken. Nach Ansicht ausländischer Militärs wäre die afghanische Armee zudem nicht in der Lage, die Stützpunkte unter Kontrolle zu halten - vor allem, wenn sie in abgelegenen Gegenden ohne Straßenanbindung liegen. Es sei bereits vorgekommen, dass sich in verlassene ISAF-Basen Taliban-Kämpfer eingenistet hätten, heißt es.

"Uns ist klar, dass einige der Anlagen zu schwer zu schützen sind", räumt Karzai-Sprecher Siamak Heravi ein. "Aber dennoch muss die NATO sich mit der afghanischen Regierung absprechen, ehe alle abgerissen werden."

Dass die radikal-islamischen Taliban mit der Regierung einer Meinung zu sein scheinen, ist nach Ansicht der politischen Analystin Kate Clark auch aus einem anderen Grund bemerkenswert: "Es zeugt entweder von außergewöhnlicher Selbstsicherheit oder von großer Dummheit." Die  Extremisten gingen offensichtlich davon aus, dass entweder der Krieg enden werde oder sie diesen gewinnen könnten. Jedenfalls seien sie wohl überzeugt, dass die afghanische Armee die Stützpunkte nicht gegen sie einsetzen werde.

Clark warnt zudem: "Als die Sowjets 1989 nach zehn Jahren abzogen, verteilten die verschiedenen bewaffneten Gruppen in Afghanistan die zurückgebliebenen Waffen, Flugzeuge und Artillerie unter sich auf." Und nachdem 1992 die von Moskau gestützte kommunistische Regierung in Kabul gefallen war, wurden diese Waffen mit verheerenden Folgen gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt.

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