Erni Mangold: Mit 84 noch eine Sexbombe

Theaterkritik

Erni Mangold: Mit 84 noch eine Sexbombe

Ursprünglich hätte Franzobel eine modernisierte Fassung von Nestroys genialer Zauberposse Der böse Geist Lumpazivagabundus oder Das liederliche Kleeblatt schreiben sollen. Aber da anscheinend nicht viel herausgekommen ist, spielt man nun Nestroys Original. Und viel besser als in Georg Schmiedleitners reduzierter, die üblichen Wiener Biedermeier-Zuckerguss-Unarten vermeidender Inszenierung auf einer schwarzen, mit wenigen Requisiten ausgestatteten Bühne kann man sich den frühen Wurf des witzigen, bissigen Vormärz-Dichters kaum vorstellen.

Szenenapplaus
Das beginnt schon mit einer köstlichen Szene im Feenreich, wo die sonst so jungen und schönen Zauberer und Feen von durchwegs alten Herrschaften gespielt werden. Der böse Geist Lumpazivagabundus erscheint in der Gestalt der wunderbaren, 84-jährigen Erni Mangold, die mit Glatze, den langen, nackten Beinen einer Sexbombe und einem erstaunlichen Rückendekolleté mit Szenenapplaus gefeiert wird.

Die drei Handwerksburschen, die mithilfe der Fee Fortuna (Lotte Ledl: auch über 80 und äußerst attraktiv) im Lotto gewinnen und ihr Glück machen sollen, sind Martin Zauner als hinreißend versoffener Schuster Knieriem, Florian Teichtmeister als virtuos notgeiler Schneider Zwirn und Rafael Schuchter als (zu braver) Tischler Leim.

Statt der heiteren Couplets mit ihren stets enervierenden Aktualisierungsversuchen spielen die Sofa Surfers beinhart auf, eine laute, experimentelle Rockband, die Nestroy ganz und gar nicht gemütlich findet. Viel Applaus und Bravos.

E. Hirschmann

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