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ORF vergibt Song Contest an Wien

Entscheidung gefallen

ORF vergibt Song Contest an Wien

Der Poker um den Song Contest ist zu Ende. Nach 14 Stunden Marathonsitzung traf ORF-Chef Wrabetz die Entscheidung: für Wien und die Stadthalle. Zum ORF-Krimi der Spitzenklasse wurde die Vergabe des Song Contests. Schon Dienstag tagte die ORF-Spitze volle neun (!) Stunden.

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Am Mittwoch um 14 Uhr sollte die Song-Contest-Vergabe an Wien von der ORF-Führung einstimmig beschlossen und dann um 15.30 Uhr öffentlich bekannt gegeben werden.

Doch die Sitzung wurde zur ORF-internen Zerreißprobe und zu einem weiteren fünfstündigen Marathon. Kurz vor 19 Uhr verkündete der ORF-Chef: „Der Song Contest wird am 23. Mai in Wien in der Stadthalle stattfinden.“

Das ÖSTERREICH-Interview mit Wrabetz >>>

ORF-Finanzchef verweigerte 
lange seine Zustimmung

ORF-Chef Wrabetz stand einer mächtigen ORF-internen Front gegenüber. Vor allem Finanzchef Richard Grasl war nicht bereit, das Wiener Angebot ohne Nachbesserung zu akzeptieren. Seinen internen Berechnungen nach hatte der ORF bei einer Vergabe an Wien zunächst Mehrkosten von bis zu zehn Millionen Euro zu befürchten.

Die Innsbrucker Bürgermeisterin Oppitz-Plörer hatte dem ORF letzte Woche nämlich ein 50-seitiges Angebot (Titel: „Sorglos-Paket“) überreicht, in dem die Stadt Innsbruck sämtliche (!) Veranstaltungskosten (von Security bis zu den Hotels) übernahm.

Wien dagegen wollte nur die reinen Mietkosten der Stadthalle zahlen, besserte auf Grasls Drängen dann aber nach – und finanziert nun auch Side-Events, Shuttlebusse und Logistik – im Gegensatz zu Innsbruck aber keine Security, keine Infrastruktur, keine Hotels.

Wrabetz blieb ORF-intern jedoch hart: Seine Entscheidung für Wien begründete er mit den Anforderungen für das Programm: Wien sei als Hauptstadt für den Song Contest ideal, habe die viel bessere In­frastruktur und Tradition.

Für Wien und Bürgermeister Häupl ist die Vergabe des Song Contests an die Stadthalle ein Triumph. Häupl hat 2015 Gemeinderatswahlen und tritt nun mit einem Song-Contest-Bonus an.

Nach der Entscheidung jubelte er noch gestern Abend: „Wien ist als weltoffene Stadt der beste Austragungsort. Das wird ein großes Fest für alle Wiener und Gäste.“

Song Contest wird zur Polit-Schlacht

Die Wrabetz-Entscheidung für Wien löst jetzt ein politisches Song-Contest-Erdbeben aus. Grund: In Wien sind 2015 heiß umkämpfte Wahlen.

Das „Ja zu Wien“ des ORF wird zur Staats-Affäre. Nicht nur Tirol, auch weitere ÖVP-Länder wie Niederösterreich gehen auf die Barrikaden, die Bundes-ÖVP tobt – und ORF-Chef Wrabetz droht ein Aufstand im Stiftungsrat.

Song-Contest-Vergabe wird zum beinharten Polit-Streit
Die Song-Contest-Vergabe war in den letzten Tagen zum skurrilen Politstreit ÖVP gegen SPÖ geworden. Die ÖVP wollte unbedingt Tirol, die SPÖ unbedingt Wien.

Entsprechend wurde das Thema auch zur ORF-internen Machtprobe. Der ÖVP-nahe Finanzchef Richard Grasl wollte Wien ohne finanzielle Nachbesserung nicht zustimmen.

ORF-General Wrabetz dagegen war in der Song-Contest-Causa von Beginn an ein Getriebener.

Seine Wahl verdankt er entscheidend den SP-nahen Wiener Stiftungsräten. Hätte Wrabetz „seinem“ Bürgermeister Häupl den Song Contest im Wahljahr weggenommen, wäre er politisch tot gewesen und hätte jede Wiederwahl vergessen können.

Für Häupl ist die Song-Contest-Vergabe an Wien zu Billig-Konditionen ein politischer Triumph. Er wird nun – europaweit gefeiert – als Song-Contest-Bürgermeister zur Wiederwahl antreten.

Politische Insider erwarten, dass er sogar die Wien-Wahl von Herbst auf Juni 2015 vorverlegen wird, um zeitnah zur Song-Contest-Begeisterung zu wählen.

Wien zahlt nur 10 Millionen – bei 600 Mio. Werbewert
ORF-Chef Wrabetz freilich drohen monatelange Nachwehen. Im Stiftungsrat dürfte ein Aufstand bevorstehen, warum das bessere Tirol-Angebot nicht akzeptiert wurde.

Auch in Wien wird der Song Contest für Diskussionen sorgen. Laut Stadtrat Oxonitsch betragen die Gesamtkosten für Wien nur 10 Millionen Euro – ein Schnäppchen bei über 600 Millionen Euro Werbewert.
 

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