Heimkinder nach Afrika geschickt

Verbannt

Heimkinder nach Afrika geschickt

Kinder- und Jugendanwälte schlagen Alarm: Österreich ist scheinbar nicht mehr fähig, sich um die eigenen Heimkinder zu sorgen. 84 schwer erziehbare oder psychisch kranke österreichische Kinder sind im Ausland in Spezialeinrichtungen untergebracht.

Die Kinder werden fast um den gesamten Globus geschickt. Derzeit sind sie verteilt unter anderem auf Deutschland, Polen, Spanien, Griechenland. Manche sind sogar in Namibia (im Südwesten Afrikas)!

Die Erklärung: In vielen Heimen in Österreich gibt es schlicht nicht genug Platz. Man ‚mietet‘ sie in fremden Heimen ein.

Zweiter Grund: Betreuer glauben, die Chancen auf eine Rehabilitation (etwa bei Drogensüchtigen) wäre erfolgreicher, wenn die Kinder aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden.

In der Steiermark wird diese Therapie angewandt – hier werden Jugendliche etwa nach Afrika geschickt. Brigitte Pörsch, steirische Jugendanwältin, kritisiert diese Praxis: „Es kann zu einer kompletten Entwurzelung des Kindes kommen. Die Frage ist, wie sich das Kind wieder an seine Heimat gewöhnen kann.“

Gewalt
Vor allem im Westen Österreichs gibt es Platzprobleme für schwer Erziehbare. Aus Vorarlberg wurden etwa 10 Kinder nach Deutschland in Heime geschickt. Doch nun gibt es massive Anschuldigungen: Sieben dieser Gruppe seien geschlagen und getreten worden.

Österreichische Behörden haben derzeit keinen Zugang zu den Opfern, nur deutsche Betreuer werden vorgelassen. Michael Rauch, Vorarlbergs Jugendanwalt: „Wir können derzeit nicht kontrollieren“. Sein Ziel: Die Kinder sollen bis Ende Sommer wieder in ihrer Heimat Österreich leben.

Österreich: Warum werden Österreichs Kinder im Ausland untergebracht?
Michael Rauch:
Die Gründe sind verschieden: Einerseits wird zu wenig Platz als Grund angegeben, andererseits der Mangel an spezialisierten Einrichtungen.

Österreich: Wer ist dann verantwortlich für diese Kinder?
Rauch:
Österreich ist Kostenträger und auch für das Kind verantwortlich. Die Aufsicht aber liegt in den Händen des jeweiligen Landes – das heißt, wir können vorerst keine Kontrollmaßnahmen vornehmen.

Österreich: Was ist jetzt Ihre konkrete Forderung?
Rauch:
Kinder sollten unter keinen Umständen wegen Platzmangel abgeschoben werden – dagegen kämpfen wir jetzt.

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