IS-Aussteiger belastet Austro-Jihadisten schwer

Mohamed M.

IS-Aussteiger belastet Austro-Jihadisten schwer

In einem Video-Interview erhebt der deutsche IS-Aussteiger Harry S. schwere Vorwürfe gegen den österreichischen Jihadisten Mohamed M. Unter dessen Führung seien bei einem Videodreh im syrischen Palmyra insgesamt neun Menschen erschossen worden, sagt er in einem Interview mit "Radio Bremen".

Mohamed M. als Mörder
Das fragliche Video war Anfang August des vergangenen Jahres veröffentlicht worden. Darin ist zu sehen, wie Mohamed M. einen vor ihm knieenden Mann erschießt, der deutsche Jihadist Yamin A. einen zweiten. Der Verfassungsschutz geht von der Echtheit des Videos aus, gegen Mohamed M. wird daher in Österreich wegen Mordes ermittelt. Immer wieder kamen zuletzt aber auch Zweifel daran auf, ob der 31-Jährige überhaupt noch am Leben ist.

IS-Aussteiger gibt Einblick in perfide Welt
Im Interview mit "Radio Bremen" sagte Harry S., der nach eigenen Angaben im Video nur die Rolle eines "Fahnenträgers" einnahm, es seien am Rande des Drehs noch sieben weitere Menschen erschossen worden. Er selbst sei danach so angewidert gewesen, dass er sich entschloss, aus dem "Islamischen Staat" zu fliehen.

Bei seiner Rückkehr nach Bremen wurde er im Juli 2015 in Bremen verhaftet, am Mittwoch beginnt vor dem Oberlandesgericht Hamburg sein Prozess wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

"Europäer sind nicht mehr so gerne gesehen"
Dem IS liegt nach Angaben von Harry S. mittlerweile nicht mehr viel an der Unterstützung europäischer Jihadisten im Irak und in Syrien: "Europäer sind nicht mehr so gerne gesehen, weil sie den Jihad in den Ländern, wo sie herkommen, fortführen sollen." Ein Erfahrungsbericht, der sich mit der Einschätzung von Terrorexperten deckt, wonach die "dritte Welle" des Jihads vor allem auf ein dezentralisiertes Netzwerk und Anschläge von Einzeltätern in Europa setzt. Nach dieser Logik handelte etwa zuletzt jener Jihadist, der im Namen des IS einen Polizisten und dessen Frau nahe Paris ermordete.

Gleich nach seiner Ankunft in Raqqa - der syrischen Hochburg der Islamistenmiliz - hätte ihn der dortige Geheimdienst gefragt, ob er bereit sei, nach Deutschland zurückzukehren, um dort Anschläge zu verüben, sagt Harry S. Weil er dies verneint hätte, sei er in eine "Spezialeinheit" für "tödliche Einsätze" hinter den feindlichen Linien gekommen, so der 27-Jährige.

Ex-Terrorist zeigt sich geläutert
Angesichts seiner dortigen Erlebnisse zeigt er sich gegenüber "Radio Bremen" betont geläutert: "Ich hab nichts Göttliches oder Paradiesisches daran gesehen, als die Menschen erschossen worden sind." Deshalb wolle er nun "öffentlich darüber sprechen, was ich erlebt habe".

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