09. März 2010 20:26
Die „heiligen“ Gemäuer heimischer Klöster wurden für viele Kinder und
Jugendliche zur Hölle. Immer mehr Missbrauchs-Fälle
werden bekannt, jetzt melden sich die ersten Opfer zu Wort.
Der aktuellste
Fall erschüttert ganz Österreich: Im ältesten Kloster des
Landes, in St. Peter in Salzburg, überschlagen sich die Ereignisse. Ein
Opfer (53) erzählte gestern anonym erstmals, was ihm die Gottesmänner alles
angetan hatten.
Opfer: Ich hatte eine Todesangst
Das 53-jährige Missbrauchs-Opfer sprach im ORF-Interview über die schreckliche Zeit im Kloster St. Peter:
Über den Missbrauch durch den jetzigen Erzabt Bruno Becker:
„In einer Grotte musste ich mich dann auf seinen Schoß setzen. Er drückte mich an sich, ich war von vorneherein wehrlos.“
Über den Missbrauch durch Frater Markus am Kirchturm von St. Peter: „Das war eine Todesangst, ich saß da oben, ich konnte mich nicht rühren, ich konnte mich nur festhalten; er stand vor mir und hatte mir in die Hose gegriffen und dabei hat er sich selbst auch befriedigt.“
Über den Missbrauch durch Josef B., der sich später an jungen Marokkanern verging:
„Beichten durfte ich nur bei Pater B. Dann musste ich beichten, dass ich mit anderen Unkeusches getan habe und dann gab er mir die Absolution. Im Grunde musste ich das beichten, was er verbrochen hat.“
Vier Männer aus dem Kloster St. Peter sind bisher involviert:
Abt
als Täter. Erzabt Bruno Becker (64) – er war selbst als Kind missbraucht
worden – gab zu, sich einmal an dem heute 53-Jährigen vergriffen zu haben.
Das Opfer war zwölf Jahre alt, als der damalige Priesteramtskandidat den
Hauptschüler bei einem Radausflug missbrauchte. Becker bot seinen Rücktritt
an. Der Prior von St. Peter, Korbinian Birnbacher, sagt: „Bei sexuellem
Missbrauch gibt es keine Toleranz, auch nicht für einen Erzabt.“ Empörung
gibt es, weil Becker seinem Opfer im Herbst offenbar 5.000 Euro Schweigegeld
geboten hatte. Die Kirche dementiert: Es habe sich um „Schmerzensgeld“
gehandelt.
Missbrauch auf Kirchturm
Am schlimmsten dürften aber zwei andere
Padres gewütet haben. „Frater Markus“ (74) hat sein damals elfjähriges Opfer
auf den 78 Meter hohen Kirchturm von St. Peter gelockt, „um ihm die Aussicht
zu zeigen.“ Dort kam es zu schweren sexuellen Misshandlungen. Sechs Jahre
lang wurde das Opfer von Frater Markus und Pater Josef B. misshandelt.
Musiklehrer
In den 70er Jahren verlässt Josef B. den Orden,
Frater Markus wird – offenbar als erste Gerüchte über den Missbrauch die
Runde machen – nach Klöstern in Oberösterreich und Bayern versetzt. Dort ist
er jahrelang als Pfarrer und Musiklehrer tätig.
Sex-Touristen
Unglaublich: In den Jahren 2003 bis 2005 machten
die beiden Männer Gottes dann mit ihrem Komplizen Johann S. (kein
Kirchen-Mann) Sex-Ausflüge nach Marokko. Der teuflische Plan: Sie lockten
junge Marokkaner (zwischen elf und 18 Jahren) in ihr Appartement und
vergingen sich dort an ihnen. Im Jahr 2005 flog alles auf: Die Männer
standen 2008 nach einem Versteckspiel mit den Behörden in Salzburg vor
Gericht. Josef B. und Johann S. werden verurteilt. Frater Markus hatte sich
nach Deutschland abgesetzt. B. starb im vergangenen Februar.
Hunderte Fälle
Der vierte Fall: In den 90er Jahren vergriff
sich Pater Raphael G. aus St. Peter in Annaberg (Bezirk Hallein) über 300
Mal an Dutzenden Ministranten. 2005 wurde er zu 18 Monaten (bedingt)
verurteilt.
Klar ist: Das Kloster wollte die Affäre noch länger vertuschen – nur der
mediale Druck war zu groß. Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser
fordert jetzt: „Der Fall muss schonungslos aufgeklärt werden.“
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Fall 2: Pater gestand Sex-Übergriffe Der Sex-Skandal
erreicht auch das westlichste Bundesland Vorarlberg: So soll auch das
Internat Kloster Mehrerau von gleich zwei Missbrauchsfällen
betroffen sein. Priester versetzt. Bereits in den 1980er
Jahren war ein Schüler des Zisterzienser-Klosters von einem Pater
sexuell missbraucht worden. Dies bestätigte nun auch der Abt des
Internats Anselm van der Linde. Damals seien die Eltern des
betroffenen Schülers beim damaligen Abt des Klosters vorstellig
geworden, hätten dann aber auf eine Anzeige verzichtet. Die
Bedingung: Der Pater müsse sofort versetzt werden, was dann auch
geschah. Er wurde nach Tirol versetzt und habe sich einer Therapie
unterzogen. Bis heute soll er noch als Priester im Amt sein. Pater
suspendiert und verurteilt. Ein zweiter Fall ereignete sich 2001
durch einen Mehrerauer Pater, diesmal allerdings nicht im Kloster
selbst. Der Pater studierte in der Zeit in Innsbruck und habe dort
ohne Erlaubnis des Abtes auch Nachhilfe erteilt. Er habe sich einen
Burschen aus dem Drogenmilieu geholt und ihn sexuell missbraucht.
Der Pater wurde vom Dienst suspendiert, von einem Gericht
verurteilt, zeigte sich aber uneinsichtig.
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Fall 3 & 4: Vier Priester misshandeln sechs Frauen
Auch in
Kärnten sind jetzt Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche
bekannt geworden. Das bestätigt die Ombudsstelle der Diözese Gurk, die seit
1995 besteht. Bis jetzt wurden acht Fälle gemeldet – die jüngsten beiden
erst am Montag. In sechs Fällen waren Frauen die Opfer. Als Täter wurden
vier Priester und zwei kirchennahe Personen beschuldigt. Es laufen noch
immer die Ermittlungen. Es hat noch in keinem Fall eine Verurteilung
gegeben. Die Schlinge um Porno-Pater Roman N., bis Februar Pfarrer der
niederösterreichischen Gemeinde Willendorf, zieht sich zu. Wie jetzt
durchdringt, wurden wegen Kinderpornografie gleich drei Computer
beschlagnahmt. Zwei Geräte gehörten der Pfarre, eines dem Geistlichen
selbst.
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Fall 5: Übergriffe im Jugendlager an Buben Aus den
70ern stammt ein Fall von – mutmaßlich mehrfachem – sexuellem
Missbrauch in der Erzdiözese Graz-Seckau: Ein heute 46 Jahre alter
Mann gab Ende Februar an, auf einem Jugendlager sei es zu Übergriffen
durch einen mittlerweile verstorbenen Pfarrer und Religionslehrer aus
dem Stift Admont gekommen. Die Diözese bestätigte, dass der Fall
bekannt sei. Der Abt des Stiftes, Prälat Bruno Hubl, hat sich
öffentlich entschuldigt.
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