12. Juni 2010 20:28
Entwurzelte Bäume, überflutete Keller und sogar zwei Todesopfer
– die Bilanz der Unwetter vom Wochenende sind verheerend. Nach dem
Hitzerekord von bis zu 35,6 Grad zog die Gewitterlinie eine Spur der
Verwüstung durchs Land. Auch am Sonntag gab es schwere Unwetter, vor allem
im Süden. ZAMG-Experte Christian Csekits: "Die Gewitter waren in
dieser Stärke und mit orkanartigen Stürmen außergewöhnlich.“
Alle Wetter-Infos finden Sie
hier!
Jugendliche von Blitz getroffen
Vier Jugendliche sind am Sonntag
in Eberstalzell (Bezirk Wels-Land) in Oberösterreich durch einen Blitzschlag
verletzt worden, während sie bei einem Maibaumklettern Getränke
ausschenkten. Die übrigen Besucher der Veranstaltung blieben unverletzt. Das
teilte die Sicherheitsdirektion am Montag mit.
Die Jugendlichen - drei sind 15, einer 20 Jahre alt - erlitten einen
Stromschlag, als in unmittelbarer Nähe der Bar ein Blitz einschlug. Sie
mussten ins Spital gebracht werden. Nach dem Einschlag fiel der Strom aus,
Sachschäden dürfte es nicht gegeben haben.
NÖ: Wasser reißt Pkw mit - Insasse tot
Nach Starkregen
und Gewittern, die am Sonntagabend vor allem in Oberösterreich Überflutungen
und Vermurungen zur Folge hatten, gab es am Montag in den Mittagsstunden im
steirisch-niederösterreichischen Grenzraum heftige Unwetter, die im
Wechselgebiet zu Überschwemmungen führten und ein Todesopfer forderten: Auf
einen Park&Ride-Platz an der Südautobahn (A2) auf der steirischen Seite
des Wechsel ging eine Sturzflut nieder, die eine Frau in ihrem Auto mitriss.
Die etwa 60-Jährige konnte nur noch tot aus dem Wagen mit
niederösterreichischem Kennzeichen geborgen werden. Insgesamt wurden rund 20
Fahrzeuge mitgerissen.
93-Jähriger gerettet
In der in den Mittagsstunden von einem
schweren Unwetter getroffenen Gemeinde Zöbern im niederösterreichischen
Wechselgebiet ist am Montagnachmittag ein 93-Jähriger aus einem Bach
gerettet worden. Er war nach Angaben von "144 - Notruf NÖ" zwar stark
unterkühlt, aber äußerlich unverletzt. Der Mann wurde vom
Notarzthubschrauber "Christophorus 3" ins Landesklinikum Neunkirchen
geflogen.
Unwetter im Pinkatal
An der Autobahn-Auffahrt in Schäffernsteg
(Bezirk Hartberg), wo die Pinka, der Lafnitzbach und der Schäffernerbach
aufeinandertreffen, kam es zu massiven Überschwemmungen. Gegen 13.00 Uhr
hatte sich eine Gewitterzelle über dem Hochwechsel gebildet, wenig später
ging Starkregen über dem Pinkatal nieder, Bäche schwollen an. Durch die
Wassermassen waren Industrie-und Gewerbebetriebe sowie Privatobjekte
betroffen.
Die Wechselbundesstraße (B54), die L423 und die LB63 in der Steiermark und
im Burgenland waren gesperrt. Auch die Autobahnausfahrt Pinggau-Friedberg
war bis in den Nachmittag hinein nicht benutzbar. Auf der A2 bildet sich in
Fahrtrichtung Graz ab der Abfahrt Friedberg ein Stau zurück bis Zöbern.
Bach trat über die Ufer
Auf der niederösterreichischen
Seite des Wechsel wurde die Gemeinde Zöbern (Bezirk Neunkirchen) schwer in
Mitleidenschaft gezogen. Der Zöbernbach sei über die Ufer getreten und habe
massive Überschwemmungen verursacht, berichtete Bezirksfeuerwehrkommandant
Josef Huber. Darüber hinaus sorgte ein Hangrutsch für die Gefährdung von
vier Häusern. Eine Garage stürzte ein und begrub ein Auto unter sich.
Huber zufolge wurde der landesgeologische Dienst angefordert. Laut
Landesfeuerwehrkommando traf ein Experte bereits in den Nachmittagsstunden
in der Wechsel-Gemeinde ein und nahm die Untersuchung des völlig
aufgeschwemmten Erdreiches auf. Um das Wasser teilweise abzuleiten, wurden
als Erstmaßnahme mehrere Drainagen in den Hang geschlagen.
Elf Feuerwehren mit etwa 140 Mann rückten im Bezirk Neunkirchen aus. Die
Helfer mussten überflutete Keller auspumpen und verschlammte Straßen wieder
freimachen. Der Sportplatz von Zöbern wurde von einer 30 Zentimeter hohen
Schlammlawine überrollt. Die Straßenverbindungen aus Aspang und Krumbach
waren gesperrt. Vom Unwetter betroffen waren außerdem Tauchen und Aspang.
Dort kam es ebenfalls zu Überschwemmungen. Es wurde davon ausgegangen, dass
die Aufräumarbeiten zumindest bis in die Nachtstunden dauern würden.
Chaos in Wiener Neustadt
Auch im Bezirk Wiener Neustadt gab es
witterungsbedingte Einsätze. Laut Abschnittskommandant Franz Pichler war der
Zöbernbach binnen 45 Minuten um etwa 2,5 Meter angestiegen. Im Raum Krumbach
standen vier Feuerwehren mit etwa 60 Mann im Unwettereinsatz. Es waren
Sicherungs-und Aufräumarbeiten durchzuführen. Eine nach einem Unwetter Ende
Mai in der Region errichtete Behelfsbrücke wurde laut Pichler unbefahrbar.
Die Feuerwehr hatte zwischenzeitlich alle Übergänge - Brücken wie Stege -
über den Zöbernbach gesperrt.
Land unter in Oberösterreich
Starkregen und Gewitter haben
die Feuerwehren in Oberösterreich am Sonntagabend auf Trab gehalten. Sie
mussten rund 120 Mal ausrücken. Hunderte Mann standen im Einsatz. In
Kremsmünster (Bezirk Kirchdorf) wurde ein Haus bereits zum dritten Mal in
diesem Jahr vermurt.
Allein zwischen 17.30 und 20.00 Uhr gingen 113 Notrufe ein. Beinahe alle
Einsätze waren unwetterbedingt. Großteils mussten Keller ausgepumpt, Straßen
gesäubert und beschädigte Dächer abgedichtet werden. Die räumlichen
Schwerpunkte lagen in den Bezirken Kirchdorf und Steyr-Land, im Linzer
Umland sowie im Mühlviertel.
Murenabgang in Salzburg
In Kremsmünster wurde ein Haus bereits
zum dritten Mal in diesem Jahr durch eine oberhalb gelegene Wiese vermurt.
Am Sonntagabend war das Ausmaß der Zerstörung aber noch größer als bei den
beiden ersten Malen. Weil diesmal mehr Wasser und Schlamm abgingen, wurden
auch noch weiter unten liegende Gärten verwüstet.
Auf die Felbertauernstraße ist am Sonntagabend im Gemeindegebiet von
Mittersill (Pinzgau) eine Mure niedergegangen, wodurch die Fahrbahn leicht
verschüttet wurde. Der untere Schrottgraben wurde aufgrund der starken
Regenfälle zu einem Wildbach. Verletzt wurde niemand. Die Felbertauernstraße
war für zwei Stunden nur erschwert passierbar, teilte die Polizei mit.
Der Wildbach trat über die Böschung, Stein- und Erdreich gelangte auf die
Fahrbahn der Felbertauernstraße und verlegte den talwärts führenden
Fahrstreifen auf einer Länge von ca. 30 Metern. Die Feuerwehr Mittersill
rückte mit fünf Fahrzeugen und 30 Mann aus. Die Fahrbahn wurde vom
Straßendienst und der Feuerwehr mit Radlader und Schaufeln gereinigt.
Überschwemmungen in der Steiermark
Das Unwetter hat im
Bezirk Weiz Schäden angerichtet. In Arzberg trat ein Bach über die Ufer und
überschwemmte eine Landesstraße, ebenso in St. Kathrein am Offenegg. Bei
Eibisberg verlegt eine Mure eine Gemeindestraße. Feuerwehren und die
Straßenmeisterei Weiz waren noch am Montag mit Aufräumarbeiten beschäftigt.
Verletzt wurde niemand.
In den Abendstunden gingen im Bereich des Passailer Kessels Unwetter mit
starken Regen nieder. Besonders betroffen waren die Gemeinden Arzberg und
St. Kathrein am Offenegg. In Arzberg trat die Moder aus den Ufern und
überschwemmte die L357 zwischen der B64 und der Ortschaft Arzberg. Im
Gemeindegebiet von St. Kathrein wurde die L353 an mehreren Stellen
überflutet bzw. von einer Mure verlegt. Zwischen der L353 und Eibisberg im
Bereich des sogenannten Thalgrabens verlegte ein Erdrutsch die
Gemeindestraße.
Vorgeschmack auf Sommer
Laut Meteorologie-Experten war all das
nur ein Vorgeschmack auf diesen Sommer. Die fatale Mischung aus heißen und
feuchten Luftschichten wird weiter anhalten – extreme Wetterlagen wie am
Samstag werden sich häufen:
Schwere Schäden in Tirol.
Nach einem wunderschönen
Sommertag bildeten sich die ersten Gewitter in Nord- und Osttirol. Es regnet
heftig mit starkem Sturm. Im Zillertal werden mehrere Bäume entwurzelt.
„Höllische Zustände“ in OÖ: Die Gewitter erreichen Salzburg und
Oberösterreich. Das Gebiet um Linz ist am schlimmsten betroffen. „Es
herrschen höllische Zustände“, sagt die Feuerwehr. Zwei Stunden halten
die Gewitter Hunderte Einsatzkräfte in Atem. In Neuhofen ertrinkt ein
15-Jähriger in der Krems.
Unwetter-Warnungen
auf Ihr Handy!
Unwetter in Wien.
Heftige
Unwetter gehen über Wien nieder. Stühle und Tische in den
City-Schanigärten werden mitgerissen, auf der Hohen Warte misst die ZAMG
Windspitzen von bis zu 126 km/h, am Kanzlerfest herrscht kurz Chaos. Durch
den starken Wind kracht in Wien-Favoriten ein 60 Meter langes Gerüst in sich
zusammen – Autos sind kaputt. In Stockerau schüttet es wie aus Kübeln – 19
Liter pro Quadratmeter in nur einer Stunde.
Nova Rock unterbrochen.
Der Himmel über dem Rockfestival zieht
sich zusammen. Wegen Sturms wird das Festival unterbrochen. Eine Stunde
später Entwarnung. Die Gewitter ziehen weiter, die Fans haben vorerst Glück.
Unwetter-Gefahr bleibt.
Die Unwetter bleiben uns erhalten –
weil es weniger heiß ist, könnten sie in den nächsten sieben Tagen aber
weniger heftig ausfallen. Csekits: „Die Prognose für die nächsten Tage sieht
nicht gut aus.“
|
Robert (15) ertrank in reißendem Kremsfluss
Das
Unwetter forderte ein Todesopfer: Ein 15-Jähriger ist am Samstag in
OÖ nach einem Sprung in den reißenden Fluss in die Tiefe ertrunken.
Jugendlicher
Übermut kostete Robert F. am Wochenende das Leben – das tragische
Ende eines ausgelassenen Badenachmittags einer Clique. Der
15-Jährige hatte sich mit seinen Freunden nach einem schweren
Unwetter, das über weite Teile OÖs zog, wieder am beliebten
Badeplatz getroffen. Die sintflutartigen Regenfälle hatten die Krems
bei Neuhofen (Oberösterreich) zu einem reißenden Fluss anschwellen
lassen.
Wasserwalze. Das hielt Robert F. und
seinen 13-jährigen Freund Michael O. nicht ab, wie so oft bei
Normalwasser vom Turm der Wehranlage in die Krems zu springen. Hand
in Hand hüpften sie gegen 21.30 Uhr ins Wasser. Der 13-Jährige wurde
von einer Wasserwalze erfasst und drei Mal in die Tiefe gezogen. Er
konnte sich aus eigener Kraft ans Ufer retten.
Abgetrieben.
Robert F. tauchte jedoch nicht mehr auf. Seine besorgten
Freunde alarmierten die Rettungskräfte. „Als wir eintrafen, standen
die Jugendlichen völlig aufgelöst am Ufer, ihr Freund war im Wasser
verschwunden“, berichtet Andreas Schnabl von der Feuerwehr Neuhofen.
Ein Großeinsatz wurde ausgelöst, sechs Feuerwehren und Taucher
beteiligten sich an der Suche.
Robert F. konnte jedoch erst
sieben Kilometer weiter im reißenden Fluss entdeckt werden. Er war
über mehrere Stauanlagen abgetrieben worden. Taucher bargen den
Schüler. Jede Hilfe kam jedoch für den 15-Jährigen zu spät.
Die
Familie des Opfers und seine Freunde mussten vom
Kriseninterventionsteam betreut werden.
|