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Bluttat in Wien-Döbling

Mord-Drohungen gegen Anwältin von Mädchen-Killer

Star-Anwältin Liane Hirschbrich ist für ihre furchtlosen Auftritte in den Schwurgerichtssälen der Republik bekannt. Gegenwind bei heiklen Fällen ist für die Strafverteidigerin nichts Neues. Schon als sie den damals meistgehassten Angeklagten Österreichs, den Amokfahrer von Graz, vertrat, musste sie sich ein dickes Fell zulegen, weil sie teils übel beschimpft wurde und sich im Internet ein wahrer Shitstorm über sie ergoss. „Angst habe ich auch jetzt nicht“, sagt Hirschbrich, die seit 2007 Rechtsanwältin ist. Zumindest mulmig ist ihr aber diesmal zumute. Sie hat das Mandat von Robert K. übernommen, jenem 16-jährigen Elitegymnasium-Schüler, der in einem Gemeindebau in Wien-Döbling das siebenjährige Nachbarskind Hadishat in der Badewanne erstochen haben soll – es gilt die Unschuldsvermutung.

Anwältin erstattete Anzeige bei der Polizei

Wie das kleine Opfer hat auch der mutmaßliche Mörder tschetschenische Wurzeln. Deshalb wurde die Kleine in Gheki, der Heimat der Großeltern, im Nordkaukasus, 3.000 Kilometer von Wien entfernt, beigesetzt. Auf der Trauerfeier spielten sich Szenen ab, die Auswirkungen bis nach Wien haben. Es wurde zur Blutrache an der Familie von Robert K. aufgerufen (siehe Kasten rechts).

Die Juristin wurde am Dienstag ebenfalls mit Mord bedroht. Per SMS kündigte ein Unbekannter an: „Ich werde Sie abstechen.“ Hintergrund dürften Äußerungen der Anwältin über ihren Mandanten sein, den sie als höflichen jungen Mann beschrieben hatte. In der Droh-SMS äußert der Unbekannte seinen Unmut darüber.

Hirschbrich hat die Polizei eingeschaltet, will sich aber nicht einschüchtern lassen: „Wenn ich einen Mandanten übernehme, bedeutet das nicht, dass ich die Tat gutheiße. Aber in einem Rechtsstaat hat jeder Anspruch auf ein faires Verfahren.“


Aufruf zur Blutrache bei Beerdigung von Hadishat

Seit der Bestattung des ­ermordeten Mädchens kursieren Blutrache-Aufrufe.

Hadishats Leichnam war noch nicht richtig beigesetzt, da kursierte auf Youtube bereits ein Video von den Trauer­feierlichkeiten in Tsche­tschenien. Es zeigt die beiden Großväter des Mädchens und eine rein männliche Trauergesellschaft – als Verwandte des Mordopfers.

Der Trauerredner sprach sich in Rage, breitete seine Hände immer wieder über der Bahre aus, auf der Hadi­shat in eine Decke und einen Teppich eingewickelt lag: „Alle vier müssen sterben. Die Eltern waren bei diesem Mord beteiligt. Sie im Ausland zu töten, ist ganz leicht“, sagte er.

Mit „alle vier“ waren der mutmaßliche Mörder Robert K. (16), sein Bruder und deren Eltern gemeint. Der Familie wird unterstellt, bei der „Entsorgung“ der Leiche in ­einen Mistkübel geholfen zu haben.

Dafür gibt es keine stichhaltigen Beweise. Ermittelt wird gegen die Familienangehörigen des Gymnasiasten nicht. Selbst wenn sie bei dem Versuch der Verdeckung der Straftat geholfen hätten, wäre dies strafrechtlich unerheblich. Die sogenannte Begünstigung innerhalb einer Familie wird nicht verfolgt.


Opfer-Familie: "Wollen keine Rache"

Die Familie der ermordeten Hadishat distanziert sich von Aufrufen zur Blutrache. 

Hadishats Mutter Zarema G. (35) wurde sogar bezichtigt, indirekt zur ­Rache am mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter aufgerufen zu haben. Auf WhatsApp soll sie Mitgefangene dazu ermuntert haben. „Das ist Unsinn. Meine Mandanten distanzieren sich aufs Schärfste von jeglichen Gewaltaufrufen gegen den Verdächtigen oder dessen Familie“, sagt Familien-Anwalt Nikolaus Rast.

Die Hinterbliebenen vertrauten auf ein rechtsstaatliches Verfahren gegen ­Robert K., für den die Unschuldsvermutung gilt.

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